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Simone Griesmayr
 

Was ist die zentrale Aufgabe von öffentlich-rechtlichem Rundfunk? Menschen mit Informationen versorgen, möglichst aus vielfältigen Quellen.

Warum ist das wichtig für Menschen? Menschen tragen Verantwortung für ihr Leben und oft auch für andere. Jeder muss für sich und andere Entscheidungen treffen. Die Haltung, dass man sich auf sogenannte Experten – z. B. Ärzte, ORF-Menschen, Repräsentanten öffentlicher Institutionen – verlässt, ihren Direktiven folgt, und dadurch der eigenen Verantwortung über eine Entscheidung entledigt ist, ist ein Trugschluss. Die Folgen der Entscheidungen, die Sie heute treffen, werden Sie selber tragen müssen, und niemand, nach dessen Äußerungen Sie sich heute richten, wird die Folgen Ihrer Entscheidungen mit Ihnen mittragen.

Wenn Sie sich das bewusst gemacht haben, werden Sie mir vielleicht darin folgen, dass der wichtigste Service, den der ORF zur Verfügung stellen sollte, eine umfangreiche Information über tägliche Ereignisse zu liefern, damit Sie selber eigenverantwortlich besser entscheiden können.

Auf ORF-Watch brauche ich nicht zu erklären, wie weit wir in Österreich mit dem ORF von dieser Zielvorstellung entfernt sind. Aber lassen Sie mich kurz kursorisch Revue passieren, was bisher im Zuge der fahrlässigen Covid-19-Berichterstattung, unter dem Motto: Keine Panik, ist nur eine Grippe, an Schaden entstanden ist.

Susanne Höggerl von der ZIB 1 (12. März), fragt Günther Mayer, wenn „die Wissenschaft“ (!!!) zu Wort kommen soll. Dieser weiß, dass die Epidemiologen „horrende Zahlen“ errechnen, und dass wir alle gelassen sein sollen, denn das sind nur Worst-Case-Szenarien. Also, dass Millionen Menschen von einem neuen, unbekannten Virus infiziert sein könnten, ist nur der Fall, wenn niemand nix tut [Anmerkung.: derzeit gibt es ca. 220.000 bestätigte Infizierte; in Österreich ist man nicht einmal in der Lage, Menschen in Gesundheitsberufen ausreichend zu testen, die meisten anderen Länder testen noch viel weniger].

China (!!!), so Herr Mayer, habe vorexerziert wie man den Virus eindämmt. Quintessenz ist, zwei Tage nachdem die Regierung schrittweise zur flächendeckenden Quarantäne übergegangen ist: Keine Panik, lasst Euch nicht verunsichern! Zum Schluss wird die Sendung mit Sportlern und Schauspielstars garniert, die sich von der Coronavirus-Panik-Mache nicht beeindrucken lassen. Die Promis sieht man, wie sie sich in der schauspielfreien Zeit gegenseitig umarmen, lustig beim Bussi-Bussi in die Kamera. Dass man die Zuseher vor ein paar Sekunden zum Abstandhalten aufgerufen haben, nimmt man im ORF gelassen.

Gar nicht gelassen war man im ORF aber, als man den Rassismus gegenüber China bekämpfen musste. Nur weil ein Virus aus China kommt, darf man den noch lange nicht einen chinesischen Virus nennen! Das ist typisch für so Rassisten wie US-Präsident Trump, die Fake-News verbreiten und die Propaganda-Zentralanstalt in China aufregen. Als US-Präsident Trump Ende Jänner Einreisen aus China blockierte, um der Coronavirus-Pandemie (die von der WHO erst Anfang März anerkannt wurde) entgegenzuwirken, kämpfte der ORF mit Europa gegen Rassismus und für die Aufnahme der Türkei-Migranten.

Ein Höhepunkt der Gutmenschen-Kampagne gegen Grenzen und den bösen Virus-Rassismus war dabei der Aufruf „Hug a Chinese“ vom Florentiner Bürgermeisters, der vielleicht das seinige zu den fast 500 Toten allein am 18. März in Italien beigetragen hat.

Das ist die Linie der Berichterstattung seit Jänner. Diese Richtung – nur keine Panik verbreiten, wir müssen die Menschen ruhig halten – wird fortgesetzt bis dato. Der wichtigste Kampf des ORF ist gegen sogenannte „Fake-News“ und Panik. Meldungen aus China werden sorglos nachgeplappert, als ob das völlig selbstverständlich wäre. Das sind etwa die Fallzahlen aus China, die Aufschluss geben sollen, wie infektiös der Virus ist und wie er funktioniert. Weltweit wurden und werden die Fallzahlen und Informationen aus China stark angezweifelt. Einzig die WHO, die maßgeblich von China finanziert wird, hat diese Berichte kritiklos übernommen.

