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Heinz Fischer und seine Herolde

Online, Di, 08.07.2014, 15:02 | Werner Reichel

Seit zehn Jahren ist Heinz Fischer Bundespräsident. Seine Fans im ORF haben ihm deshalb einen Jubelbeitrag im Ö1-Mittagsjournal spendiert. Über drei Minuten lang huldigt und preist Wolfgang Werth die großartigen Leistungen Fischers. Er versucht gar nicht erst so etwas wie kritische Distanz zu suggerieren. Danach darf Stefan Kappacher als Fischer-Experte und Kenner eine minutenlange Lobrede halten. Dabei erfährt der Ö1-Hörer, dass Fischer das Amt des Bundespräsidenten gerettet und ihm wieder Würde und Ansehen verliehen hat. Danach folgt laut Ö1 eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Keine Spur von ernsthafter Kritik. Dabei gäbe es genug, was man an Fischers Stil und Amtsführung beanstanden könnte. Etwa, dass er zwar sein SPÖ-Parteibuch abgegeben hat, sich aber nie vom linken Flügel seiner Partei loslösen konnte oder wollte.

Fischers problematischer Umgang mit Diktatoren und totalitären Regimen blieben ebenfalls unerwähnt, obwohl er keine Probleme hatte, den seinerzeitigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, den iranischen Außenminister oder Wladimir Putin zu empfangen. Kein Wort zu seinem seltsamen Statement zum Konflikt um die Mohammed-Karikaturen oder über seinen Brief an die Votivkirchenbesetzer. Fischer hatte damals geschrieben, dass er als Bundespräsident seinen „verfassungsmäßigen Spielraum nicht überschreiten“ dürfe und sich gleich mehrmals dafür entschuldigt. Was nichts anderes heißt, als dass er die bestehenden Gesetze  gerne zugunsten der Besetzer ignoriert hätte. Dass Fischer die Grenzen seines Amtes akzeptiert, ist übrigens ein kleiner Kritikpunkt von Kappacher. Denn das würde nämlich zu Politikverdrossenheit führen, analysiert Kappacher messerscharf. Aha.

Wie gesagt, man hätte auch ein kritischeres Portrait zeichnen können. Doch Kappacher listet fast nur Fischers Leistungen auf, vom „erfrischenden Facebookauftritt“ über das unvermeidliche „Brücken bauen“ bis hin zur „durchlüfteten Präsidentschaftskanzlei".

Und Kappacher kommt zu dem Schluss, Fischer ist der Präsident, den sich die Österreicher wünschen. Leider hat Ö1 vergessen, diesen Satz mit Fanfarenklängen zu unterlegen.

Damit das Ganze nicht zu sehr nach kaiserlicher Hofberichterstattung oder nordkoreanischem Propagandafunk klingt, wird im Ö1-Beitrag kurz erwähnt, dass Menschenrechtsaktivisten den Empfang Putins in der Hofburg kritisiert haben. Es ist doch immer wieder schön zu hören, warum man Rundfunkgebühren zahlen darf.