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ORF2Andere, Mi, 11.01.2017, 00:15 | Kurt Ceipek

Wenn der ORF ein wenig unmotiviert eine Meldung über den enormen Anstieg der Zahl angezeigter sexueller Belästigungen in das Programm seiner meistgesehenen Nachrichtensendung rückt, dann darf man als geplagter ORF-Kunde hellhörig werden.

Zuerst die in dem Beitrag gemeldeten Fakten: Die Zahl der Anzeigen wegen sexueller Belästigung in Österreich ist von 1.106 im Jahr 2015 auf 1.534 im abgelaufenen Jahr 2016 hochgeschnellt. Die Zahl der Anklagen hat sich von 241 auf 446 fast verdoppelt.

Na klar, denkt der unbedarfte Zuseher, die Sexualattacken junger Männer aus Afghanistan, Tunesien, Marokko oder aus anderen Ländern müssen sich ja auf die Statistik auswirken.

Aber wäre das der wesentliche Inhalt dieser Meldung gewesen, hätte man im ORF – wie man aus Erfahrung weiß – mit Sicherheit darauf verzichtet. Damit könnte man ja wieder die wachsende Skepsis der Österreicher gegenüber den unzähligen jungen männlichen Flüchtlingen schüren, die immer mehr Frauen überlegen lassen, in kritischen Regionen und zu ungünstigen Zeiten alleine aus dem Haus zu gehen. Das zu melden wäre in der ORF-Gedankenwelt wider die viel gepriesene „political correctness“.

Deshalb rückt man einen „Experten“ ins Bild, der die Meldung ins Gegenteil verkehren soll. Es kommt der durch meist seltsame Kommentare auffallende Wiener Kriminalsoziologe Arno Pilgram zu Wort, der bedauert, dass sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in dieser Angelegenheit zu sehr „auf Flüchtlinge und Fremde richtet“. Die einheimischen Po-Grapscher seien damit aus dem Schneider, bedauert der Kriminalsoziologe. Unterstützung bekommt er dann noch von einer „Expertin“, einer „Gender- und Gewaltforscherin“ namens Birgit Wolf, die erkannt hat, dass man bei sexueller Belästigung eher fremde Männer anzeigt als Freunde oder Bekannte.

Und um zu unterstreichen, wie gefährlich doch einheimische Po-Grapscher sind, wird am Ende des eineinhalb Minuten dauernden Beitrags ein junges Pärchen gezeigt, das durch einen Park spaziert. Der junge Mann grapscht nach der linken Gesässhälfte seiner Begleiterin, die daraufhin zur Seite hüpft, Sekunden später allerdings mit dem Begleiter händchenhaltend weiter spaziert. Ob man so etwas wirklich als kriminelle sexuelle Belästigung bewerten kann?

Abschließender ZiB-Kommentar dazu: Es brauche hier laut Experten dringend zusätzliche Kampagnen zur Bewusstseinsbildung.

Dieser wertvollen Aufgabe wird sich der ORF gewiss mit großer Begeisterung widmen.