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Andreas Unterberger
 

Manchmal bekommt man als Österreicher wirklich Minderwertigkeitskomplexe. Etwa, wenn man das deutsche Kanzler-Duell mit sämtlichen Fernsehdiskussionen und -interviews hierzulande vergleicht. Nicht in Hinblick auf die beiden Spitzenkandidaten, und schon gar nicht, wenn man aus deren Aussagen Konkretes abzuleiten versucht (etwa dass es nun ziemlich klar ist, dass in Kürze in Deutschland nun doch auch noch der Familiennachzug für all die Asylanten der letzten Jahre beginnen wird). Da schneiden die österreichischen Gegenstücke oft besser ab.

Dramatisch und negativ für Österreich wird der Unterschied aber, wenn man die journalistischen Leistungen vergleicht. Die deutschen Fragesteller bei Schulz und Merkel haben sich nämlich mehr als 90 Minuten imstande gezeigt, mit ganz knappen und kurzen Sätzen jeweils Fragen zu stellen, die präzise den Punkt trafen, die interessant, aber nicht eitel waren, die für jeden Zuschauer verständlich waren, die Wissen und Vorbereitung des Fragenden beweisen, die sowohl für Martin Schulz wie auch für Angela Merkel unangenehm waren. Für beide! Die sich auch nicht scheuten, die Welcome-Politik, für die beide Großparteien in hohem Ausmaß verantwortlich sind (viele Journalisten auch, aber das ist hier nicht das Thema und die treten nicht zur Wahl an), sehr kritisch zu beleuchten.

Es macht wirklich depressiv, wenn man das mit dem vergleicht, was man seit Jahren auf heimischen Bildschirmen sieht, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Absoluter Tiefpunkt ist derzeit zweifellos der unendlich lang herumknödelnde Tarek Leitner, der dabei weder präzise Fragen zu stellen imstande ist, noch einen Hauch von Objektivität ausstrahlt, sondern völlig einseitig agiert.

Und es ist leider keineswegs so, dass Leitners Einseitigkeit ein Einzelfall wäre, die halt bloß Folge der engen Freundschaft der Familie Leitners mit der des SPÖ-Spitzenkandidaten wäre, also einer der vielen schlimmen Pannen des Wrabetz-Regimes, das Leitner ganz gezielt so in einem Wahlkampf einsetzt.

Aber auch sämtliche andere in den letzten Jahren bei Diskussionen oder Interviews zu hörende ORF-Journalisten im Fernsehen und Radio haben die gleichen zwei Hauptfehler: Sie marschieren ideologisch völlig einseitig im linken Gleischritt. Und sie sind allesamt handwerklich schlecht, sind thematisch weitgehend ahnungslos, haben sich in der Vorbereitung auf zwei Falter-Aufsätze reduziert. Einzige Ausnahme ist Armin Wolf, der das Handwerk des Fragestellens beherrscht, der dafür aber der wahrscheinlich politisch einseitigste aller ORF-Menschen ist, der also Rote und Grüne zwar auch kritisch frägt, aber immer von linksaußen. Generallinie: Warum haben sie sich gegen ÖVP und FPÖ nicht durchgesetzt?

In Österreich habe ich noch nie eine ORF-Frage gehört, wo ein wirtschaftsliberaler, ein wertkonservativer, ein migrationskritischer Hintergrund zu hören gewesen wäre. Obwohl solche Fragen zur Objektivität gehören würden, obwohl sie den ORF endlich wieder interessant machen würden, obwohl sie das thematisieren würden, was eine klare Mehrheit der Österreicher denkt.

Depressiv macht da aber auch, an welche bloß kosmetischen Reformen in Hinblick auf den Rundfunk der Großteil der  bürgerlichen Politiker denkt. Sie regen sich zwar jeweils auf, wenn die eigenen Spitzenleute schlecht behandelt werden. Man gewinnt aber nicht die Überzeugung, dass da irgendwo wirklich grundsätzlich nachgedacht würde, ob ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit Zwangsgebühren-Inkasso in Zeiten von Internet und Satellit auch nur eine Sekunde lang noch eine Berechtigung hat. Es bleibt nur eine zarte Hoffnung, dass das nach den Nationalratswahlen anders sein wird.