ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Sendungskritik Melden

Bitte um ein Stichwort, warum diese Kritik als rechtswidrig oder ehrenbeleidigend (gegenüber konkreten Personen) offline genommen werden soll. Dass eine Meinung unerwünscht oder unsympathisch ist, ist kein ausreichender Grund dafür.

Beitrag melden


Themenmontag: Der Talk mit Ingrid Thurnher

ORF3Andere, Mi, 01.11.2017, 16:24

Leider war das eine Sendung, die nur zur Stigmatisierung von religiösen Minderheiten und keinesfalls zur Aufklärung oder gar Problemlösung beiträgt, denn:

- die Sendung war extrem unausgewogen, angefangen bei der Auswahl der Teilnehmer - nur eine einzige Person, die nicht sektenkritisch eingestellt war. Es war kein einziger Experte von einer theologischen Fakultät vertreten, was bei so einer Sendung eigentlich der Fall sein sollte! Vielleicht wollten die Sendungsmacher das anvisierte Bild nicht durch neutrale Sachlichkeit trüben lassen?

- Bereits der Vorspann war eine plakative Wiederholung von seit Jahrzehnten wiederholten Klischees, die von seriösen religionswissenschaftlichen oder soziologischen Studien mehrfach widerlegt wurden.

- Warum war nur ein einziger praktizierender Vertreter einer Glaubensgemeinschaft, Herr Zöhrer von der Vereinigungskirche, anwesend? Die anderen Teilnehmer waren eindeutig kritisch gegenüber den angegriffenen "Sekten" - auch wenn es sich um staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaft handelt. Wieso werden die Zeugen Jevovas vom ORF noch immer als "Sekte" an den Pranger gestellt?

- Die Wortwahl bzw. Fragen waren so angelegt, dass die Zuseher ziemlich sicher Abneigung fühlen werden. Ich habe Publizistik und Massenkommunikation an der Uni Wien studiert, und weiß wie man Worte und Bilder einsetzt, so dass das Publikum zu einem negativen Urteil kommen muss - egal ob es sich um einen Politiker oder andere, dem konkreten Medium mißliebige Personen handelt. Man schlage nach im Buch "Die Schweigespirale" von Elisabeth Noelle-Neumann!

- Frau Thurnhers Schlusswort war auch bezeichnend: "Einblick in die Welt von Sekten und sektenähnliche Vereinigungen." So bezeichnet man also staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaften wie die Zeugen Jehovas oder die Vereinigungskirche? Die Wortwahl der Diskutanten griff auch gerne zu negativ besetzten Stereotypen, die ihre Wirkung gewiss nicht verfehlten. Wobei augenfälligst die Auswahl der Teilnehmer so erfolgte, dass keiner etwas Gutes über religiöse Minderheiten sagen würde. Man kennt ja die Leute, die man einlädt! Herr Zöhrer wurde vermutlich wohl deshalb eingeladen, um als "Feigenblatt der Objektivität" zu dienen.

Man bedarf stark bezweifeln, dass Objektivität hier Regie geführt hat.