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Franz Rauscher
 

Anlässlich der aktuellen Gewaltereignisse einer „völlig neuen Dimension“ in Deutschland ist beim ORF ein klares Muster von Zensur und Selbstzensur erkennbar, das im krassen Widerspruch zum eigenen Auftrag steht. Der ORF selbst stuft das Thema heute auf orf.at als entsprechend prominent und brisant ein: „Die Debatte über die Causa lässt die Wogen in Politik und Medien hochgehen.“ 

Dabei finden Zensur und Selbstzensur beim ORF, etwa bei diesem Thema, auf verschiedenen Ebenen statt:

  1. Dazu zählt zum einen die skandalös verzögerte Berichterstattung des ORF, die in Deutschland bereits zu harscher Kritik an Medien, insbesondere am ZDF, geführt hat, das, ähnlich wie der ORF, die Berichte tagelang ausgeblendet hat. Zur Kritik an deutschen Medien schrieb der ORF heute unter orf.at/stories/2317608/2317609/ :
    „Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-‚heute‘-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat“, schrieb der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in einem auf der Facebook-Seite der „heute“-Sendung veröffentlichten Statement. (…) Der frühere CDU-Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte zuvor schwere Vorwürfe insbesondere gegen die öffentlich-rechtlichen Medien erhoben. Es sei „ein Skandal, dass es Tage gedauert hat, bis die öffentlichen Medien die Berichte aufgegriffen“ hätten, sagte er und stellte die Frage über mögliche „Nachrichtensperren“ in den Raum.“
    Der ORF hat hier gute Gründe, den Balken im eigenen Auge zu entdecken. Der erste ORF-Bericht zu den Ereignissen stammt vom 5. Januar, was im deutschsprachigen Raum unter den wichtigen Medien das absolute chronologische Schlusslicht darstellt.
  1. Dazu zählt die inakzeptable Zensurpraxis im Forum des ORF, die ich in meiner Mail zur Debatte unter http://debatte.orf.at/stories/1765684/ dokumentiert habe:
    Mi 06.01.2016 08:21,
    an 'ORFOnCommunity@orf.at' , Frau Marina Lackovic,
    cc 'publikumsrat@orf.at' ,
    AW: Bitte um Begründung zur Löschung eines Postings.
    Es handelt sich hier um einen klaren Fall von politischer Zensur und Außerkraftsetzung der Meinungsfreiheit. Zahlreiche User wurden Zeugen einer willkürlichen Zensurpraxis.
  1. Zur Zensur zählt auch die Entscheidung des ORF, das einzige Forum, in dem User (massiv durch Zensur eingeschränkt) zu dem Thema etwas schreiben konnten, am 5.1.2016 um ca. 12.25 Uhr abrupt zu schließen: „Was wird 2016 bringen?“ - Welche Themen werden 2016 dominieren? - http://debatte.orf.at/stories/1765684/
  1. Der ORF erzielt unter den österreichischen Online-Medien mit Abstand die höchste Reichweite: 50,3% im 2. Quartal 2015. Im Vergleich dazu weist beispielsweise derstandard.at eine Reichweite von 29,5% auf.
    Folgende Zahlen zu den Userbeiträgen dokumentieren im Bereich der User-Einbindung die Bankrotterklärung der „ORF.at Community“. Hier der Stand vom 7.1.2016: http://debatte.orf.at/ . Aktuell werden 12 Themen angeboten. Die Zahl der Kommentare liegt jeweils zwischen 145 und 994 Beiträgen. Und das zu Debatten, die zum Teil bereits seit Dezember online sind. Hier ist das ORF Community Management gefordert, die Ursachen für den weitreichenden Ausstieg der User aus den ORF-Foren zu ergründen. Es ist naheliegend, dass Themenangebot und die Zensurpraxis dabei eine erhebliche Rolle spielen.
    Vergleichen wir das beispielsweise mit den Userbeiträgen auf der standard.at. Hier werden in weniger als 24 Stunden zu top-aktuellen Themen jeweils Tausende Userbeiträge erzielt. Zum Beispiel http://derstandard.at/2000028563372/Uebergriffe-in-Koeln-Vier-Verdaechtige-ermittelt-ueber-100-Anzeigen-eingegangen vom 6. Jänner 2016, 19:04, aktuell 3.479 Beiträge in 13 Stunden (Stand heute morgen). Zu einem Thema, das laut ORF „in Politik und Medien die Wogen hoch gehen lässt“. Und das im Debatten-Angebot von orf.at dennoch fehlt. Auch das Themen-Management ist eine Form der Zensur.

Es ist an der Zeit, dass sich das Management und die zuständigen Kontroll-Instanzen mit diesen desaströsen Zuständen beim ORF beschäftigen und Maßnahmen fördern und veranlassen, die hier für eine Wende zum Besseren sorgen.