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Auf Laut

bdrAndere, Mi, 17.05.2017, 01:12 | Kurt Ceipek

Was hat es mit dem Neustart der ÖVP auf sich? Wo stehen Österreichs Bürgerliche? Was machen die jungen Konservativen? Welche Chancen hat die Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei?

Viel vorgenommen hatte sich Ali Cem Deniz als Moderator des ORF-Jugendsenders FM4 in der Diskussionssendung „Auf Laut“.

Die Themen hörten sich vielversprechend an, also lauschte auch ORF-Watch, was denn die Diskussionsteilnehmer Nina Horaczek, ihres Zeichens Chefreporterin des linken Kampfblattes „Falter“, der frühere Presse-Journalist Georg Renner und vor allem die zahlreichen anrufenden diskussionsfreudigen Zuhörer zu sagen haben würden.

Begonnen wurde aber nicht mit Sebastian Kurz, sondern mit der vom Falter aufgeblasenen Geschichte von einigen Studentenvertretern der Aktionsgemeinschaft im Wiener Juridicum, die einander über WhatsApp frauenfeindliche, islamophobe oder antisemitische Witze zugeschickt haben sollen.

Mit diesem Thema zu beginnen hatte natürlich vor allem zu Ziel, die am Dienstag begonnene Hochschülerschaftswahl noch zu beeinflussen. Vielleicht würde es noch gelingen, ein paar der Wahlberechtigten davon abzuhalten, doch nicht die ÖVP-nahe AG zu wählen, war da wohl die Hoffnung linker Schwestern und Brüder.

Erst dann begann der zaghafte Versuch, den Hörern weiszumachen, eine große Zahl naiver bürgerlicher Wähler würde den neuen und jungen ÖVP-Chef Sebastian Kurz als „Messias“ betrachten. In der Realität verwenden diesen Begriff nur einige Zeitungskommentatoren und die Wahlkampfzentralen der politischen Mitbewerber, um daran die Erkenntnis zu knüpfen, dass Kurz ja gar nicht über Wasser gehen könne. Diesen Eindruck versucht vor allem die Wiener Stadtzeitung „Falter“ zu machen, die in der aktuellen Ausgabe (für die FM4-Moderator Ali Cem Deniz heftig wirbt) sich über Kurz als Messias lustig machen möchte.

Womit auch ORF-Watch nun ausreichend Werbung für den „Falter“ gemacht hat.

Irgendwie gelingt es aber trotz angestrengter Bemühungen in der Diskussionssendung nicht, Kurz so richtig als künftigen Austro-Diktator zu verteufeln. Falter-Frontfrau Horaczek fürchtet deshalb um die Demokratie in Österreichs Parteien, wenn die Führer dieser Parteien zu viel Einfluss haben. Renner hält dagegen, dass der in den Vordergrund gestellte Parteiführer natürlich auch die volle Verantwortung aufgebürdet bekomme.

Wer erwartet hätte, dass nun eine Flut an Höreranrufen mit heftigen Wortmeldungen gegen Kurz über die FM4-Redaktion hereinbrechen würde, wurde enttäuscht. Lediglich ein einziger junger Mann namens Alex kommt auf Sendung und vertritt die Meinung, Personenkult sei kontraproduktiv. Das belegt er mit dem Beispiel des SPD-Spitzenkandidaten Martin Schultz, der nach einem kurzen Begeisterungs-Strohfeuer jetzt einen erbärmlichen Eindruck macht.

Ob das auch für Sebastian Kurz zutreffen wird, diese Prognose wagen nicht einmal seine schärfsten Gegner. Aber die Hoffnung stirbt erst mit dem Wahlergebnis im Oktober.

Angesichts der müden und ermüdenden Diskussion mit einem einzigen Anrufer auf Sendung fragt sich der Zuhörer: Für wen betreibt der ORF diesen Sender, der ja erhebliche Kosten verursacht? Und für wen macht man eine solche Sendung unter offensichtlichem weitgehendem Desinteresse der Öffentlichkeit?

Das Ziel, Sebastian Kurz zu verteufeln, wurde verfehlt. Lediglich die Studentenvertreter der Aktionsgemeinschaft bekamen ein paar Kratzer ab. Aber auch das wird das Wahlergebnis nicht sonderlich beeinflussen, weil ganz offensichtlich kaum jemand zugehört hatte. Wozu auch?