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Werner Reichel
 

Der burgenländische Commerzialbank-Skandal wird zu einem Problem für die ohnehin angeschlagene SPÖ und ihre aktuelle Zukunftshoffnung Hans Peter Doskozil. Bisherige von SPÖ, ORF und anderen Medien-Genossen gestartete Versuche, die SPÖ auf dem nach aktuellem Stand 700-Millionen-Euro-Desaster rauszuhalten, sind nur teilweise gelungen, weil Bankdirektor Martin Pucher im roten Burgenland bestens vernetzt war. Es gab zahlreiche Verbindungen zur roten Landesregierung.

SPÖ-Landesrat Christian Illedits musste bereits das Handtuch werfen, weil er Gold im Wert von über 5000 Euro vom SV Mattersburg angenommen hat. Präsident und Hauptsponsor des Fußballvereins war Bankdirektor Pucher. Auch der Heimatverein von Illedits, der ASV Draßburg, wurde von der Commerzialbank großzügig gesponsert.

Da es im ORF keine SPÖ-Skandale bzw. Skandale im Umfeld der Genossen geben darf und es bei einer Dimension von mittlerweile annähernd einer Milliarde Euro Schaden die Geschichte einfach zu groß ist, um sie medial, so wie viele andere SPÖ-Skandale zuvor, einfach versanden zu lassen, wendet der Linksfunk eine bewährte Taktik an, die dem Selbstverständnis der Sozialisten entspringt: Der Linke ist niemals schuld. Auch nicht, wenn er wie in der UdSSR, Kuba, Kambodscha oder aktuell in Venezuela große Not und viel Leid verursacht.

Verantwortlich sind immer die anderen. Der politische Gegner, der Klassenfeind, Donald Trump, die Gesellschaft, der Kapitalismus, die Rechten, die Umstände. Um Ausreden ist der Linke nie verlegen. Vor allem nicht, wenn er beim staatlichen Linksfunk arbeitet.

Deshalb bastelt man beim ORF nun an einem Burgenland-Spin, um die Genossen in Eisenstadt aus dem Gröbsten rauszuhalten. Das geht nicht von heute auf morgen, das braucht viele ZiBs, Beiträge, Meldungen und Experteninterviews bis man das halbwegs für die SPÖ geradebiegt. Beim ebenfalls Hunderte Millionen schweren KH-Nord-Skandal hat der ORF das bravourös hinbekommen. Am Ende das roten Krankenhaus-Desasters hat der ORF es seinen Gebührenzahlern sogar als Erfolg der SPÖ verkauft.

Das sollte bei den Burgenländern auch gelingen. Heute darf Ö1 einen kleinen Beitrag dazu leisten. Das Mittagsjournal sendet einen Bericht über das Versagen „der“ Aufsichtsräte, nicht des Aufsichtsrats der Commerzial-Bank. Die Ö1-Sprecherin leitet den Beitrag unverbindlich ein: „Wer dieser Tage im Internet unter den Begriffen ‚Aufsichtsrat‘ und ‚Versagen‘ sucht, der findet reichlich Lesestoff. In der Ergebnisliste finden sich zahlreiche Namen von Kapitalgesellschaften aus dem In- und Ausland.“

Da ich vor dem Computer sitze, gebe ich, wie von Ö1 vorgeschlagen, „Aufsichtsrat“ und „Versagen“ in Google ein: Nun ja, bereits das dritte Suchergebnis stammt aus dem Jahr 2014, die nächsten beiden aus dem Jahr 2015. Unter reichlich Lesestoff stelle ich mir etwas anderes vor.

Der Schmäh dahinter ist simpel: Man versucht aus einem 700-Millionen-Skandal, der sich nach bisherigen Informationen zumindest im weiteren Umfeld der SPÖ abgespielt hat, quasi einen mehr oder weniger gewöhnliche Vorgang zu machen, der sich immer wieder und überall auf der Welt so ereignet.

Es handelt sich in erster Linie um ein strukturelles Problem, weniger um einen Skandal, für den bestimmte Personen aus einem bestimmten Umfeld verantwortlich sind. Diese Sichtweise hat der ORF ausschließlich bei Skandalen im Dunstkreis dr Linken, bei allen anderen sind es selbstredend die handelnden Personen, ihr politischer Background und ihr Umfeld, die im Zentrum der Betrachtung stehen.

Dass der Aufsichtsrat der Commerzialbank, in dem verschiedenste Couleurs vertreten sind, von den Malversationen nichts mitbekommen hat, liegt also weniger an den konkreten Personen als an dem Gremium an sich.

Deshalb ist es auch nicht so wichtig und notwendig, sich mit ausgerechnet diesem Skandal intensiver auseinanderzusetzen, als vielmehr mit den Aufsichtsräten, Vorständen, dem Bankwesen und dem Kapitalismus, also dem großen Ganzen.

Es ist auffällig, wie viel Eifer und Elan ORF, Falter und Co. entwickeln, wenn es auch nur den leisteten Verdacht eines FPÖ-Skandals gibt - man denke etwa an das völlig legale Gold-Depot der FPÖ in Osttirol - und wie desinteressiert unsere selbsternannten linken Aufdecker und Investigativ-Journalisten sind, wenn es um echte, Hunderte Millionen schwere Skandale im linken Milieu geht.

Es sind jedenfalls noch viele Berichte, Meldungen und Nachrichtensendungen im ORF notwendig, um dem Commerzial-Bank-Skandal den richtigen Spin zu geben und die SPÖ, soweit es geht, gut dastehen zu lassen. Es gibt schließlich nicht nur im Burgenland linke Netzwerke.