ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Rubriken

Archiv

Sendungskritik Melden

Bitte um ein Stichwort, warum diese Kritik als rechtswidrig oder ehrenbeleidigend (gegenüber konkreten Personen) offline genommen werden soll. Dass eine Meinung unerwünscht oder unsympathisch ist, ist kein ausreichender Grund dafür.

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.

Beitrag melden


Zeit im Bild 2

AndereORF2, Di, 29.12.2020, 00:56 | Kurt Ceipek

Würde ZiB2-Moderator Martin Thür auch nur über einen Hauch von Selbstkritik und Selbsterkenntnis verfügen, dann hätte er nach seinem 15 Minuten dauernden Interview mit Norbert Hofer vor Scham unter dem Moderatorentisch versinken müssen. Es war ein echtes journalistisches Fiasko Marke ORF.

FPÖ-Chef Norbert Hofer ist vielen seiner Parteifreunde zu sanft, zu sachlich und in Interviews und Diskussionen zu wenig aggressiv. Diese Aggressivität ließ Thür gegenüber dem dritten Nationalratspräsidenten im Übermaß über den Bildschirm flimmern, wie so oft, wenn ORF-Giftspritzer bürgerliche Politiker in Interviews gezielt niedermachen wollen.

Aber Hofer ließ den selbstgefälligen ORF-Mann trotz Thürs besonders giftig formulierter Fragen schon bald alt aussehen. Alles, was Thür dem FP-Politiker vorwarf, konnte Hofer relativ mühelos relativieren und entkräften. Er argumentierte ruhig, sachlich und ziemlich souverän.

„FPÖ-Chef Norbert Hofer zur Impf-Debatte“ war das ausführliche ZiB2-Interview übertitelt, aber das Thema Impfung war relativ bald erledigt. Dann verbiss sich Thür in das ORF-Lieblingsthema, die „Identitären“. Er wollte von Hofer wissen, ob die FPÖ einem gegen die Identitären gerichteten „Symbolegesetz“ zustimmen werde. Hofer dazu: „Mir sind die Symbole wurscht. Glauben Sie, dass das Attentat von Wien durch irgendwelche Symbole verhindert hätte werden können?“ Um dann hervorzuheben, was er für wichtig hält.

Thür ließ nicht locker und ritt beharrlich weiter auf dieser nebensächlichen Frage herum. Hofer: „Was der ORF da praktiziert, ist die beste Werbung für diese Mini-Mini-Mini-Gruppe. Wenn es Ihnen Spass macht, dann machen Sie einen Sitzkreis mit den Identitären. Wir haben ganz andere Probleme wie eine riesige Gesundheitskrise, eine Wirtschaftskrise und islamischen Terrorismus. Um diese Themen sollte sich der ORF kümmern.“

Zu allem Überdruß gelang es Hofer dann auch noch, das zahlreiche ORF2-Publikum darauf hinzuweisen, dass der ORF möglichst bald wieder eine Gebührenerhöhung anstrebe. Worauf Martin Thür das Interview abbrach, weil Herr Hofer seine Frage nicht beantworten wollte.

Vielleicht sollten die Nachrichtenmacher im ORF einmal ihr Gewissen erforschen, ob das, was vom ORF für angeblich wichtig gehalten wird, auch den Zwangsgebührenzahlern wichtig erscheint. Auch eine Umfrage könnte da helfen.

Aber dem gut bezahlten Martin Thür wird das egal sein. Er hält sich vermutlich nach wie vor für einen glänzenden und möglicherweise auch seriösen Journalisten. Viele Zuseher dürften nach diesem missratenen Interview völlig anderer Meinung gewesen sein.