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Werner Grotte (Formate: Mo, 02.06.2014, 12:56)
Klimaschutz mit Ölheizung

Die Werbeflut in den ORF-Formaten ist speziell rund um das Hauptabendprogramm kaum noch zu ertragen – so oft und so lang kann man gar nicht aufs Klo oder Bier holen gehen. Vielfach werden die überlangen Werbeblöcke von Sendungsteilen nur noch eingerahmt, etwa rund um die ZiB um 19:30 uhr. Ein aktueller Test ergab: nur noch zehn Minuten Nachrichten, danach, zwischen 19:40 und 20:15 Uhr, vier Werbeblöcke á  fünf Minuten, dazwischen Wetter, Sport und Seitenblicke. Macht also 20 Werbeminuten in 35 Minuten Sendezeit am Hauptabend. Damit überholt der ORF sogar die privaten Kommerzsender locker.

Vergleicht man diese Zeitspanne mit deutschen Staatssendern wie ARD oder ZDF, so finden sich dort gut 80 Prozent weniger Produktanpreisungen, dafür umso mehr Information. Auch in den ORF-Radios – besonders auf Ö3 – wird die Werbung zunehmend zum Hauptprogramm, wie weiland schon STS so treffend sangen. Immer eleganter wird (Schleich-)Werbung auch gut kaschiert – etwa durch den dezenten Hinweis, dass "die folgende Sendung Produktplatzierungen enthält". Oder enthalten hat.

Doch nicht nur die diesbezügliche Quantität ist bedenklich, manchmal sind es auch die Inhalte. So hört man etwa regelmäßig folgende ORF-Radio-Einschaltung (es gibt sie modifiziert auch im TV): „Seit Jahren heize ich mit Öl. Und ich bleibe dabei. Und hole mir die Ölförderung von 3.000 Euro für die Anschaffung einer neuen Ölheizung“. Wie bitte? Öl gilt (nach Strom) als zweitteuerste und (noch vor Strom) als umweltschädlichste Heizform, nicht zuletzt wegen der Kohlendioxid-Emissionen und der teils prekären Förder- und Transportbedingungen, Stichwort undichte Pipelines, Bohrinsel-Explosionen oder Tankerkatastrophen. Selbst das russische Gas ist da menschenfreundlicher.

Die weltweiten Bemühungen, den durch Industrie, Kraftfahrzeuge und Hausbrand hauptverursachten Kohlendioxid-Ausstoß zugunsten des Klimaschutzes zu reduzieren, müssten selbst ORF-Werbeleuten bekannt sein. Vor diesem Hintergrund sollte es für einen Staatsfunk eine Frage der Ethik (und auch des Bildungsauftrages) sein, nicht für potentiell umweltschädliche Produkte zu werben. Bei (hartem) Alkohol oder Zigaretten hat das ja auch irgendwann einmal funktioniert.

Immerhin darf für Bier und Glücksspiel im ORF noch süffig geworben werden, vor allem der Automatenhersteller Novomatic gilt mit seinem scheinbar überall zu kaufenden Werbe-Gesicht Niki Lauda als besonders guter Kunde. Stehen Alkohol und Glücksspiel nicht ganz oben auf der Liste der Suchtdrogen, die haufenweise Existenzen zerstören? 

Apropos Bildungsauftrag: Auf der im ORF ebenfalls angepriesenen Internetseite der für die Einschaltungen zuständigen „Heizen mit Öl Gmbh“ in Wien 2 sieht man das natürlich anders – dort wird eine moderne Ölheizung mit „sauberer Luft und aktivem Klimaschutz“ in Verbindung gebracht. Hinter der Kampagne steht offensichtlich die Österreichische Mineralölindustrie, die seit 2009 eine „Effizienz- und Klimaschutz-Initiative“ betreibt, wie man weiter erfährt. Böswillige Menschen könnten das als Feigenblatt zur Ankurbelung des lau laufenden Ölheizungsgeschäfts angesichts immer umweltbewussterer Häuselbauer sehen, die lieber mit klimaneutralem Holz oder Pellets heizen. Aber vielleicht hinterfragen das ja irgendwann einmal die GrünInnen im ORF-Stiftungsrat.

Mi, 04.06.2014, 09:08 | Gerald

Naja, man kann es auch übertreiben. Mineralölkonzerne dürfen ja auch überall werben, warum soll das für eine Ölheizungsinitiative nicht gelten? Ethisch bedenklich finde ich das überhaupt nicht.
Di, 03.06.2014, 01:18 | Werner Grotte

Sie haben Recht, Herr Theiner. Geschäfte mit Öl, Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel und Waffen sind weitgehend legal in dieser Welt. Warum soll sich der Staatsfunk Österreichs damit auseinandersetzen?
Mo, 02.06.2014, 20:42 | querdenker

Öl stinkt zwar, aber Geld stinkt nicht. Schon gar nicht für den ORF. Der Gebührensender würde sicher liebend gerne auch für Zigaretten und Haschisch Werbung machen, wenn man ihn nur ließe.
Mo, 02.06.2014, 18:04 | ORFprivatisierenNOW

Unterbrechungswerbung ist dem ORF ja verboten. VERBOTEN, Herrschaften! Sie findet aber trotzdem statt, bei jeder Sportübertragung. Um Gesetze kümmern die sich schon lange nicht mehr.
Mo, 02.06.2014, 14:49 | dottore

Werbung streichen oder ORF zwangsgebühr streichen

...oder am besten: der ORF privilegienstadl (durchschnittgehalt > 100.000 EUR p.a.) verkaufen
Mo, 02.06.2014, 13:10 | Andreas Lindner

Wie bitte?! Das wäre ja noch das allerbeste, wenn der Staatssender dann auch noch in die Werbeinhalte eingreifen würde. Exakt das wird ja hier diskutiert, die Meinungslastigkeit im ORF.
Mo, 02.06.2014, 13:20 | Der Besserwisser

Teile Ihre Meinung. Die Länge der Werbeblöcke ist trotzdem unerträglich. Und dass der ORF jede Unterhaltungsshow einfach aufteilt, um trotzdem Unterbrecherwerbung machen zu können, ein Witz.
Mo, 02.06.2014, 16:48 | Werner Grotte

Pardon. Ich habe nicht verlangt, in Inhalte einzugreifen, sondern angeregt, nachweislich umweltschädliche Produkte nicht zu bewerben. Energie aus Öl zählt zu solchen Produkten, ähnlich wie Atomkraft.
Mo, 02.06.2014, 22:05 | Markus Theiner

Das ist nicht Aufgabe des ORF. Wenn ich als markenführendes Medium anfange nach "ethischen" Gesichtspunkten Werbung für völlig legale Anliegen zu verbieten, dann ist das eher bedenklich.
Mo, 02.06.2014, 22:09 | Markus Theiner

--> "marktführend" soll das heißen.



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