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Polizisten im ORF-Zwielicht

Andere, Di, 19.07.2016, 00:56 | Kurt Ceipek

In Wien-Ottakring, nicht allzu weit entfernt vom berüchtigt-berühmten Brunnenmarkt, stürmte ein mit zwei ungefähr 20 Zentimeter langen Fleischmessern bewaffneter Mann aus einer Wohnung laut brüllend auf Polizisten los, die den 37-jährigen mit Schüssen abwehrten. Der Mann erlag den Schussverletzungen. Die Polizisten waren zu Hilfe gerufen worden, weil der Mann in seiner Wohnung randaliert hatte.

Das war natürlich auch dem ORF einige Meldungen wert. In TV-Nachrichten wurde erwähnt, es handle sich um einen österreichischen Staatsbürger. Sonst sei über den Mann nichts bekannt. Der gelernte ORF-Kunde vermutete anhand dieser Formulierung sofort, dass es sich in der türkischen Enklave Ottakring um einen gebürtigen Türken gehandelt haben dürfte, sonst hätte der ORF unter Garantie gemeldet, der erschossene Mann sei ein Österreicher – nicht nur österreichischer Staatsbürger – gewesen.

Andere Medien meldeten schon sehr bald, dass es sich um einen türkisch-stämmigen österreichischen Staatsbürger handle. Zu dieser Klarstellung konnte sich der ORF bislang nicht durchringen, nur zur Feststellung, ein verletzter Polizist sei nicht durch den Messerstecher sondern durch eine Kugel aus einer Polizistenwaffe verletzt worden.

Wie harmlos doch das randalierende Opfer gewesen sein muss, sollte in ORF.at der Zwischentitel „Opfer schlitzte Matratzen auf“ deutlich machen. Wie harmlos das Opfer der polizeilichen Notwehr gewesen sein muss verriet der ORF.at-Redakteur auch durch den Satz: „Der Postangestellte hatte keine Vorstrafen und war der Polizei nicht bekannt.“

Andere Medien meldeten bald, der Name des Mannes sei Ismail S. Dass ORF.at darauf verweisen würde, der Mann sei gebürtiger Türke, hatte ohnehin niemand erwartet. Die Meldung über den Vorfall in Ottakring verschwand schon sehr bald im Untergrund von ORF.at und war kaum noch zu finden. Das wird sich erst ändern, falls einer der schießenden Polizisten unter Verdacht geraten würde, sich falsch verhalten zu haben.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, was ORF.at NICHT meldet. In fast allen Medien wurde über die Suche der Wiener Polizei nach einem Mann gemeldet, der in den U-Bahn eine 19-jährige sexuell belästigt habe. Dazu brachten die meisten Medien ein vergleichsweise gutes und erkennbares Foto des Mannes aus einer Überwachungskamera in der U-Bahn, verbunden mit der Bitte, den Mann zu identifizieren.

In ORF.at war darüber nichts zu finden. Das wäre möglicherweise nur dann der Fall gewesen, wenn die ORF.at-Redaktion sicher gewesen wäre, dass es sich beim Täter auf jeden Fall um einen Österreicher gehandelt hat.