ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Ruth Pauli (Personal: Di, 22.07.2014, 19:23)
ORF-Stars von A - Z

Wer mehr über einen Redakteur seines Interesses erfahren will, der sucht natürlich im Internet. Und wenn er dann die ORF-Kundendienst-Seite angesurft hat, ist plötzlich alles klar. Über das Selbstverständnis. Denn die Redakteursliste heißt dort ganz schlicht: „ORF-Stars von A - Z“. Wer hat, der hat. Stars eben.

Wer aber lauter Stars auf den Gehaltslisten hat, der läuft Gefahr, dass das Budget nicht ausreicht, sie alle, alle bei Laune zu halten. Also dürfen sie sich zu ihrem kärglichen Lohn ein deftiges Zubrot verdienen: „Buchen Sie Ihren ORF-Star!“ Ob für eine Galaveranstaltung, ein Kundenevent, eine Firmenfeier, eine Roadshow oder schlicht einen Geburtstag – sie sind alle zu haben. Für ein schlankes Honorar von zumindest 3000 bis 6000 Euro, nach oben offen.

Hier geht es nicht um Neid-Genossenschaft. Erarbeiteter Marktwert soll gut bezahlt werden. Die brennende Frage ist vielmehr: Wie viel Interessenskonflikt entsteht, wenn fast sämtliche in Informationssendungen Interviewenden gebucht werden können? Und zwar nicht zum Kindergeburtstag, da ist ein Hobby-Zauberer preisgünstiger. Ein ZiB-Moderator passt eher in ein Banken- oder Großindustriellen-, ja und natürlich auch in ein Partei-Budget und wird daher durchgehend zu einem Spitzenhonorar von genau denen gebucht, die dann oft als Studiogäste objektiv befragt werden sollen.

Ehre, wem Ehre gebührt: Armin Wolf lässt sich nicht übers Internet buchen. Und passt sehr genau auf, in keine Abhängigkeiten zu geraten.

Die meisten anderen freilich lassen sich anpreisen. Übrigens nicht nur mit Lebenslauf und Kompetenzen, sondern mit „besonderen Eigenschaften“ und Beschreibung des eigenen „Typs“.

Und da wird es auch für den nicht buchungswilligen ORF-Konsumenten amüsant. Er kann erfahren, wie sehr Selbstbild und Fremdbild übereinstimmen.

Oliver Polzer beschreibt seinen „Typ“ so: gesellig, sportlich, gesprächig, locker, unbekümmert. Ja, den Eindruck vermittelt er auch, wenn er Skirennen oder Fußballmatches kommentiert.

Wie halten es aber die ORF-Stars, die uns die große weite und die kleine heimische Welt vermitteln, mit sich selbst?

Tarek Leitner etwa erklärt uns: „weltoffen, sachlich, kompetenzvermittelnd“. Hätte man nach so mancher Wahlabend-Berichterstattung vielleicht etwas anders erwartet.

Oder ZiB-2-Moderatorin Lou Lorenz-Dittelbacher. Sollten Sie sich manchmal wundern, wie sie ihre Studiogäste interviewt, schlagen Sie einfach auf der Bestell-Seite nach. Als besondere Eigenschaften führt sie „temperamentvoll, spontan“ an. Mit Kompetenz werben ohnehin alle anderen.

Und den Charme hat auch jemand anderer gepachtet: Christoph Feurstein, Thema-Moderator, meint zum eigenen „Typ“: „Information charmant auf den Punkt gebracht!“

Im „Hohen Haus“ herrscht übrigens auch eine mietbare Frau mit Eigenschaften: Patricia Pawlicki gibt als besondere Eigenschaften an: „schlagfertig und stressresistent“. Dass sie dem Vernehmen nach der meistgebuchte ORF-Star ist, mag an dem „Typ“ liegen, den sie für sich festgemacht hat. Da heißt es nämlich überraschend: „Kleidergröße 38“.

Vielleicht sollte sich das öffentlich-rechtliche Unternehmen doch überlegen, ob jeder „Star“ vermietet werden kann. Wer gerade für ein dickes Honorar durch eine Parteiveranstaltung geführt hat, setzt sich leicht dem Verdacht aus, dem spendablen Parteiobmann nicht ganz so bohrende Fragen zu stellen. Und solch böse Gedanken sollte man doch gar nicht erst aufkeimen lassen.

Mi, 23.07.2014, 22:41 | C. Finn

Tages- oder Abendgagen für die Damen und Herren am Bildschirm in der Höhe von Gehältern bzw. Honoraren jener hinter den Kulissen, ergeben ein Ungleichgewicht, das den ORF ins Schlingern bringt.
Mi, 23.07.2014, 10:05 | Eusebius

Sind doch nur lächerliche Gestalten. Daher dringend - wie in der Schweiz - nach einer Volksabstimmung die Zwangsgebühren abschaffen und die ganze Mandarinenkaste des ORF in den Konkurs schicken!
Di, 22.07.2014, 23:32 | Zauberer

So wie die Werbeauftritte gehört das bei einem Zwangsgebühren-Sender strikt verboten. Erst wenn es die nicht mehr gibt, dürfen sie sich wieder prostituieren.
Di, 22.07.2014, 22:01 | ORFprivatisierenNOW

Die "Stars" sollten ihre Nebeneinkünfte ABER SCHLEUNIGST offenlegen. Sonst könnte man ja meinen, sie könnten gekauft sein. Nicht weil man böse ist - weil man Realist ist.
Di, 22.07.2014, 20:10 | Schwarzer Rabe

Da verkaufen sich Leute und preisen sich selber auf einer Werbeseite extra dafür an??? Schauderhaft von einem gebührenfinanzierten Sender. Diese Leute verdienen doch eh sehr gut - haben sie es nötig?



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