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Werner Grotte
 

Wir haben es fast geschafft: Nach vier Wochen zunehmend unerträglicherer Weihnachtslied-Berieselung auf so ziemlich allen ORF-Programmen, nimmt die stündliche Kontaminierung durch „Last Christmas“ und ähnlichen Kitsch, vor allem im Radio, langsam ab.

Dabei ist es ja wirklich so, wie es weiland der große, deutsche Philosoph Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, formulierte: Die Dosis macht das Gift. Und die Vorweihnachtszeit mutet mittlerweile leider an wie eine musikalische Sondermülldeponie.

Kein normal empfindender Mensch hält es aus, wenn innerhalb weniger Wochen gefühlte (oder tatsächliche) 500 Mal jeweils „Feliz navidad“, „Christmas time“, „Wonderful Christmas Time“, „Santa Claus is coming“, „Rudi, the rednose rentier“, "So, this is christmas" und ähnliche Kommerzschlager flächendeckend und nahezu minütlich gespielt werden.

Selbst große Interpreten wie Elvis Presley, Paul McCartney, John Lennon oder Georg Danzer sind davon nicht ausgenommen: Danzers „Wie woa Weihnachten“ aus dem Jahr 1976 etwa wurde zunächst im Staatsfunk kaum gespielt (weil doch ganz schön systemkritisch, wenn nicht gar subversiv). Seit Danzers Tod jedoch wird das in seiner Botschaft durchaus kontroversielle Werk in den Wochen vor Weihnachten so oft gespielt, dass es selbst eingefleischte Danzeristen nicht mehr hören können, es sei denn, sie schalten ihre Radios rasch um oder aus. Schade darum, um beides.

Echte, alte Weihnachtslieder, nicht nur Stille Nacht, sondern auch unbekanntere Werke, hört man bestenfalls in Spezialsendungen auf Radio Niederösterreich & Co.

Dazu kommt, dass in 90 Prozent der hier alljährlich zu Tode gespielten Weihnachtsliedern im Hintergrund ein nerviges und gar nicht zu unserer Tradition passendes Schlittenglocken-Geklingel als Taktmaß erklingt. Mit dem scheppernden Schlitten fährt ja eindeutig nur der amerikanische Kommerz-Weihnachtsmann, den auch eine große US-Getränkemarke gern - samt „Truck“ - in ihren Werbebotschaften unterbringt. 

Unser heimisches Christkind hingegen braucht weder penetrantes Glockengebimmel noch Rauschebärte, HoHoHooo-Rufe oder rote Schwerlaster. Das kommt engelsgleich über Nacht in alle Häuser und legt ganz leise Geschenke unter den Christbaum – sofern man vorher rechtzeitig eine Liste ins Fenster gelegt hat und (vor allem!) brav war.

Heuer könnte das Christkind aus eigenem Antrieb seinerseits eine Wunschliste im ORF-Zentrum deponiert haben: Bitte, bitte liebe Programmgestalter, spielt die nervigen Weihnachtslieder, wenn es unbedingt sein muss, am Heiligen Abend, und von mir aus auch am Christ- und Stefanitag, im Minutentakt, aber verschont uns davor weitgehend damit. Sonst beginne ich nämlich, Geschenke willkürlich übers Jahr zu verteilen – und fahre im Dezember beinhart auf Urlaub in Gefilde, wo sie normale Musi im Radio spielen, also alles zwischen Hänschen klein bis Smoke on the water. Hobt’s mi?