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Werner Reichel
 

Heute dürfen die Wiener erstmals jenes legendäre Gebäude von innen bestaunen, das von einem 95.000 Euro-Esoterik-Schutzwall umgeben ist: Tag der offenen Tür im KH Nord. Die SPÖ bittet zum Volksfest, der ORF ist begeistert: „Das Krankenhaus Nord steht vor allem wegen Bauverzögerungen und einer Untersuchungskommission im Mittelpunkt des Interesses. Die Vorzüge des Spitals sollen heute bei einem Tag der offenen Tür präsentiert werden.“

Kleiner Einwand: Das KH Nord steht nicht wegen Bauverzögerungen und einer Untersuchungskommission im Mittelpunkt des Interesses. Verzögerungen und Ausschuss sind lediglich die Folgen eines Hunderte Millionen schweren SPÖ-Skandals, der alle Stückeln spielt: vom angesprochenen Esoterikring, über 8000 Baumängel, Planungsfehler, Organisationschaos, gigantischen Mehrkosten etc. Angesichts dessen ist „Mittelpunkt des Interesses“ vielleicht etwas euphemistisch ausgedrückt. Schade für den ORF, dass es keinen Pulitzer-Preis für das Verniedlichen und Verharmlosen von Polit-Skandalen gibt. Den hätte man schon mehrfach abgeräumt.

Verantwortlich für das KH-Nord-Desaster ist niemand. Michael Häupl und Sonja Wehsely haben sich in den vergangenen Tagen vor der Kommission abgeputzt und die Steuerzahler verhöhnt. Wehsely hatte gestern sogar getönt, sie würde „es heute genauso wieder machen“. Genau das ist das Problem mit den Sozialisten. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls hat der ORF, wie es sich für kritische Qualitätsjournalisten gehört, knallhart und investigativ über den Skandal und den Ausschuss berichtet. Wehsely weist Verfehlungen zurück, steht da erneut auch im heutigen ORF-Artikel über den Tag der offenen Tür.

Wenn man nur genügend Gleichgesinnte in den relevanten Medien sitzen hat, wird selbst aus einem Skandal, bei dem Hunderte Millionen an Steuergeldern vernichtet worden sind und der für jede nichtlinke Partei drastische Folgen gehabt hätte, zu einer Erfolgsgeschichte. Es geht schließlich nur um ein bisserl Verzögerung (im gemütlichen Wien) und um eine Untersuchungskommission (wegen der unnötigen Opposition).

Der ORF schreibt: „Um das Image des Spitals aufzupolieren, wird es neben den Besichtigungen auch Live-Bands und ein großes kulinarisches Angebot geben.“

Nach dem Motto: Nachdem Hunderte Millionen Euro in roten Netzwerken versickert sind, gibt`s ein paar Gratiswürschteln für die blöden Wiener. Das ist der Unterschied: Mit den richtigen Freunden und vielen Gesinnungsgenossen in den Medien löst sich selbst ein Riesenskandal in Wohlgefallen auf. Umgekehrt werden selbst die kleinste Verfehlungen zu Megaskandalen aufgeblasen.

Interessant, dass zumindest eine Regierungspartei das offenbar noch immer nicht so richtig kapiert hat. Zumindest hat sie keinen Plan.