ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Werner Reichel (Personal: Mi, 12.03.2014, 17:31)
Das seltsame Selbstbild der ORF-Redakteure

Dieter Bornemann, ZiB-Redakteur und Vorsitzender des ORF-Redakteursrates, hat im Standard einen flammenden Appell für die Unabhängigkeit des ORF gehalten. Auslöser für Bornemanns Kommentar ist die Neubestellung des ORF-Stiftungsrates. Der politische Einfluss müsse aufhören, so Bornemann. Und weiter: „Wir Redakteure haben uns eine Unabhängigkeit erkämpft, die wir nicht mehr aufgeben werden. Diese Unabhängigkeit sollte aber kein täglicher Kampf sein (…)Auch wenn sich die Parteien noch so sehr bemühen, ihren Einfluss auf den ORF nicht zu verlieren.“


Hehre Worte. Glaubt Herr Bornemann tatsächlich was er schreibt? Ausgerechnet Bornemann? Der Kämpfer für Unabhängigkeit und Objektivität soll Ende 2011 gemeinsam mit Fritz Dittlbacher nach einer Intervention der SPÖ einen Beitrag über die Inseratenaffäre des Bundeskanzlers aus der ZiB gekickt haben. Der 55 Sekunden lange Bildbeitrag wurde durch eine wesentlich kürzere und unverfänglichere Moderation ersetzt. Bornemann und Dittlbacher haben die politische Einflussnahme dementiert, ihre Entscheidung hätte sie aus rein journalistischen Gründen getroffen.


Vielleicht glaubt Herr Bornemann, wie so viele seiner ORF-Kollegen, die Österreicher tatsächlich objektiv und unabhängig zu informieren. Dafür spricht jedenfalls eine Studie des Publizistikwissenschaftlers Andy Kaltenbrunner aus dem Jahr 2008. Er hat damals heimische Journalisten nach ihrer politischen Einstellung befragt. Auf die Frage, wie sie die politische Richtung ihres eigenen Mediums einschätzen, antworteten nur 5% aller Rundfunkjournalisten mit „links“. Hingegen 75% der TV- und Radiojournalisten verorten ihr Medium in der politischen Mitte bzw. rechts davon.


Ein erstaunliches Ergebnis. Zumal in Österreich der Großteil der Rundfunkjournalisten ORF Mitarbeiter sind. Die schwere linke Schlagseite scheint im Staatsfunk kaum jemanden aufzufallen. Das dürfte daran liegen, dass viele ORF-Journalisten politisch noch weiter links stehen als der ORF. 60% der Rundfunkjournalisten haben sich in Kaltenbrunners Umfrage als politisch links oder eher links eingeordnet, zudem sind die Wiener Journalisten mit zwei Drittel politisch deutlich weiter links als ihre Kollegen in den Bundesländern.

Auch die ORF-Sprengelergebnisse bei der vergangenen Arbeiterkammerwahl im Jahr 2009 geben Aufschluss über die politische Ausrichtung der ORF-Mitarbeiter. Am Küniglberg kamen FSG und Grüne auf gemeinsam 64,5%, der FCG/ÖAAB nur auf 26,7%. Im Ö3 und Onlineredaktions-Sprengel  ist das politische Ungleichgewicht noch gravierender. Hier kommen FSG und Grüne sogar auf knapp 80% . Ein Ergebnis, das von den realen politischen Verhältnissen außerhalb der geschützten Wertstätte des Staatsfunks weit entfernt ist; ungefähr genausoweit, wie die ORF-Informationssendungen von einer objektiven und kritischen Berichterstattung.


Vielleicht meint Bornemann sein Engagement für die journalistische Unabhängigkeit des ORF tatsächlich ehrlich. Das fällt dann wohl unter Betriebsblindheit. Schließlich ist er fast ausschließlich von Kollegen mit derselben politischen Einstellung umgeben. Bornemann und seinesgleichen sollten das Urteil  ihre Hörer und Seher etwas ernster nehmen, denn die haben die linke Schlagseite des ORF schon lange bemerkt. Im Gegensatz zu den unglaubwürdigen  "Haltet den Dieb" Rufen, wäre das ein erster Schritt in Richtung Unabhängigkeit. 



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