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Andreas Unterberger (Personal: Mo, 12.05.2014, 16:55)
War Eugen Freund ein Spion?

Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Er war ein Sprecher eines Ministers in einer sozialistischen Alleinregierung. Er hat die Identifizierung mit der Partei dann nahtlos im ORF bis zu seiner Pensionierung betrieben. Aber er war wohl eher kein „Agent“. Haben doch viele Sozialisten – und insbesondere der formal parteilose Außenminister Pahr, für den Freund gedient hatte, – im Tito-Kommunismus ganz freiwillig ein wunderbares Vorbild gesehen.

Und schon deswegen kam Freund auf Listen des jugoslawischen Geheimdienstes? Nein. Vermutlich hat das einen anderen Zusammenhang: „Diplomaten“ haben oft Journalisten auf die Liste jener Menschen gesetzt, die von ihnen Geld bekommen hätten. Sie haben es aber selbst kassiert, da es ja in dieser Branche sowieso keine Empfangsbestätigungen gegeben hat. Die angeblichen Agenten hatten in aller Regel keine Ahnung, dass sie auf einer solchen Liste gestanden sind.

Da ich selbst in jenen Jahren außenpolitischer Journalist war, wundere ich mich fast im Rückblick, dass ich mich – zumindest bis zum Mai 2014 – nie auf einer solchen Liste gefunden habe, obwohl ich viel mit Ostdiplomaten zu tun hatte. Aber wahrscheinlich waren meine Kommentare immer so klar, dass solche "Diplomaten" daheim Riesenprobleme hätten, wenn sie deren Autor als Geldbezieher angegeben hätten. Was bei der ganz freiwilligen Jugoslawien-Propaganda der Sozialisten hingegen viel einfacher war.

Übrigens: Bis heute weiß ich nicht, ob die Namen zweier längst in der Versenkung verschwundener Journalisten zu Recht oder Unrecht auf solchen Listen gestanden sind (von denen einer als Schwuler offenbar erpressbar war; von denen der andere mit einem behinderten Kind möglicherweise besonders von Geld abhängig gewesen ist). Auch wird die Namen Zilk und Lendvai wohl auf ewig eine diesbezügliche Ungewissheit umgeben. Wobei ein Zilk für ORF wie Wien mehr Positives getan hat als wohl alle seine Nachfolger. Was nicht geschmälert werden darf. Die Verdienste eines Lendvai oder Freund sind hingegen sehr überschaubar . . .

Mi, 14.05.2014, 19:53 | ORFprivatisierenNOW

Herr Freund soll freundlicherweise Rede und Antwort stehen. Das gehört sich. Auch falls das ganze eine verlogene Intrige sein sollte wie damals die sozialdemokratische Denunziation Waldheims als Nazi.



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