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Werner Reichel
 

Über Jahrzehnte hat der ORF die öffentliche Meinung und die Wahlen beeinflusst, die SPÖ an der Macht gehalten, die politische Bedeutung der Grünen um ein Vielfaches erhöht, Themen gesetzt und den öffentlichen Diskurs maßgeblich bestimmt. Dass die SPÖ von 1970 bis Ende 2017 mit einer einzigen Unterbrechung den Bundeskanzler gestellt hat, wäre ohne den ORF nicht denkbar gewesen. Die Sozialdemokraten und alle anderen Linken haben dem ORF viel zu verdanken. Und umgekehrt.

Das alles funktioniert nicht mehr so recht. Das erste Alarmsignal für den fortschreitenden Macht- und Bedeutungsverlust des Rotfunks war der Wahlsieg Van der Bellens. Das klingt widersprüchlich. Stellt man aber die Anstrengungen und die Energie in Rechnung, die der ORF und die gesamte linke Reichshälfte beim Präsidentschaftswahlkampf aufgewendet haben, fiel das Ergebnis von knapp über 50 Prozent für Van der Bellen doch recht dürftig aus. Zu mehr hat der nationale sozialistische Schulterschluss nicht mehr gereicht.

Bei der Nationalratswahl 2017 kam es noch dicker. Nun genügte selbst der massive Einsatz des ORF und die flächendeckende linke Propaganda - inklusive schmutzigster Tricks (Stichwort Silberstein) - nicht mehr, um die SPÖ an der Macht und den Futtertrögen zu halten. Es war ein Schlag in die Magengrube des Rotfunks und der vereinigten Linken. Trotz wochenlanger Bemühungen seitens des ORF flogen seine Lieblinge, die Grünen, aus dem Parlament und die SPÖ aus der Regierung. Diese Wahl hat der ORF genauso verloren wie die SPÖ.

Und jene zwei Parteien, gegen die der Rotfunk so intensiv kampagnisiert hatte, fuhren eine fulminanten Wahlerfolg ein. Das ist kein Ruhmesblatt für den ORF. Seit dieser Demütigung ist er noch angriffiger und giftiger geworden und reitet täglich seine Attacken gegen Kickl und Co.

So richtig wollen die Pfeifen der größten Medienorgel des Landes aber nicht mehr tönen. Langfristig kann man nicht gegen die Meinung und Interessen der Mehrheit der Bürger ansenden, ohne sich und seine Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Der hat es übertrieben. Maßlos.

Da hilft es auch nicht, wenn sich der ORF großspurig als Fakten-Checker und Kämpfer gegen Fake-News, also als oberster Hüter der Wahrheit und des Qualitätsjournalismus inszeniert. Das glauben nur noch diejenigen, die es glauben müssen, weil sie vom linken Verteilungssystem finanziell und von den linken Meinungsführern geistig abhängig sind.

Dieser voranschreitende Macht-, Glaubwürdigkeits- und Quotenverlust hat für den ORF weitreichende Folgen. Betroffen davon sind auch die weitverzweigten Netzwerke voller Abhängigkeiten, die er über Jahrzehnte aufgebaut hat. Der ORF ist nach wie vor ein bestimmender bzw. wichtiger Faktor in der Film- und Medienbranche, der Kultur, Wissenschaft, im Verlagswesen, den NGOs oder im Sport. Ohne seine publizistische und propagandistische Macht und ohne entsprechende Reichweiten wird der ORF für Politiker, Verleger, Künstler und Promis zunehmend uninteressanter.

Der ORF konnte seinen Spezis und Verbündeten stets viel bieten: Öffentlichkeit, Bekanntheit, Bedeutung, Macht, Popularität und Einkommen. Wer sein Gesicht regelmäßig in ORF-Kameras halten durfte, der galt in Österreich als prominent, bedeutend, erfolgreich und glaubwürdig, ob Meinungsforscher, Kleinkünstler, Experte, Selbstdarsteller, Autor oder was auch immer. Diese goldenen ORF-Zeiten sind vorbei.

Ein Beispiel: Dass der Kabarettist Leo Lukas und noch vielmehr sein Kollege Florian Scheuba zu den ORF-Spezis gehören, die regelmäßig für ihr politisches Engagement mit Auftritten und/oder Aufträgen belohnt und versorgt werden, ist nicht zu übersehen. Eine Hand wäscht die andere. Lukas hat sich unlängst mit einer besonders „lustigen“ Verbal-Attacke gegen den freiheitlichen ORF Stiftungsrat Steger beim ORF in Erinnerung gerufen: „An Hrn. Steger gerichtet, ganz persönlich: Komm geh einfach sterben. Es wäre besser für uns alle, auch für deine eigenen Kinder." 

Scheuba ist mit seinen Witzchen über die FPÖ zu Ruhm und Ehre gelangt. Wer die Freiheitlichen und ihre Wähler regelmäßig als Deppen hinstellt, der hat beim ORF einen Stein im Brett. Anlässlich Haiders Todestag postete Scheuba: „Es heißt, in Kärnten sei einst die Sonne vom Himmel gefallen (eine Anspielung auf Phaeton, dem Namensgeber des VW-Unfallwagens). Dabei hatte sie 142km/h, 1,8 Promille und war noch wärmer, als man zuvor geglaubt hatte“. Da klopfen sich die Linken innerhalb und außerhalb des ORF auf die Schenkel.

