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Werner Grotte (Fakten: Do, 17.03.2016, 19:16)
Zoe und das Wunder der Song Contest-Stichwahl

Überraschend ruhig blieb es in den letzten Wochen in der Medien- und Fachwelt zur Wahl der Sängerin Zoe, die Österreich beim heurigen European Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten soll. Wer sich nämlich das Wahlergebnis vom 12. Februar, zusammengezählt aus Jury- und Publikums-Punkten, genau ansieht, versteht die ORF-Welt nicht mehr ganz: Unter der Rubrik „Total“ hat Kandidatin Elly V mit insgesamt 19 Punkten (zehn von der Jury, neun vom Publikum) nämlich eindeutig gewonnen. Zoe und Bella Wagner landeten beide mit 17 Total-Punkten auf Platz zwei. Wagner bekam von der Jury neun und vom Publikum acht, Zoe sieben bzw. zehn. Erreichen konnte man laut Reglement maximal 20 Punkte, die Wertung resultierte gleichermaßen, also 50:50, aus den von der Jury im Saal und von den Zuschauern mittels „Televoting“ vergebenen Stimmen. Soweit, so klar.

Doch dann geschieht in der großen ESC-Wahlshow des ORF („Wer singt für Österreich?“) am 12. Februar spätabends ein offensichtlich als Plan B inszeniertes „Wunder“, um das gewünschte Ergebnis doch noch zu erreichen: Anstatt die Wertung zu akzeptieren, wird eine „Stichwahl“ der besten zwei ausgerufen, in der Elly V plötzlich noch einmal gegen Zoe antreten muss, obwohl sie schon gewonnen hat. Eine solche Stichwahl wäre logischerweise aber nur dann angezeigt gewesen, hätten die beiden Erstgereihten gleich viele Punkte gehabt, denn laut Reglement – siehe oben – entscheiden ja Jury und Publikum die Wahl. Die ebenfalls zweitgereihte Bella Wagner wurde – trotz gleicher Punktezahl mit Zoe – bei der „Stichwahl“ überhaupt gleich links liegen gelassen. Man weiß ja nie. Ergebnis der seltsamen „Nachwahl“: Die 19-jährige Zoe darf Mitte Mai im schwedischen Stockholm ihr französisches Liedchen „Loin d’ici“ für Österreich trällern.

Dass der ORF bei Bedarf ein eigenes mathematisches System zum Schönrechnen anwendet, zeigte sich ja schon beim ESC in Wien im Vorjahr: Laut ORF.at wurden unsere glücklosen „Makemakes“ mit null Punkten nämlich Vorletzte! Der Letzte muss demnach minus einen Punkt erreicht haben. Oder so.

Wobei im Fall Zoe nicht ausschließlich Küniglberg'sche Rechenkünste für deren Sieg verantwortlich sein dürften. Bereits im Vorfeld der Wahl gab es mediales Gemunkel, dass die oberste ORF-Führung schon ganz konkrete Vorstellungen von der zu erwartenden Siegerin habe. Fragt sich nur, warum sich die beiden Favoritinnen Bella Wagner und Elly V respektive deren Fans und Management gar so widerstandslos hinausdrängen lassen haben. Hat ihnen der ORF gar Kompensationsangebote, etwa in Form von Auftritten in irgendwelchen ORF-Shows oder sonstwo, gemacht? Vielleicht eh besser, als möglicherweise „Vorletzter“ zu werden...

Mo, 11.04.2016, 10:51 | Friedericke

Habe den Artikel erst jetzt gefunden. Zu Hause waren wir der gleichen Meinung. Waren zwar mehr für Bella Wagner als für Elly V. Zoe tut mir schon jetzt leid. Sie wird ihre Antworten Vorort bekommen.
Fr, 01.04.2016, 12:08 | Alex Maier

der ORF vorstand sollte zurücktreten.
auch wenn es nur eine "show" ist - solche "manipulationen" sind selbst für zwangs- gebührenzahler.
unzumutbar. wer weiß was beim orf noch so abgeht.
Fr, 18.03.2016, 13:38 | Ingrid B.

Es ist völlig egal, welche Sendung man beim ORF anschaut, es ist immer Mist. Schlimm daran ist, dass man sich als Zwangsgebührenzahler zwar aufregen kann, nur, es nützt nichts.
Fr, 18.03.2016, 10:33 | Josef Maierhofer

Also nicht einmal da gibt es Wahrheit und Chancengleichheit. Zeit den ORF zu privatisieren, dann kann er als Parteisender und Programm Diktator auftreten. Bloß, wer will das noch sehen ?
Fr, 18.03.2016, 02:13 | Wolfgang

...und ja, es schockiert mich selbst gerade, welche weltbewegenden Fragen mir um 2 Uhr nachts einen Kommentar wert sind :-)))
Fr, 18.03.2016, 02:08 | Wolfgang

Dass Makemakes mit 0 Punkten Vorletzter waren erklärt sich so:
Im EBU Voting werden alle Beiträge von Publikum und Jury bewertet, das Ergebnis addiert: Die demnach besten 12 erhalten Punkte.
Fr, 18.03.2016, 02:11 | Wolfgang

Die Makesmakes waren von einigen Juroren unter den besten 12, zusammen mit Publikumsergebnis reichte es aber nicht für Punkte. Sie hatten aber trotzdem mehr Jurypunkte als sie Letztgereihten.
Fr, 18.03.2016, 00:21 | Haider

Paßt doch haargenau ins (EU-)Bild: Gewählt wird so lange, bis das Ergebnis "stimmt".
Sonst schließe ich mich voll dem FREIEN MENSCHEN an.
Do, 17.03.2016, 21:16 | Freier Mensch

Herr Grotte , ich bewundere sie ob der Geduld, sich einen derartig abgefuckten Scheizz überhaupt anzusehen !! Wenn der ESC dann noch von Stermann-Grissemann verbal inuriert wird,dann ist Weihnachten!!
Do, 17.03.2016, 23:59 | Werner Grotte

Danke, aber das ist mein Job. Zudem kam die Anregung dazu aus dem aufmerksamen Leserkreis...



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