ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Rubriken

Archiv

Beitrag Melden

Bitte um ein Stichwort, warum dieser Beitrag als rechtswidrig oder ehrenbeleidigend (gegenüber konkreten Personen) offline genommen werden soll. Dass eine Meinung unerwünscht oder unsympathisch ist, ist kein ausreichender Grund dafür.

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.

Beitrag melden

Werner Reichel
 

Was in Österreich ein Skandal ist, hängt nicht so sehr davon ab, was geschehen ist, sondern wer darin verwickelt ist. Da gelten völlig unterschiedliche Maßstäbe. Bei Herbert Kickl ist es quasi schon ein Skandal, dass es ihn überhaupt gibt. Bei der ÖVP kann eine vermeintliche Friseurrechnung die Medien in Alarmstimmung versetzen. Anders bei Grünen und Roten. Da gibt es praktisch gar keine Skandale. Nicht, weil in der linken Reichshälfte alle so brav und korrekt wären. Nein. Weil die Medien hier die Schwelle so hoch angesetzt haben, dass mehr oder weniger alles unten durchrutscht.

Da werden vom roten Wien bei einem Spitalsbau 500 Millionen Euro an Steuergeldern versenkt, der ORF berichtet trotzdem über das KH Nord, als wäre es ein Erfolgsprojekt. Da kommen vor der Wahl neue Informationen über das „System Chorherr“ ans Tageslicht, der ORF und die anderen führenden Linksmedien verharmlosen und ignorieren die Geschichte so gut es geht.

Jetzt haben wir wieder so einen Fall. Österreichs zweitgrößte Theaterbühne. Das Volkstheater. Das ist jenes Haus, von dessen Dach bis vor wenigen Jahren ein roter Kommunistenstern leuchtete. Dieser Stern symbolisierte nicht nur die ideologische Ausrichtung und den selbsterteilten gesellschaftspolitischen Auftrag des Theaters, sondern auch die internen Zustände: Miss- und Planwirtschaft, Organisationschaos, Steuergeldverschwendung etc.

Der Wiener Stadtrechnungshof hat jetzt einen vernichtenden Bericht veröffentlicht. Die Auslastung des Hauses liegt nur noch bei 56 Prozent. Jeder Besucher des Volkstheaters kostete den Steuerzahler 91 Euro. Damit überhaupt noch jemand dem Treiben auf der Bühne zusieht, verteilt man Freikarten im großen Stil. Sie machen acht Prozent aller Karten aus. Viel zu viel, kritisiert der Rechnungshof.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die hohe Zahl der Überstunden, die an Mitarbeiter, vorwiegend an Techniker, ausbezahlt werden. Der Rechnungshof empfiehlt eine genaue Überprüfung. Das Volkstheater bezahlt seinen Mitarbeitern nicht nur Verkehrsstrafen, sondern auch Prämien ohne Leistungsnachweis. Eine systematische Dokumentation der wichtigsten Betriebsabläufe fehle, so der Stadtrechnungshof. Heißt: Man hat keinen Plan, jeder macht, was er will.

Was der Stadtrechnungshof hier ans Tageslicht gefördert hat, reicht für den ORF noch lange nicht für einen Skandal. Nicht einmal für einen kleinen. In der ZiB1 titelt man: „Volkstheater in ‚prekärer Lage‘“. Prekäre Lage wird unter Anführungszeichen gesetzt. Der Titel suggeriert zudem, dass das Theater unverschuldet und aufgrund äußerer Umstände in diese Lage gekommen sei. Auch in dem kurzem Beitrag erfährt man nicht, wer für die jahrelange Misswirtschaft und Steuergeldverschwendung die Verantwortung trägt. Offenbar niemand.

Die für das Volkstheater zuständige Wiener Stadträtin Veronica Kaup-Hasler darf ein Statement abgeben: „Das ist kein Dauerzustand, das muss sich radikal verändern.“ Falsch, Frau Kaup-Hasler, das ist ein Dauerzustand. Seit vielen Jahren. Und im Rathaus weiß man das seit ebenso vielen Jahren. Kritische Fragen, warum die Stadt dem teuren Treiben seit Jahr und Tag mehr oder weniger tatenlos zusieht, werden nicht gestellt. Es geht ja nur um viele Millionen Euro an Steuergeldern, die in ein halbleeres Haus, das seit Jahren am Geschmack des Wiener Theaterpublikums vorbei programmiert, vergeudet werden. Ähnliches gilt auch für den ORF. Da zeigt man sich eben solidarisch.

Jetzt oder irgendwann wird aber alles wieder gut. Ganz sicher. ORF.at titelt: „Volkstheater: Finanzdrama und Mitarbeiterbenefiz“. Auch hier: kein Skandal, keine Affäre, ein Drama, von dem niemand weiß, wer dafür verantwortlich ist. Und die Mitarbeiter seien die armen Opfer. Ansonsten wird das Thema vom ORF unter den Teppich gekehrt. In "Wien heute" ignoriert man es am Dienstag komplett, obwohl die Stadt Wien innerhalb von nur drei Jahren 22 Millionen Euro in das Theater gebuttert hat. Und auch in der ZiB2 breitet man den Mantel des Schweigens über den Bericht des Stadtrechnungshofes.

Würde das Volkstheater von einer FPÖ-nahen Direktion geleitet, hätten wir jede Woche mindestens einen großen Skandal im ORF und den anderen Linksmedien. Die vom Theater bezahlten Verkehrsstrafen hätte der Falter längst veröffentlicht, der ORF hätte noch am selben Tag in der ZiB2 damit aufgemacht. Rücktrittsforderungen wären die Folge. Aber so. Schließlich kämpft das Volkstheater für eine bessere, eine sozialistische Gesellschaft. Da darf man das.