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Kurt Ceipek
 

In unserem Freundes-, Bekannten- und Familienkreis macht sich ein neues Gesellschaftsspiel breit. Es beginnt täglich um 19.20 Uhr und nennt sich Nachrichten-Raten. Um diese Uhrzeit – also um 19.20 Uhr – beginnt die derzeit wahrscheinlich beste Nachrichtensendung des Landes in ServusTV.

Aufgabe für die Mitspieler ist es, zu erraten, welche Meldungen aus den ServusTV-Nachrichten auch in der nachfolgenden Zeit im Bild um 19.30 Uhr auf ORF 2 zu sehen sein werden und welche nicht. Kenner wissen, dass sich die Hauptnachrichten auf diesen beiden Sendern oft so gravierend unterscheiden, dass man glaubt, es müsse sich um unterschiedliche Länder oder zumindest unterschiedliche Tage handeln.

Bei manchen Servus-Nachrichten weiß der Kenner sofort: Das kehrt die ORF-Redaktion in der ZiB unter den Teppich und wird kein Wort darüber verlieren. So zum Beispiel eine Servus-Meldung über die durchaus unterhaltsame Anzeige eines Wiener Rechtsanwaltes gegen einen deutschen Rabiat-Fernsehunterhalter, der in einer ORF-Kultursendung die Österreicher pauschal – zumindest acht Millionen davon – als „debil“ eingestuft hat. Als plumpe Nazis sowieso. Das hat vielen heimischen TV-Konsumenten nicht gefallen. Darüber können vermutlich nicht einmal viele Deutsche lachen.

Nun ist dieser deutsche ZDF-Satiriker namens Jan Blödermann (oder so ähnlich) in Österreich weitgehend unbekannt, weil unbegabt und auch nicht unterhaltsam. Aber manchen hatte das Interview am Montag in einer ORF-Kultursendung (!?!?) sehr gut gefallen. Mit Österreich-Beschimpfung unter dem Motto „alle Österreicher sind Nazis“ kommt man in vielen heimischen Medien gut an.

Armin Wolf beispielsweise haben die Attacken so gut gefallen, dass er dieses Interview gleich gepostet hat – als Privatmann natürlich, der mit dem ORF aber schon gar nix zu tun hat. Ob das seinen Fans gefallen hat, die ja zweifellos auch unter den acht Millionen debilen Österreichern zu finden sind, wird sich erst herausstellen – oder auch nicht.

Die Servus-TV-Nachrichten berichteten über diese Anzeige eines Wiener Rechtsanwaltes gegen Jan Böhmermann (so soll er tatsächlich heißen) bei den Staatsanwaltschaften in Wien und Berlin. Das war der ZiB 1 natürlich KEINE Meldung wert.

Über den Wert dieser Meldung KANN man aus journalistischer Sicht noch streiten, aber man darf davon ausgehen, dass die Anzeige gegen den permanent niveaulosen deutschen Spaßvogel viele ZiB-Seher interessiert hätte. Aber was interessiert ZiB-Redakteure, was die Österreicher interessiert.

Für die Ratespielteilnehmer war dabei nichts zu gewinnen, denn allen war klar: In der ZiB bringen sie das nicht. Genau so war es.

Schwieriger war das Raten bei einer Servus-TV-Meldung aus dem immer wieder aufregenden Wiener Spitälerbereich. Der Wiener Stadtrechnungshof hatte zu Krankentransporten in Wien enthüllt, dass Akutpatienten, die beispielsweise einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten hatten, oft mehr als zwei Stunden lang warten mussten, ehe ein Krankenhaus gefunden war, das bereit und in der Lage war, die Todgeweihten aufzunehmen. Es geht dabei um Zeit, um Minuten oder Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können.

Das kann der ORF nicht unter den Tisch fallen lassen, meinte die Mehrheit der Spielteilnehmer. Das müssen sie in der Hauptnachrichtensendung bringen. Diese Spieler haben verloren. Der ZiB war das Thema vermutlich von zu lokaler Bedeutung. Kein Wort war davon zu hören. Wer geglaubt hatte, diesen Fall könne die ZiB-Redaktion nicht auslassen, wurde eines Besseren belehrt. Die ORFler konnten. Unter dem Teppich, unter den man solche Nachrichten kehrt, ist offenbar noch ausreichend Platz. Aber über die Zustände in Wiener Krankenhäusern berichtet der ORF sowieso nicht gar so gerne. Die Spitäler müssen radikal sparen, weil für ein Krankenhaus im Norden Wiens ein paar hundert Millionen Euro zu viel vergeudet wurden. Das Geld fehlt jetzt den anderen.

Was sowohl ServusTV als auch der ORF nicht auslassen konnten, war das EU-Gipfeltreffen in der rumänischen Salami-Metropole Sibiu. In der EU sorgt ja derzeit Kanzler Sebastian Kurz für Aufregung, weil er grundlegende Reformen und einen radikalen Generationswechsel in der Union fordert. In beiden Sendern wurden dazu Interviews mit Kurz gesendet. Aber was für ein Unterschied. Während Kurz in ServusTV im Interview klar herausarbeiten konnte, in welche Richtung sich die EU weiterentwickeln müsse, beschränkte sich das ZiB-Interview im ORF auf ganz wenige nichtssagende Sätze.

Dafür brachte die ZiB1 einen ausführlichen Beitrag über den EU-Wahlkampf der Neos, die – wie immer – möglichst sympathisch dargestellt wurden. Den Neos wird das gefallen haben. Der überwältigenden Mehrheit der Zwangsgebührenzahler vermutlich nicht.