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Kurt Ceipek
 

Über dem bei seinen Verehrern beliebten, sicher aber auch meistgehassten ORF-Star Armin Wolf dürften sich dunkle Gewitterwolken samt Donner und Blitz zusammenballen. Jüngste Medienattacken deuten an, dass er spätestens beim ZiB2-Abschiedsinterview von Erwin Pröll als Landeshauptmann den Bogen überspannt hat und der Anfang vom Ende seiner von unverschämter Arroganz, schäbigem Zynismus und unglaublicher Überheblichkeit geprägten Karriere nahen könnte.

Bemerkenswert ist, dass die Angriffe nicht nur von außen kommen, sondern dass auch innerhalb des ORF wachsendes Unbehagen über den Interviewstil des Tirolers zu herrschen scheint. Die Beteiligten scheuen dabei auch nicht die Öffentlichkeit. Im Gegenteil.

ORF-Online-Direktor Thomas Prantner – also ein Vertreter der Chefetage – griff den ZiB2-Anchorman in einem Profil-Interview in ungewöhnlicher Schärfe an. Er nennt dabei zwar Wolf nicht beim Namen, aber jeder Leser weiß sofort, wer damit gemeint sein muss. Fairness, Korrektheit und Respekt gegenüber einem Interviewpartner würden eine harte Interviewführung nicht ausschließen, kritisierte Prantner die Interview-Methoden von ORF-Moderatoren. Dass er damit vor allem Armin Wolf meinte, liegt auf der Hand.
Sehr unwahrscheinlich ist nach Meinung von Insidern, dass dieses Interview ohne Absprache zwischen Prantner und Wrabetz zustande gekommen sein könnte. Besagte Insider vermuten vielmehr den Auftakt zu einer gezielten Kampagne der ORF-Chefetage gegen den zunehmend machthungrigen Wolf.

Prantner meinte in dem Profil-Interview wörtlich: „Es ist unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt. Politiker müssen sich kritische Fragen gefallen lassen, es kommt aber immer auf Ton und Stil der Fragestellung an.“

Kritisch bewertete Prantner im Profil-Interview auch die Social-Media-Aktivitäten prominenter ORF-Moderatoren. „Wer öffentlich im Fernsehen auftritt, kann auf Facebook oder Twitter nicht privat sein. Er oder sie wird als ORF-Vertreter wahrgenommen. Ich bezweifle, dass persönliche Kommentare zu politischen Geschehnissen Teil von professionellem Journalismus im Sinne des ORF sind.“ Auch damit ist in erster Linie Wolf gemeint, der sich ein üppiges Netzwerk in sozialen Medien aufgebaut hat.

Noch heftiger hatte der Verleger des in der Medien- und Werbebranche viel gelesenen Magazins „Extradienst“, Christian W. Mucha, in einem scharfen Kommentar Wolfs journalistische Arbeit zerpflückt. Wolf betreibe „überheblichen Journalismus, der beinahe jedem, den er interviewt, suggeriert, dass er ja eigentlich ein Koffer ist.“ Muchas harte Kritik an Wolf: „Guter Journalismus trennt Meinung und Information. Wolf vermanscht aber ständig beides.“

Auch der blendend vernetzte Branchenkenner Mucha wittert hinter dem Interview im Profil den Auftakt zu einem Stellvertreterkrieg  zwischen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit dessen Vertrauten und einer aus Armin Wolf, dem Redakteursrats-Vorsitzenden Dieter Bornemann, TV-Chefredakteur  Fritz Dittlbacher und ZiB2-Chef Wolfgang Wagner bestehenden „Viererbande“. Der Leitwolf provoziert in seinen Interviews immer wieder die zahlenden ORF-Zuseher und präsentiert genüsslich seine wachsende Macht im ORF, während Wrabetz sich ständig mit Beschwerden über Wolf-Interviews herumschlagen müsse. „Diese Vierer-Bande muss jedem Generaldirektor die Schweißperlen auf die Stirn treiben“, analysiert Mucha.

Ganz groß ging auch die Tageszeitung „Österreich“ auf den Krieg zwischen Wolf und Wrabetz ein. Unübersehbar auf Seite 1 und ganzseitig auf Seite 4 wird über den Machtkampf unter dem Titel „Kritik an Wolf im ORF wird schärfer“ berichtet.  „Österreich“ ließ seine Leser auch gleich über Wolfs „Verhörmethoden“ und das TV-Studio als „Anklagebank“ abstimmen. Das Zwischenergebnis: Etwa die Hälfte der Abstimmungsteilnehmer tritt für harte aber faire Interviews ein.

Link zu „Österreich“:
<http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Streit-um-Wolf-eskaliert-Jetzt-hier-voten/279427660>
Link zu „profil“:
<https://www.profil.at/oesterreich/orf-online-chef-prantner-tv-studio-anklagebank-8092014>
Link zu „Extradienst“:
<http://www.extradienst.at/das-heft/editorial>