Und natürlich der ORF. Bei Höggerl erklärt „die Wissenschaft“ alias Günther Mayer: „Also die Berichte, wonach nur schwere Fälle gemeldet würden, die haben wir überprüft, die gehen alle zurück auf eine Aussage der chinesischen Gesundheitsbehörden, die wir hier im Original haben – sogar mit chinesischen Zeichen – darin ist eindeutig die Rede davon, jeder Fall, jede Infektion ist sofort zu melden und auch ins Internet zu stellen.“ Ach so, die chinesische Gesundheitsbehörde verlautbart, dass eh alle ihre Zahlen stimmen. Für den ORF ist es völlig OK, dass keine unabhängigen Ärzte nach China einreisen dürfen, um das zu überprüfen. All die „Fake-News“, die Zweifel verbreiten, sind mit China-Zentralpropaganda widerlegt. Nur keine Panik – alles gut.

Bis heute hält der ORF an dieser völlig abstrusen Ideologie fest! Chinas Behörden sind völlig objektiv. Genau wie der ORF.

Da darf dann auch „Gesundheitsexperte Auer“ von der WHO am So, 15. März, in der Zib 2 erklären, dass China „ein gutes Beispiel ist, mit guten, scharfen Maßnahmen eine Trendumkehr einzuleiten“, was wir in Europa nun durchexerzieren sollen, um den Coronavirus in den Griff zu bekommen. Nein, das wird natürlich nicht so plakativ ausgeführt, wie die Berichte in den sozialen Medien uns das vor Augen führen – also Menschen in Käfigen abtransportieren, mit Gewalt aus ihren Wohnungen abzuholen usw. Nein, „wie die WHO uns sagt, ist China ein Hoffnungsschimmer ... und sollte uns bestärken ...“

Sicher, China ist ein Vorbild in Message-Control. Sie haben die ersten Ärzte, die auf den neuartigen Virus hingewiesen haben, unter Polizeigewahrsam genommen. Keiner weiß, was aus den Citizen-Journalisten geworden ist, die über die „Maßnahmen“ in Wuhan berichtet haben, und gestern sind wieder mal ausländische Journalisten, u. a. von der New York Times und der Washington Post, ausgewiesen worden. Daran soll sich unsere Regierung orientieren?

Das Land, das bisher am erfolgreichsten gegen den Corona-Virus vorgegangen ist, ist Taiwan. Aber von der WHO gibt es keine Daten zu Taiwan, weil es dieses Land gar nicht gibt! Nur eine Insel, die zu China gehört. 

Am Freitag, 13. März, wird Hans Bürger in der ZIB 1 gefragt: „ ... so viele Informationen auf sozialen Medien, wie soll man damit umgehen?“ Nachdem ein Massen-Run auf Lebensmittel und Klopapier stattgefunden hat, und viele Menschen – wahrscheinlich vor allem ORF-Konsumenten – überrascht das erste Mal in ihrem Leben vor leeren Regalen gestanden sind, kommt die übliche Beschwichtigungsformel: „Wer in diesen Tagen ORF schaut, der weiß, da sind Journalisten am Werk, die das recherchiert haben, die sich mit den Hintergründen beschäftigt haben, die telefoniert (!!!!) haben, aaah, deshalb sind ja auch unsere Sondersendungen so gesehen, so stark gesehen, auch die Zeit im Bild, und man kommt halt schon drauf, wenn es wirklich ernst ist, dann muss man sich – oder sollte man sich nicht unbedingt nur auf die sozialen Medien verlassen. Das kann sehr gefährlich werden.“

OK, also, die Menschen, die am Freitag vor leeren Regalen gestanden sind und sich auf den ORF, die lähmende Beschwichtigungsrhetorik und China-Propaganda verlassen haben, sind in Wirklichkeit die Gescheiteren?

Am Samstag macht sich ein Herr Langpaul Sorgen, dass die geplanten Investitionen der Regierung „ins Klima“ durch die Corona-Krise hintangestellt werden könnten. Und Dieter Bornemann spricht von einer „Delle“ (!!!) in der Konjunktur. Nur nicht aufregen – nur keine Panik.

Nur einen Tag später werden die ORF-Seher erleben, dass in Österreich im Wesentlichen eine Ausgangssperre verhängt wird und sie nicht mehr wie gewohnt arbeiten, einkaufen, und ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen können werden. Am Montag wird das Telefonsystem des AMS zusammenbrechen und tausende Menschen werden arbeitslos.

Danke ORF, wie eure grandiosen Vorbilder in China habt Ihr offenbar „recherchiert und telefoniert“. Mit wem eigentlich?