ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


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Kurt Ceipek
 

Alljährlich werden in Österreich im sogenannten Radiotest die Marktanteile von ORF und Privatsendern ermittelt. Reichweitenstärkster Sender ist weiterhin Ö3 mit 30,9 Prozent, die Marktanteile der Regionalsender des ORF erreichten im gesamten Bundesgebiet 27,3 Prozent der Hörer. Ein Jubel-Ergebnis für den ORF? Eher nicht.

Allzu viel gefeiert dürfte man deshalb in den ORF-Chefetagen nicht haben. Eher hat man jenen Zeiten nachgetrauert, als im Land Österreich noch das Rundfunkmonopol herrschte und Konkurrenz untersagt war. Seit in Österreich auch Privatsender ihre Arbeit und ihre Geschäfte machen dürfen bewegen sich die ORF-Schlachtschiffe langsam aber beharrlich abwärts.

Die Gesamtreichweite der ORF-Radios sank auf 59,6 Prozent, 2020 waren es noch 61,6 Prozent gewesen. Die Privatsender, die sich ohne üppige Zwangsgebühren um Zuhörer bemühen müssen, legten in Summe beträchtlich zu. Die Folge: die Sendergruppe RMS, der die bedeutendsten Privatsender wie Kronehit, Arabella, Antenne, 88,6 und andere angehören, haben in Summe erstmals Ö3 hinter sich gelassen.

Besonders erfolgreich zeigte sich 2021 Kronehit, das seinen Marktanteil von 8,8 Prozent im Jahr 2020 auf 10,8 Prozent hochtreiben konnte. Der vom ORF viel beworbene aber kaum gehörte Jugendsender FM4 verlor 0,3 Prozent und liegt nur noch bei 3,2 Prozent. Damit ist FM4 hinter die Privatsender 88,6 (3,3 Prozent) und Antenne Steiermark (ebenfalls 3,3 Prozent) zurückgefallen.

Auch in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen verloren die ORF-Sender an Tagesreichweite. Waren es 2020 noch 51,2 Prozent, so kamen sie im Vorjahr nur noch auf 48,9 Prozent. Die Privatradios steigerten sich auf 35,6 Prozent (33,6 Prozent). Ö3 war auch bei den unter 50-Jährigen tagesreichweitenstärkster Radiosender mit 34,6 Prozent, allerdings musste der Sender erhebliche Reichweitenverluste hinnehmen. Im Jahr davor waren es noch 36 Prozent gewesen.

Die Schlagzeilen der Zeitungen zu diesem Thema lauteten ziemlich einheitlich: „ORF baute ab, Private legen zu“. Das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass sich Werbebudgets verstärkt in Richtung Private bewegen werden. Das dürfte der ORF aber einigermaßen verkraften, denn bekanntlich wurden die ORF-Zwangsgebühren vor kurzem um acht Prozent hochgeschnalzt. Das heißt, dass der ORF gegenüber Privatsendern in TV und Hörfunk einen Wettbewerbsvorteil von rund 700 Millionen Euro pro Jahr hat.

Man kann sich leicht ausmalen, wo die ORF-Sender landen würden, wenn sie diesen warmen Geldregen mit Privatsendern teilen müssten oder auf freiwillige Gebührenzahler angewiesen wären.