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Kurt Ceipek
 

Für ORF-Nachrichtenredakteure gilt als Grundregel: was für die Seher, Hörer und Leser von Interesse ist, das bestimmt die ORF-Nachrichtenredaktion. Die Folge: Wer sich beim Nachrichtenkonsum auf den ORF oder gar auf die Zeit im Bild beschränkt, läuft Gefahr, beschränkt zu bleiben.

Das zeigte sich wieder einmal ganz deutlich am Allerseelentag. Da berichteten Servus TV, oe24 und viele andere Medien über eine Prügelei bei einer Trauerfeier. Mit gutem Grund, denn geprügelt wurde bei besagter Trauerfeier für die drei Opfer des türkischstämmigen Mannes, der vor kurzem in Kottingbrunn seine Ehefrau und seine Tochter erstochen und seinen zweijährigen Sohn erstickt haben dürfte.

Warum die Prügelei bei einer Trauerfeier? Eine muslimische Frau war zu der Trauerkundgebung ohne Kopftuch erschienen.

Der kurzen Servus-TV-Nachrichtensendung war das einen ausführlichen Beitrag wert. Auch oe24 berichtete. Das Thema ist für viele Österreicher ein echter Aufreger, denn da geht es ja nicht nur um eine kleine Prügelei, sondern um die in vielen Fällen gescheiterte Integration von Türken und anderen Muslimen in Mitteleuropa und um die Behauptung, türkische Frauen trügen ihre Kopftücher eh freiwillig.

Die Zeit im Bild 1 brachte darüber natürlich keine Silbe. Na gut, denkt sich der gelernte ORF-Beobachter, die ORFler werden das Thema in der Sendung „Niederösterreich heute“ abgehandelt und damit vor den ZiB-Sehern versteckt haben. Auch da sucht man vergeblich, ebenso wie auf orf.at. Auch dort nützte es am Samstagabend nichts, nach einem versteckten Text auf der Niederösterreich-Seite zu stöbern. Das Thema hat die Österreicher nicht zu interessieren. Damit basta.

Und was brachte „Niederösterreich heute“ an wichtigen Themen, dass für das echte Aufregerthema kein Platz mehr war? „Heißes Öl verursacht Küchenbrand“, „Neue Wartehalle für Pendler“ in Wien-Meidling, „Der gestiefelte Kater“ hatte in Sankt Pölten Premiere und andere mitreißende Reportagen.

Aber es dürfte demnächst auch der aus der ORF-Berichterstattung bald verschwundene mutmaßliche Mörder bald wieder in ORF-Berichten auftauchen. Jetzt gilt es dem geneigten Publikum zu vermitteln, dass der arme 31-jährige Mann psychische Probleme und/oder ein Blackout hatte.

Medien, die permanent nicht berichten, was ihre Konsumenten interessiert, laufen Gefahr, nicht mehr gelesen, nicht mehr gesehen oder gehört und nicht mehr gekauft zu werden. Solche Medien gehen bald zugrunde.

Diese Grundregel gilt natürlich nicht für den ORF. Der wird zwar auch immer weniger konsumiert, wenn nicht gerade ein ordentliches Fußballmatch oder Skirennen oder eine Regierungskrise über den Bildschirm flimmert. Aber auch die Nicht-ORF-Konsumenten müssen zahlen. Dabei produziert der ORF beharrlich an den Interessen seiner Zahler vorbei. Wurscht, die Zwangsgebühren sprudeln ja trotzdem weiter.

Und so wie es aussieht, wird daran auch die nächste Bundesregierung nichts ändern.