So macht man sich unter seinesgleichen Freunde. Wenn so ein ORF-Spezi und selbsternannter Meisterhumorist etwa ein Buch herausbringt, darf er sich über kräftige ORF-Unterstützung freuen. Beide, Lukas und Scheuba, haben genau das getan. Bücher herausgebracht. Selbstredend rührt der ORF für seine beiden linken Kampfgenossen kräftig die Werbetrommel. Lange Interviews und Auftritte inklusive (orf-watch berichtete). Vor wenigen Jahren hätten solche PR-Maßnahmen die Bücher zweier ORF-naher Komiker direkt in die Bestsellerscharts katapultiert. Doch der Propagandamotor stottert. Das Buch von ORF-Gesicht Scheuba ist nicht gerade ein Kassenschlager. Im Amazon Bestsellerranking lag es Montagnachmittag (4.2.2019) auf Verkaufsrang 82.000, also meilenweit weg von einem Besteller. Platz 82.000 bedeutet bei Amazon, dass man schon seit einiger Zeit kein Exemplar mehr über den mit Abstand größten Buchhändler Österreichs verkauft hat.

Und wer bei Amazon nichts verkauft, der verkauft auch über die Buchläden nichts. Scheubas Ergüsse in Buchform locken kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Noch ärger ist es bei Leo Lukas. Sein Epos liegt bei Amazon bei einem Verkaufsrang von über 713.000 (ebenfalls am 4.2.2019 abgerufen). Ein Totalausfall.

Zum Vergleich: Das neue Buch des Autors dieser Zeilen, das von allen Mainstreammedium selbstredend ignoriert wird, lag die ersten Wochen nach seinem Erscheinen Ende 2018 im Amazon-Ranking stets um die 10.000. Ganz ohne ORF.

Wenn das größte und wichtigste Medium des Landes massiv Werbung für das Buch eines der bekanntesten heimischen Kleinkünstler macht und es trotzdem ein Ladenhüter bleibt, dann stellt sich für diejenigen, die bisher von der Macht und der Reichweite des ORF profitiert haben, die Frage: Was bringt mir der Rotfunk noch? Wenn dieses Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, hat man am Küniglberg ein Problem. Was für Scheubas Buch gilt, gilt auch für das Wahlergebnis der Grünen, das Spendenaufkommen von S.O.S. Mitmensch, den Bekanntheitsgrad von Gery Keszler, das Image von Peter Pilz oder den Kartenverkauf von Rainhard Fendrich. Wenn aus solchen Tauschgeschäften eine oder gar beide Seiten keinen Nutzen mehr ziehen, müssen sich die bisherigen Profiteure anderweitig umsehen oder sich über neue Produkte Gedanken machen.

Das kann so weit gehen, dass in bestimmten Fällen ORF-Propaganda eher schadet und ORF- Verrisse die beste Werbung sind. Andreas Gabalier braucht keine ORF-Unterstützung, um ganze Stadien zu füllen. Davon sind die vom ORF gehypten österreichisch Musiker in der Regel weit entfernt. Hier hat sich das Kräfteverhältnis bereits umgekehrt: Gabalier ist für den ORF wichtiger als der ORF für Gabalier.

Auch politisch unkorrekte Bücher von Thilo Sarrazin bis Douglas Murray verkaufen sich trotz oder besser wegen der Verrisse von Medien wie dem ORF wie die warmen Semmeln.

Anderes Beispiel: Das Magazin "News" hat in seiner neuen Ausgabe Herbert Kickl auf dem Cover. Über seinem Kopf steht in großen Lettern: Der Minus-Minister. Wenn ein linkes Minus-Magazin wie News, das sich auflagentechnisch im Sinkflug befindet, Kickl als Minus-Minister bezeichnet, dann kann sich der Innenminister darüber nur freuen. Solange er von linken Medien mit rapide sinkender Relevanz kritisiert wird, liegt er in der Gunst der Österreicher genau richtig.

Das bedeutet auch, dass ein auf türkis-blau umgefärbter ORF für die beiden Regierungs-Parteien womöglich nicht die erwünschten und erwarteten Ergebnisse bringen würde, gar ein Schuss ins eigene Knie wäre. Wer braucht schon eine Rundfunkanstalt, die ein massives Glaubwürdigkeitsproblem und das Image eines linken Schmähtandlers hat? Abgesehen davon, dass eine solche Umfärbung äußerts schwierig bis unmöglich umzusetzen wäre.

Demokratiepolitisch wesentlich sinnvoller und für die Regierung sicherer wäre es, den ORF auf seine öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben und seine Macht zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu beschränken. Zumindest was den zweiten Punkt betrifft, leistet der ORF bereits wertvolle Vorarbeit. Wenn auch unfreiwillig. Und zum Ärger und Schaden von Scheuba und Co.