ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Sendungskritik Melden

Bitte um ein Stichwort, warum diese Kritik als rechtswidrig oder ehrenbeleidigend (gegenüber konkreten Personen) offline genommen werden soll. Dass eine Meinung unerwünscht oder unsympathisch ist, ist kein ausreichender Grund dafür.

Beitrag melden


Wie man Meinung durch Unwahrheit macht

Andere, Fr, 06.01.2017, 11:45 | Andreas Unterberger

Ein typisches Beispiel, wie der ORF lügt, Fake News produziert – aber dann weiter hinten in einer Meldung rasch noch das Gegenteil der Unwahrheit schreibt, sodass er immer sagen kann: Wir haben eh nicht gelogen. Nur weiß jeder Medienmensch: Die Zahl der Leser einer Meldung nimmt mit jedem Satz ab, sodass die zuvor stehende Unwahrheit bei viel mehr Menschen ins Gedächtnis eingerückt wird.

Wörtlich heißt es (unter der noch zweideutigen Überschrift „WIFO: Russland-Sanktionen kosten viele Jobs“) in dieser Meldung: „Weiters haben die Russland-Sanktionen europaweit fast 400.000 Jobs gekostet, in Österreich waren es 7.000.“

Das ist eine eindeutige Fakten-Mitteilung, die auch nicht durch den Konjunktiv relativiert wird. Danke, alles klar.

Aber nichts ist klar. Denn wenn man weiter dranbleibt, liest man das genaue Gegenteil: „Nur ein kleiner Teil geht wirklich auf Sanktionen zurück. Die Handelsbeziehungen hätten jedoch auch ohne Sanktionen drastisch gelitten, geht aus der Studie laut „Standard“ (Donnerstag-Ausgabe) hervor, und zwar aufgrund der schwächelnden Wirtschaft Russlands respektive des drastischen Ölpreis- und Rubel-Verfalls.“ Nur 36 Prozent des Rückgangs sei auf die Sanktionen zurückzuführen. Die große Mehrheit auf die allgemeine Wirtschaftskrise in Russland (in Folge des Ölpreisverfalls).

Unbeantwortet bleibt die Frage, weshalb die ORF-Redakteure zuerst etwas als Faktum schreiben, was aber offensichtlich gar nicht „wirklich“ ist. Das ist ganz klar gesagt die glatte und bewusste Unwahrheit - die auch nicht einmal durch Unfähigkeit entschuldbar wäre.

Noch schlimmer lügt dann am Abend die ZiB 1 in der gleichen Art. Sie macht die Sendung sogar dramatisch mit den angeblichen Folgen der Sanktionen auf und berichtet dann erst nach vielen unrelativierten Sanktionen-Behauptungen plötzlich die wirklichen Fakten. Die Dekonstruktion der eigenen Story erreicht dann durch den Korrespondenten aus Moskau den Höhepunkt. Er spricht sogar davon, dass nur 20 Prozent des Handelseinbruchs mit den Sanktionen zusammenhängen. Damit platzt der hektisch aufgeblasene Ball im Fernsehen mit einem noch viel lauteren Knall als auf Online.