ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Sendungskritik Melden

Bitte um ein Stichwort, warum diese Kritik als rechtswidrig oder ehrenbeleidigend (gegenüber konkreten Personen) offline genommen werden soll. Dass eine Meinung unerwünscht oder unsympathisch ist, ist kein ausreichender Grund dafür.

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.

Beitrag melden


ZIB

ORF2Andere, Mi, 25.10.2017, 16:52

Es ist mehr als nur eine psychologische Spielerei. Durch einen Zufall kam ich in den Genuss einer ZIB-Nachrichtensendung, bei der der Ton des Fernsehgerätes abgeschaltet war. Es möge jeder einmal kurz selbst ausprobieren. Wenn man die Stimmen nicht hört, dann fällt einem die Mimik und die Stimmungslage eines Menschen ganz besonders auf, weil man nicht durch das, was gesagt wird, abgelenkt werden kann.

Mir war beim allerersten Hinschauen nicht klar, welcher Beitrag da anmoderiert wurde. Die Mimik der Moderatorin – in diesem Fall Frau Fenderl – erinnerte an angemessen betroffene Gesichtsausdrücke, die zu schweren Erdbeben, wiederaufgeflammten Kämpfen in Kriegs- und Krisengebieten oder dem Ableben eines Publikumslieblings angemessen gewesen wären. Doch durch die informativen Inserts am Bildschirm wurde mir klar, dass es um die Beiträge "Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ starten", "Helma Poschner zum ersten Verhandlungstag" und "SPÖ: gemischte Reaktionen zur Oppositionsrolle" ging. Im Übrigen war der Anblick der erwähnten Außenreporterin auch nicht wirklich im Bereich neutraler oder gar freundlicher Ausstrahlung.

Man trägt also tiefe Trauer im ORF. Man ahnt, dass die kommenden politischen Entwicklungen an das Eingemachte im tief rot und grün verwurzelten Staatsfunk gehen könnten. Und man tut sich schwer, das zu kaschieren. Man ist im wahrsten und ehrlichsten Sinn des Wortes "betroffen".

Für mich als Zuseher bedeutet das, dass ich noch weniger Motivation aufbringe, mich durch den ORF und seine Journalisten-Trauermienen informieren zu lassen. Gewiss, der junge TV-Sender oe24 des Medienprofis Wolfgang Fellner hat einen vielleicht etwas boulevardesken Zugang zu manchen Themen, aber dort erspart man sich dieses moralin-saure Betroffenheitsgetue über den bösen Rechtsruck und berichtet relativ frisch, jung und ohne erkennbare politische Abhängigkeitsrichtung. Selbiges gilt für Servus-TV mit seinem engagierten Senderchef Ferdinand Wegscheider.

Lieber ORF, es tut mir ja auch leid, dass ihr jetzt alle traurig und betroffen seid, aber vielleicht könntet ihr das ja in privaten Gesprächssitzungen ehemaliger AZ-Redakteure und Kern-Urlaubsfreunde irgendwie therapeutisch auskurieren. Aber seid so lieb und bemüht euch, um unser Gebührengeld wenigstens den Anschein eines neutralen, professionellen journalistischen Anspruchs zu wahren!