ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Rubriken

Archiv

Niklas G. Salm (Öffentlich-rechtlich: Mi, 27.06.2018, 15:15)
ORF-Kniefall vor der Regierung? Im Ernst?

Eine Unerhörtheit der Sonderklasse müssen die armen ORFlinge derzeit erdulden! Wären sie nicht so hochgebildet und überaus erhaben, sie würden wahrscheinlich glatt von einer Schweinerei sprechen! Und es ist ja auch wirklich ein Irrsinn, was da plötzlich passiert ist. Herr Wrabetz will doch tatsächlich verfügen, dass Redakteure und Moderatoren des Staatsfunks keine politischen Wasserstandsmeldungen auf ihren "privaten" Accounts auf Facebook, Twitter, usw. mehr absondern sollten.

Social-Media-Richtlinie nennt sich diese perfide Gemeinheit und die soll so streng gehandhabt werden, dass es bei Missachtung härteste Konsequenzen gibt. Oder nein, eigentlich doch gar keine. Es ist also mehr eine Richtschnur, ein zarter Wunsch des selber äußerst linkslastigen Herrn Wrabetz. Vielleicht aber auch nur ein Feigenblatt nach außen, damit man sagen kann: "Schauts her, wir ham eh was tan." Denn die frei erfundene Kritik an der Parteilichkeit des ORF will einfach nicht verstummen.

Doch wie reagiert der ORF-Betriebsrat? Man geifert, das sei "ein Kniefall vor der schwarz-blauen Regierung". Ja klar, ist ja auch verständlich. Da will man den angeblich unabhängigen Mitarbeitern des angeblich total unabhängigen Rotfunks ans Herz legen, vielleicht auch "privat" keine linksgrüne Propaganda zu verbreiten bzw. ständig alles Konservative zu verdammen. Das geht ja gar nicht. Obwohl selbst nicht gerade rechtsverdächtige internationale Medien wie die "New York Times" oder die BBC schon lange genau solche Richtlinien implementiert haben.

Eigentlich sollte sowas für einen wirklich objektiven und unabhängigen Journalisten ohnehin selbstverständlich sein. Für einen öffentlich-rechtlichen noch mehr.

Nur der ORF ist halt derart objektiv, der braucht sowas nicht. Da triefen Objektivität und Qualität aus allen Ritzen - wer benötigt da noch solche Richtlinien? Und außerdem ist das ja eh alles privat. Wer bringt schon den Twitter-Account von Armin Wolf mit ORF-Anchorman Armin Wolf in Bezug? Wer denkt bei Armins giftigen Twitter-Kommentaren schon an seine giftigen Interviews in der ZIB2? Eben! Nur ein äußerst bösartiger Ultrarechter würde da einen Bezug herstellen. Und unterstellen, der dienstliche Wolf wäre linksgetaktet, nur weil der private Wolf linksgetaktet ist. Zum Kopfschütteln.

Völlig verständlich, dass Wolf gleich mit dem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung um die Ecke kam. Regierungsschelte und Kritik an allem Nicht-Linken ist schließlich in ORF-Kreisen ein Menschenrecht. So wie das Recht auf Flucht und Asyl ins Sozialsystem, nein, sorry, ins Land der Wahl. Objektivität und journalistische Distanz ist schließlich das, was der ORF dafür hält. Und in der Eigenwahrnehmung ist niemand objektiver und distanzierter. Das muss reichen.

Auch bei den Genossen des marxistischen "Jugendsenders" FM4 war der Groll groß. Kein Wunder, pflegt man dort schließlich im Nebenberuf für die Antifa tätig zu sein und Verwüstungen kapitalistischer Metropolen wie Hamburg frenetisch zu beklatschen. Und da soll man nicht einmal ein bisschen gegen Kurz und Strache hetzen dürfen? Der Ärger ist absolut berechtigt.

Zum Glück knickt Kuschelkanzler Kurz schon ein, bevor die ohnehin zahnlose Social-Media-Richtlinie überhaupt offiziell erlassen wurde. Bisher sind nämlich erst Entwürfe durchgesickert. Kurz sieht die Richtlinie aber "sehr skeptisch". Offenbar wird er gerne im fundamental-objektiven, staatseigenen Sender öffentlich-rechtlich abgewatscht. Auf die Reaktion von Hardliner Blümel darf man schon gespannt sein - oder besser doch nicht. So viel Härte gegen den ORF macht aber selbst mich ein wenig fertig ...

Link zum Krone-Artikel zum Thema: https://www.krone.at/1730290
Link zum Standard-Artikel zum Thema: https://derstandard.at/2000082295349/ORF-Mitarbeiter-sollen-Politik-und-Politiker-auch-privat-nicht-kritisieren?ref=rec