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Werner Grotte
 

Es ist immer wieder faszinierend, wenn der ORF teure Filme produziert, in denen beinhart die sprachlichen Eigenheiten des Spielortes ignoriert werden. Schlimmer noch, es wird Piefke-Deutsche-Einheitssprache verwendet, die in der Praxis so kaum vorkommt. Jüngstes Beispiel: Der am Wochenende ausgestrahlte ORF/ZDF-Krimi „Die Toten vom Bodensee“. Kein einziger Darsteller redete im typisch alemannischen Tonfall, der in dieser Gegend üblich ist und den man selbst dann noch durchhört, wenn Hochdeutsch gesprochen wird.

Gerne wird Kritik daran mit dem Gegenargument gekontert, dass dieser Dialekt ja außerhalb der Region kaum von jemandem verstanden wird und man ja nicht den ganzen Film beuntertiteln kann. Abgesehen davon, dass man das sehr wohl kann, hätte man ja auch eine Leicht-Version des Alemannischen verwenden können und nur jene wirklich nicht verständlichen Dialekt-Phrasen mit Untertiteln versehen können.

Man erinnere sich an Mundl Sackbauer in „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Der zunächst als Skandal bezeichnete, teils sehr tiefe Wiener Dialekt wurde schon bald Kult, manche Phrasen („Mei Bier is net deppert!“) sind bis heute running gags – und der echte Wiener wurde – nicht nur in Wien – einer der größten Serien-Erfolge des ORF aller Zeiten. Der ebenfalls nicht gerade Hochdeutsch singende Wolfgang Ambros hatte in Deutschland einige seiner größten Erfolge; seine dortigen Tourneen waren stets ausverkauft.

Doch das scheint den verantwortlichen Redakteuren, die sonst jedes Detail der jeweiligen Spielorte herausfinden, völlig egal zu sein – man erinnere sich nur an die ebenfalls im Piefke-Einheitsdeutsch dahersäuselnde Film-Natascha Kampusch. Dabei ist gerade die Sprache eines der wichtigsten und unverwechselbarsten Identitätsmerkmale einer Region, ohne die der Film im Prinzip überall spielen kann. Oder ist gerade das von jenen Filmschaffenden sogar erwünscht, weil ihnen der Begriff „national“ oder „Vaterland“ ein Greuel ist?