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Werner Reichel
 

Bei Anne Will wurde am Sonntag über Thüringen diskutiert. Worüber sonst? Dort hat bekanntlich die Partei der Unberührbaren, die AfD, den Kandidaten der FDP gemeinsam mit der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt. Die linken bis linksextremen Parteien, die in Thüringen die Mehrheit verloren haben, fordern aber, dass Bodo Ramelow, Chef der Nachfolgepartei der mörderischen SED zum Landeschef gewählt wird. Weil die Mainstreammedien mehr oder weniger geschlossen auf Seite der Linken und Linksextremen stehen, sind CDU und FDP umgehend eingeknickt. Doch darum geht es hier nicht.

Bei Anne Will saßen nun Spitzenvertreter der Parteien, von Kevin Kühnert bis Peter Altmaier. Für die AfD war Alice Weidel gekommen. Wer sich anhören wollte, was Weidel zu all dem zu sagen hatte, wurde enttäuscht. Weidel saß zwar im Studio, sprechen durfte sie nicht. Wann immer die AfD-Chefin etwas sagen wollte, fielen ihr die Moderatorin oder ein, zwei oder gleich alle Diskussionsteilnehmer ins Wort. Mehr als einen halben Satz konnte Weidel nicht störungsfrei aussprechen. Manchmal wurde sie regelrecht niedergeschrien. Sie war ein politscher Punchingball, auf den alle Anwesenden einprügelten, ohne die Möglichkeit sich zu wehren.

Dabei war das, was man bruchstückhaft zwischen den empörten bis hysterischen Zwischenrufen wahrnehmen konnte, durchaus interessant. Weidel war schließlich gezwungen, sich schweigend anzuhören, was die anderen über sie und die AfD zu sagen hatten. Was sie mit einem Schmunzeln quittierte. Dies wiederum erzürnte SPD-Kevin, der in vielen Fragen die Linke links überholt, und er warf Weidel vor, dass sie schmunzele (diese widerliche AfD-Hexe), für sie sei das alles ja nur ein Spiel. Kühnert wäre wohl erst zufrieden, wenn Weidel gefesselt und geknebelt an einem Pranger im ARD-Studio oder lieber gleich in Berlin-Hohenschönhausen stünde.

Schon ihre Anwesenheit, die Existenz von Frau Weidel und der AfD scheinen für Kühnert und Co. eine unzumutbare Beleidigung zu sein. Unterm Honecker hätte es das nicht gegeben. In der Deutschen Demokratischen Republik waren die Welt und die Demokratie noch in Ordnung, denken sich wohl die zahlreichen Ramelow-Fans in allen Parteien.

Damals, als die pflegeleichten Blockparteien den Anschein einer Demokratie erweckten und das Einparteiensystem verschleierten. Und auch die ARD passt gut in dieses Bild, die zwar stets betont, wie objektiv, unabhängig und ausgewogen sie berichte, in Wahrheit aber nur den Interessen der Linken dient. Und wie seinerzeit in der DDR wissen das auch alle Beteiligten. Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt über den DDR-Staatsfunk: „Fernsehen und Hörfunk der DDR waren der verlängerte Arm der SED. Das Programm war häufig geprägt von Propaganda und purer Langeweile.“ Gut, dass das bei der ARD ganz anders ist.

Anne Will ist keine Moderatorin, sie fungiert als eine Art öffentlich-rechtliche Chefanklägerin, die versucht, Alice Weidel in einem medialen Schauprozess vorzuführen. Warum tun sich AfD Politiker das überhaupt noch an, warum boykottieren sie solche Scheindebatten im Staatsfunk nicht, warum boykottieren sie diese Anstalten nicht?

Vielleicht, um zu demonstrieren, wie man mit der AfD umgeht. Zumal ja mit Weidel auch rund ein Viertel der Wähler in Thüringen niedergebrüllt wurde, warum jene, die vorgeben, für Demokratie, Toleranz und Dialog zu stehen, nicht einmal bereit sind, sich die Argumente einer Partei anzuhören, die in vielen zentralen politischen Fragen die einzige echte Oppositionspartei ist.

Solche Diskussionsrunden kann man sich nur noch ansehen, um den aktuellen Zustand bzw. den Niedergang der deutschen Politik, der Demokratie und der Diskussionskultur mitzuverfolgen. Es ein gebührenfinanzierter Fernseh-Totentanz der Demokratie.