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Elisabeth Hennefeld (Fakten: Sa, 03.01.2015, 01:14)
Konjunkturtheorie à la ZiB

 

Der ORF kommt um den Jahresbeginn um ein gerne verschwiegenes Thema nun doch nicht ganz herum. Österreichs Wirtschaft lahmt bedenklich und der einstige Musterschüler schneidet neuerdings nicht nur schlechter ab als die der Schnitt der Euro-Zone: Wir haben vor allem auch die höchste Arbeitslosigkeit seit der Nachkriegszeit! Allfällige Fragen, ob die Wirtschaftspolitik der Regierung der letzten Jahre unter anderem daran schuld sein könnte, werden natürlich sogfältig ausgespart.

Doch nach dem Interview mit dem ZiB-Wirtschaftschef Christoph Varga ist klar, dass sie auch nie gestellt werden. Vargas Analyse der Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum verursacht schlimme Magenschmerzen. Fakt ist, dass die EZB offenbar angekündigt hat, über einen größeren Ankauf von Staatsanleihen mehr Geld in die Wirtschaft pumpen zu wollen. Gleich im folgenden Atemzug erfahren wir vom anonymen Infosprecher, dass diese Ankündigung den Euro-Kurs gesenkt hätte.

Und jetzt erfahren wir von Herrn Varga mit Lächeln im Gesicht, dass das alles wunderbar ist, weil der Euro ohnehin viel zu hoch war. Die Exportwirtschaft darf sich freuen. Aber auch nur die; und nur wenn sie außerhalb der Eurozone operiert, was auf das gros nicht zutrifft. Und dann darf sich auch noch die Regierung des Landes freuen, das durch die Großzügigkeit der EZB sein Schuldenproblemchen kurzfristig auf die lange Bank schieben darf.

Für alle anderen bedeutet das alles nur eines: Inflation! Der absichtliche Wertverfall unseres Geldes und unserer Ersparnisse wird auch noch als soziale Maßnahme verkauft. Kein Wunder, dass der Kurs auch nur beim Gedanken daran verliert. (Wobei das im Vergleich zum US-Dollar gemessen wird und sich die amerikanische Notenbank in den vergangenen Jahren um keinen Deut verantwortungsvoller angestellt hat wie die EZB.) Es sind übrigens nicht „Ankündigungen“, die den „Euro-Kurs senken“. Es sind die Anleger, Bankberater und Sparer, die diese Ankündigung besser interpretieren können als die Herrschaften in der EZB oder der ORF-Wirtschaftsredaktion und die wissen, dass wenn hemmungslos Geld gedruckt wird, der Euro von heute schon morgen weniger wert sein wird und man ihn besser noch schnell los wird, bevor es zu spät ist.

Aber Gott sei Dank, so erfahren wir weiter von Herrn Varga, plant die EU-Kommission nun endlich ein großes Investitionsprogramm, nachdem sie jahrelang nur vom Sparen geredet hat. Investitionen von einer staatlichen Einrichtung gehen zwar zuweilen ein bisschen an den Bedürfnissen der Leute vorbei und unter anderem sitzen wir überhaupt in dem ganzen Schlamassel, gerade weil die Kommission die von ihr so geliebte Infrastruktur gefördert hat, auch wo sie kein Mensch braucht. Aber irgendwer muss doch mal Geld in die Hand nehmen, wenn es die freie Wirtschaft offenbar nicht tut. Warum eigentlich?

Es fehlt eben an Optimismus, dass es wieder aufwärts gehen wird, meint Herr Varga. Na logisch! Staaten verschulden sich uferlos, sie inflationieren die Währung, damit sie die Schulden wieder los werden, das verunsichert aber die freie Wirtschaft, die nicht mehr investiert, um das auszugleichen geben die Staaten noch mehr Geld aus und irgendwo beißt sich die Katze in den Schwanz. So kann es nicht wirklich aufwärts gehen.