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Markus Mair
 

Zu viele ORF-“Journalisten“ müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Berichterstattung mitunter zu unkritisch gerät, wenn eine Theorie ins eigene Weltbild passt und zu kritisch und einseitig, wenn eine politische Partei und deren Ansichten nicht ins eigene Weltbild passt.

Aufschlussreich dazu ist die aktuelle Statistik zu den am ausführlichsten behandelten Themen zu politischen Parteien in der Zeit im Bild und der ZiB 2 im Jahr 2018 (ZiB-Watch nach Prozent der O-Ton Sekunden). Die Medienbeobachter der APA (45% im Eigentum des ORF) werten einmal im Jahr die reichweitenstärksten Nachrichtensendungen des Landes aus.

Die Top-5-Themen, wo ZiB1 und ZiB2 die ÖVP im Mittelpunkt hatten: Die BVT-“Affäre“: 7 Prozent, Regierungsklausur: 6 Prozent, EU-Ratspräsidentschaft: 5 Prozent Brexit und EU: je 4 Prozent.

Das heißt: Der ORF versuchte das ganze Jahr 2018 über, die ÖVP möglichst wegen der für die meisten Österreicher völlig uninteressanten BVT-Geschichte zu grillen und diese Story am Köcheln zu halten. Dazu wurden ÖVP-Politiker vom ORF zeitlich am häufigsten befragt und mussten Rede und Antwort stehen. Es ist ein Armutszeugnis für den ORF und ein Beweis seiner Ideologieorientierung, dass die Causa BVT im Gesamtjahr 1918 auf dem ersten Aufmerksamkeitsplatz bei der Fernseh-Berichterstattung über die ÖVP oder in Zusammenhang mit dieser rangierte.

Zur Erinnerung: Zusammengefasst existiert(e) kein Skandal beim BVT. Eine Staatsanwältin hat eine vielleicht unnötige Razzia überhastet und übers Ziel schießend angeordnet. Das ist im Kern bislang der sogenannte BVT-“Skandal“. Daraus und aus angeschlossenen Nebenthemen stricken linke Medien und deren Haltungsjournalisten eine Story, die linke Politiker im U-Ausschuss weiter auszudehnen versuchen. Die überwiegende Mehrheit der Österreicher dürfte bei den verwinkelten linken Detailvorwürfen schon längst ausgestiegen sein (wie der Autor auch), den Überblick verloren haben und ist an diesem von links forcierten Themenkomplex überhaupt nicht mehr interessiert. Schon gar nicht im Vergleich zu anderen Themen, die der Mehrheit der österreichischen Wähler tatsächlich unter ihren Nägeln brennen (und damit sind nicht nur die schrecklichen Frauenmorde seit Jahresbeginn gemeint).

Alleine z.B. die € 500 Millionen Steuergeldverschwendung beim Krankenhaus Nord in Wien (€ 1,4 Milliarden Kosten anstelle € 825 Millionen), die durch die unfähige Kontrolle durch die sozialistisch-grüne Wiener Stadtregierung möglich wurden, sind für Österreich allemal bedeutender, als das BVT-Thema. Über die Untersuchungskommission zum KH-Nord wird aber medial vom ORF nur auf Sparflamme berichtet. Dieses für uns Steuerzahler sehr teure Thema schaffte es 2018 bei keiner Partei unter die Top 5 der Berichterstattung des ORF . Und auch 2019 wird das wohl sicher nicht der Fall sein!

Es ist in erster Linie den vom ORF verachteten Boulevard-Medien zu verdanken, dass wir Steuerzahler über diesen SPÖ-Skandal und seine teuren Skurrilitäten (Energie-Ring, Bauzaunbewachung etc.) überhaupt etwas erfahren durften. Der ORF recherchierte in diesem Fall aus eigenem Antrieb heraus bislang nichts Relevantes oder Interessantes.

Bei den Themen, die für die „Nachrichten“-Leute des ORF 2018 für die FPÖ am wichtigsten waren, finden sich die uns bekannten Verdächtigen: Außenpolitik: 11 Prozent, BVT: 10 Prozent, Liederbuch: 5 Prozent, Asyl: 5 Prozent, FPÖ-Interna: 4 Prozent.

