ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


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Martina Schaller
 

Ich gehöre zur "Generation Farbfernsehen". Wir hatten FS1 und FS2 und auch schon ein fixes Kinderprogramm. Da erschien er mir das erste Mal, der zwangsgebühren-finanzierte Bildungsauftrag, in leuchtend bunten Farben. Ein schönes Gefühl war das! 

Und selbst rückblickend erscheint mir das damalige Kinderprogramm doch recht nett:

  • "Die Waltons" ("Gute Nacht John-Boy ...!")
  • "Unsere kleine Farm"
  • "Familie Petz"
  • wenn's hoch herging, las uns Jenny Pippal höchst persönlich noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor
  • später kamen dann "Wunderbare Jahre"
  • "ALF"
  • natürlich auch "Knight Rider"

Natürlich hätte man damals schon einwenden können, dass das Ganze mit Bildung wenig am Hut hat und wenn schon, dann offensichtlich mit Amerikanisierung als Hauptfach. Aber sei's drum, aus heutiger Sicht (Stichwort: Südost-Zwangsbereicherung) erscheint mir diese Form der westlichen Dauerbestrahlung eher wie homöopathische Placebos. Nein, mir geht es um deutlich gewichtigere Probleme beim ORF: Fällt denn eigentlich nur mir auf, wie das Familienbild in den vergangenen 40 Jahren in subtilen kleinen Schritten, aber dafür umso zielstrebiger zerstört, ja geradezu pervertiert wurde?!

Abgesehen von "Michael Knight" (immerhin noch aus der Kategorie "echter Mann" – geht heute ja gar nicht!) spiegelten alle oben genannten Serien ein gesundes, harmonisches Familienbild wider – mehr oder weniger auf die Schaufel genommen: Waltons – eine Großfamilie mit allen Tugenden ihrer Zeit ... Unsere kleine Farm – Jungfamilie schlägt sich im wilden Westen durch ... Familie Petz – zugegeben: Petzibär bei den Großeltern schon etwas seltsam (ORF-Produktion!) Wunderbare Jahre – die perfekte Familie BEVOR die 68er alles vernichten sollten ... ALF – einem Außerirdischen gelingt es nicht, eine Familie aus dem Konzept zu bringen ... Also eigentlich war alles OK, und was folgte dann?

  • Baywatch – enge Bikinis und viel Testosteron im Vorabendprogramm ...
  • Beverly Hills – bei Teenies (gespielt von 20-30-jährigen) dreht sich alles ums 100ste Mal ...
  • Friends – Beziehungsunfähigkeit und Promiskuität als einziges Thema ...
  • Die Nanny – drei Kinder ohne Mutter(?), dafür supersexy Babysitterin namens "Joy" ...
  • Und dann kam er: "Der coole Onkel Charlie" (ORF-Übersetzung von: "Two and a half man").

Dieser definitiv als pervers zu bezeichnende Serienplot verdient eine etwas genauere Betrachtung, denn er stellt eine Art "Dammbruch" in Bezug auf die öffentlich-rechtliche Zerstörungslust natürlich-kindlicher Werte dar. Charlie Sheen spielt einen sexbesessenen Werbefuzzi, in dessen Bett mindestens zwei Topmodels pro Serie landen. Das vor den Augen seines Neffen, den er gemeinsam mit seinem offensichtlich auch beziehungsunfähigen Bruder beherbergt (von Erziehung ist wohl nicht zu sprechen).

Wenn man ein modernes, total verpfuschtes Familienleben skizzieren wollte, dann so. Aber diesen perversen Mist in österreichische Kinderaugen zu streuen, war dem ORF nicht genug. Für 600 Millionen Euro Gebühren pro Jahr muss man schon etwas kreativer sein.

So brachte man die Serie zuerst nicht unter dem englischen Originaltitel, sondern erfüllte brav seinen Bildungsauftrag: "Mein cooler Onkel Charlie" soll unseren Kinderhirnen gleich beibringen, dass hier nicht ein kaputtes Psycho-Wrack, sondern ein echt cooler Typ dargestellt wird. Tja, danach verliere ich den Überblick, worin die Steigerung der Absurditäten und Perversionen in der ORF Kinder-Primetime liegt. Was "Normales" läuft gar nicht mehr. Aktuell läuft z.B. "Jane the Virgin" – Name ist Programm. Toll, nicht?

Ich habe dann einfach nach ORF-Sendungen für Kinder gesucht, die noch einen Funken einer intakten Familie besitzen. Eine habe ich gefunden: "Die Simpsons". Ja genau: Der Inbegriff des amerikanischen Alptraums ist die letzte Bastion für Kinder in "traditionellen" Familiengefügen, die ihnen nicht direkt vermittelt, dass bei ihnen zuhause irgendwas nicht "cool" genug ist – und das natürlich ausschließlich mit Erwachsenen-Humor serviert, aber das gilt schon längst für fast alle anderen "Kinderfilme" auch.

Falls jemand einwenden möchte, dass der "Bildungsauftrag" sei, die moderne Gesellschaft unverblümt widerzuspiegeln, dann sei das mit diesem Unverhältnis widerlegt. Also was soll man über diese mehr als fragwürdige Entwicklung denken? Das führte mich zur Frage im Titel: Ist der ORF für diesen Wahnsinn strafbar?

Ich bin kein Psychologe und würde mich an dieser Stelle über fachkundige Meinungen freuen: Der gewalt(tät)ige Einfluss von Medien, insbesondere die Vorbildwirkung des Fernsehens, ist wohl eine öffentlich-rechtliche Tatsache, sonst gäbe es auch nicht unsere aufmerksamen Gender- und Antidiskriminierungs-Stellen und natürlich keine Werbung, die im österreichischen Zwangsfunk sogar Fußballspiele in zwei Programmpunkte zu teilen vermag (600 Mille sind ja nicht genug!) ... Somit ist auch seine Manipulationskraft als Verantwortungsbereich für unsere Kinder bewiesen, stimmt's?

Zu den psychologischen Fragen kommen juristische:

  • Ist nicht-altersgerechter Content durch ein öffentliches Organ strafbar?
  • Ist vorsätzliche Manipulation durch ein öffentliches Organ strafbar?
  • Könnte man bei Vorsatz einzelne Mitarbeiter persönlich belangen?

Aber das ist wohl alles naiv-hypothetisch und so kehre ich zurück zu meiner ersten Frage: Ist diese Entwicklung im ORF hin zur totalen Wertezerstörung unserer Kinder wirklich nur mir aufgefallen?

Martina Schaller ist Mutter von drei Kindern.