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Elisabeth Hennefeld (Formate: Mo, 08.12.2014, 00:09)
Die Hypo im Zentrum

ORF 2 inszenierte kürzlich ein Gezänke quer durch alle Parteien über das tragische Schicksal eines Kärntner Bankinstitutes. Alle wollen irgendwann den Braten gerochen haben, alle haben irgendwann empört aufgeschrien, aber im entscheidenden Moment haben alle falsche Entscheidungen getroffen und alle sind irgendwie schuld. Wie erhellend!

Hannes Androsch, Experte für eh alles, macht noch einen leisen Versuch, die ganze Problematik auf eine höhere Ebene zu heben, und verortet die Ursünde in der Natur des Weltfinanzsystems seit Mitte der 80er Jahre. Damit meint er die böse neoliberale Deregulierungswut und den Casino-Kapitalismus. Was bitte hat die Ära der wilden Privatisierungen mit dem Desaster einer Bank zu tun, die im entscheidenden Moment zu knapp 95 Prozent im Besitz des Landes Kärnten war, und von demselben Haftungsgarantien, die die Wirtschaftsleistung dieses Landes weit übersteigen, bekommen hat?

Eine ganze Stunde schoben an jenem beschaulichen Adentsonntag Vertreter aller Parteien sich gegenseitig die Schuld an der Hypo-Krise und der Hypo-Krisenbewältigung in die Schuhe, doch kein Mensch traut sich über die offensichtliche Gretchenfrage: Macht es wirklich Sinn, dass Banken in Landes- oder Staatseigentum sind? Seit mindestens 20 Jahren sollte es auch hierzulande herumgesprochen haben, dass verstaatlichte Industrien in der Regel als Verlustposten für den Steuerzahler enden. Aber wehe, wenn Bund und Länder Beteiligungen solcher Art abstoßen! Ausverkauf des Familiensilbers, Verrat an österreichischen Interessen!

Aber diese Frage wird nicht einmal angeschnitten. Schade eigentlich. Könnte eine solche Debatte doch eventuell helfen, ähnliche Krisen in Zukunft zu vermeiden. Stattdessen diskutieren wir lieber über die Vergangenheit, was für morgen zwar nichts bringt, aber doch immerhin den bequemen Vorteil hat, dass einer der Hauptverantwortlichen, ein gewisser Kärntner Landeshauptmann, schon länger nicht mehr unter uns weilt.



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