Während von den 11 Prozent Außenpolitik mutmaßlich ein großer Teil die – für den ORF böse – Kneissl-Hochzeit mit Putin als Gast ausgefüllt haben dürfte, waren 2018 erwartungsgemäß das BVT und das Liederbuch die beiden wichtigsten Ankerthemen für den ORF, wenn es um Berichterstattung über die FPÖ bzw. um FPÖ-O-Töne ging. Das Liederbuch-Thema interessierte und interessiert(e) eigentlich nur linke Liederbuch-Journalisten. Und zum Thema BVT gilt das gleiche wie das bei der ÖVP Gesagte. Das stört den ORF herzlich wenig. Ich gehe jede Wette ein, dass der ORF beim nächsten (zeitlich vor Wahlen gut vorausgeplantem) Liederbuchfund wieder ventilieren wird.

Da durch diese Jahresstatistik über einen langen Zeitraum belegt, kann man daraus ableiten: Der ORF versucht bei der Themenauswahl in seinen sogenannten „Informationssendungen“ die beiden Regierungsparteien auf Themen festzuzurren, die möglichst ins ORF-Ideologie-Schema passen. Diese vom ORF selektiv ausgewählten Themen sollen in den Köpfen seiner noch verbliebenen Konsumenten nachhaltig verankert werden.

Sebastian Kurz duckt sich ja auch bei anderen wichtigen Themen nicht um klare Worte und geht Probleme an. Da Gernot Blümel leider vom ORF offenbar schon erfolgreich eingelullt worden ist (der gemeinsame Gegner von ORF, privaten Medien und österreichischen Politikern seien nur die bösen internationalen Medien-Konzerne wie Google, Facebook etc.), bleibt nur die Hoffnung, dass Kurz da standhafter ist, dass sein Blick weniger getrübt ist/wird und dass er sich vom ORF nicht noch weitere vier Jahre an der Nase herumführen und ungleich behandeln lässt (z.B. regelmäßig in Interviews). Die vielen Liederbuch-Journalisten der Nachrichten-Schienen im ORF sind zwar erbitterte, aber durchaus clevere politische Gegner dieser Bundesregierung und werden es wohl immer bleiben.

Ganz anders und umgekehrt verhält es sich mit dem Verhalten der ORF-Haltungsjournalisten gegenüber Parteienvertretern des linken Spektrums (SPÖ, Grüne, Pilz/Jetzt und inzwischen auch NEOS) in beiden ZiB-Sendungen gemäß der ZiB-Watch-Daten für 2018:

Während die ORFler die beiden Regierungsparteien mit überwiegend kritischen und unangenehmen Themen konfrontieren, nehmen bei den drei Links-Parteien die Partei-Interna die Spitzenposition ein: 40 Prozent SPÖ-Interna, sogar 52 Prozent NEOS-Interna und an der Spitze 55 Prozent Partei-Interna bei der Liste Pilz/Jetzt. Zugegeben, bei letztgenannter Partei stellt diese ausgeprägte ORF-Berichterstattung sicher keine Unterstützungsleistung dar, weil der meiste Raum davon wohl den parteiinternen Streitereien gewidmet war.

Wenn der ORF meint, dass die Partei-Interna dieser drei Parteien das Wichtigste und Berichtenswerteste seien, dann dürfte er damit ziemlich daneben liegen. 

Dass die Grünen im Jahr 2018 (wo die Grünen nicht mehr im Parlament vertreten waren) immer noch in Summe mehr O-Ton-Anteile in der ZiB1 erhalten haben als die 2016 und 2017 im Nationalrat vertretene Partei „Team Stronach“ in den Jahren 2016 und 2017 zusammengezählt, rundet das unrunde, einseitige Bild ab, das der ORF seit vielen Jahren auf seiner Info-Schiene gegenüber seinen Gebühren-Verpflichteten bietet.

ORF-"Nachrichten“-Journalisten müssen 2019 endlich von ihrem hohem Ross der vermeintlich eigenen überlegenen Moral heruntergeholt werden, da sie ja selber dazu seit Jahren weder einsichtig noch willens sind.