ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


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Kurt Ceipek
 

Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, die im Teletest ermittelten und auf den Teletextseiten von 376 bis 379 veröffentlichten Zuschauerzahlen der ORF-Flaggschiffe ORF 2 und ORF 1 unter die Lupe zu nehmen. Die Küniglberger versuchen ja gerne, den Eindruck zu erwecken, als säßen die heimischen Gebührenzahler in ihrer gesamten Freizeit vor der Glotze, um begeistert dem ORF-Programm zu folgen.

Die Realität sieht anders aus.

Als potentielle TV-Zuseher gelten in Österreich alle Erwachsenen oder Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr. Insgesamt sind das knapp 7,2 Millionen Menschen in diesem Land. Meistgesehene Sendungen im Standardprogramm sind die Sendungen zwischen 19 und 20 Uhr in ORF 2, also „Bundesland heute“ und die „Zeit im Bild“. Da wirft der ORF gerne mit beeindruckenden Zahlen um sich.

Durchschnittlich versammeln sich dafür ungefähr 1,1 bis 1,3 Millionen Menschen vor den Geräten. Das ergibt Marktanteile von 50 und manchmal sogar bis 60 Prozent, wenn irgendwo in der Welt etwas besonders furchterregendes passiert ist. Das klingt beeindruckend. Im Klartext heißt das aber: wenn beispielsweise 1,2 Millionen zusehen, dann pfeifen rund sechs Millionen auf die Zeit im Bild und bevorzugen eine andere Beschäftigung. Aber auch für diese sechs Millionen Nicht-Zuseher wurden die saftigen ORF-Gebühren bezahlt. Dazu kommt, dass erfahrungsgemäß in unzähligen Haushalten der Fernseher zwar läuft, aber keiner sieht oder hört hin.

Ein gutes Beispiel ist auch die Sendung „Guten morgen Österreich“, die täglich von Montag bis Freitag vom Bildschirm flimmert. Auch dort erscheinen die Marktanteile mit manchmal über 30 Prozent sehr ansehnlich. Dieser Marktanteil wird mit knapp über 100.000 Zusehern erreicht. Diesen 0,1 Millionen Zusehern stehen 7,1 Millionen gegenüber, die besseres zu tun haben, als ORF zu schauen, weil sie in die Arbeit oder in die Schule müssen, oder weil sie den ORF nicht mehr sehen wollen.

Die Aussagekraft von Marktanteilen wird immer bescheidener, weil immer mehr Menschen besseres zu tun haben als fernzusehen. Der Markt wird also immer kleiner, wodurch Marktanteile selbst bei schrumpfenden Zuseherzahlen größer werden können. Das heißt im Klartext: die Quote ist ein höchst unzureichender Maßstab.

Für die tatsächlichen Zuseherzahlen erscheinen die wieder einmal kräftig erhöhten GIS-Gebühren – in Summe rund 700 Millionen Euro – doch unverschämt hoch.

Möglicherweise würden viele „noch-immer-Zahler“ aber „schon-lange-nicht-mehr-Zuseher“ wieder dem ORF zuwenden, wenn es dem Zwangsgebühren-free-TV-Sender gelänge, den Nachrichten-, Magazin- und Kultursendungen die immer krasser werdende linke Schlagseite zu nehmen. Aber das scheint dem neuen – angeblich bürgerlichen – Generaldirektor gegen den Widerstand der zahlreichen linken Aktivisten in den Redaktionen nicht im Entferntesten zu gelingen. Eher scheint das Gegenteil der Fall.

In den 1960er-Jahren glückte nach einem Volksbegehren eine Reform des ORF. Eine derartige Reform ist weit und breit nicht in Sicht. Die verantwortlichen Politiker fürchten sich so sehr vor der Macht des Rot-Grün-Funks, dass sie keinerlei Widerstand gegen die herrschenden Missstände zu leisten bereit oder imstande sind.

Eine ORF-Reform von innen heraus, beispielsweise um den wachsenden Seher- und Hörerschwund zu bremsen, wird von den Betroffenen sicher nicht angestrebt. Wozu ORF-Reform? Solange die Gebührenmillionen so üppig sprudeln wie bisher brauchen wir keine Reform. Wenn durch immer weniger Zuseher die Werbeeinnahmen schrumpfen ist das auch nicht so schlimm, weil wenn das Geld knapp wird, dann werden halt die Gebühren erhöht.

Was ja angesichts der galoppierenden Inflation schon bald wieder der Fall sein könnte.