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Werner Reichel (Ideologie: Sa, 05.01.2019, 13:53)
Relotius und der Rotfunk

Claas Relotius ist seinen journalistischen Gesinnungsgenossen etwas unangenehm. Vor allem, weil er in der linken Meinungsblase bis vor kurzem noch Everybody‘s Darling war. Man himmelte den schreibenden Jungstar an, seine peinliche, vor Kitsch und Hass triefende Multikultiprosa ging weg wie warme Semmeln. Nicht nur der Spiegel, auch Profil, Zeit-Online, das SZ-Magazin oder Datum – also die üblichen Verdächtigen – veröffentlichten seine grandiosen Werke.

Wie Relotius etwa die Rednecks zeichnete, so vorurteilsbeladen, klischeehaft und realitätsfern, erinnert an den Journalismus der dunklen Zeiten des vorigen Jahrhunderts. Aber genau so etwas wollte man veröffentlichen und lesen, von verblödeten, hinterwäldlerischen, ausländerhassenden Trump-Fans. Was gibt es Besseres zur moralischen Selbsterhöhung, als den Gegner zu erniedrigen. Der Linke kann seine Vorurteile und sein Weltbild gar nicht oft genug bestätigt bekommen, zumal sie mit der Wirklichkeit außerhalb seiner Blase so gar nicht kompatibel sind. Und im Kampf gegen die Realität stand Relotius stets an vorderster Front.

Dafür wurde er mit Preisen überhäuft. Es gab keine Scham- und Peinlichkeitsgrenzen. Relotius ließ sogar verwaisten Flüchtlingskindern Mama Merkel im Traum erscheinen. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor: Ein konservatives Blatt schreibt über arme Bergbauernkinder, denen Sebastian Kurz im Traum erscheint und so ihr entbehrungsreiches Leben erträglicher macht.

Relotius hat geschrieben, wonach linke Verleger und Leser lechzen. Er hat mit seinen Geschichten linke Multikultiträume wahr gemacht, hat die triste Realität mit steigender Kriminalität, sich ausbreitenden No-Go-Areas, explodierenden Vergewaltigungszahlen, absackendem Bildungsniveau, muslimischem Antisemitismus, Rassismus gegen Autochthone und dem daraus resultierenden Abstieg der Linken in Europa mit seinen moralischen Erzählungen geschönt.

In der Relotius-Welt war „der Flüchtling“, also ein orientalischer Migrant, tatsächlich ein „edler Wilder“, ein linker Heiliger, eine Erlöserfigur und sein Gegenspieler, der „Rechte“, ein degenerierter, hassender und widerlicher Untermensch. Und über dieser Szenerie schwebt als moralische Lichtgestalt der über alles erhabene, alles überblickende und wissende Gutmensch. Das linke Multikulti-Utopia ist in Relotius Märchenwelt so nah.

Bis zuletzt hat man im Spiegel an diese Märchen glauben wollen. Selbst als seine Kollegen schon zahlreiche Beweise und Fakten gegen ihn gesammelt hatten. Seine Welt war einfach zu schön, um sie einfach aufzugeben.

Der Fotograf Mirco Taliercio, der gemeinsam mit Juan Moreno die Machenschaften des politisch korrekten Münchhausen aufdeckte, sagte: „Die haben es bis zum Schluss nicht geglaubt. Obwohl wir die Beweise ja auf Video hatten." Irgendwann ging es nicht mehr anders, man musste die Flucht nach vorne antreten. Relotius wurde zum bedauerlichen Einzel- und Sonderfall erklärt. Für Linke ist Relotius kein Symptom, keiner, der die Mechanismen und die Verfasstheit der linken Mainstreammedien in ein grelles Licht gerückt hat, keiner, der den Lügenpresse-Vorwurf zum x-ten Mal bestätigt hat. Das darf und kann er nicht sein.

Zum wiederholten Male spricht die Lügenpresse, die Relotius mit Preisen überhäuft hatte, von bedauerlichen „Fehlern“ und heuchelt Besserung. Nein, um Fehler oder Versäumnisse handelt es sich nicht. All diese sogenannten Fehler, etwa die Vertuschungsversuche nach der Kölner Silvesternacht, die inszenierten Bilder von der Einwanderungswelle 2015, die aufgeregte Berichterstattung über Menschen-Hetzjagden in Chemnitz, die nie stattgefunden haben, und all die anderen „Fehler“, die sich seit dem Herbst 2015 häufen, haben dieselbe Tendenz. Was für ein Zufall.

Sie nutzen immer und ausschließlich derselben politischen Gruppe bzw. Ideologie und schaden immer und ausschließlich den Gegnern und Kritikern dieser Politik bzw. Ideologie. Ein „Fehler“, wo dies nicht der Fall gewesen wäre, hat es noch nicht gegeben. Wird es auch nicht geben. Von Fehlern oder Versäumnissen zu sprechen, ist kein weiterer „Fehler“, sondern eine Lüge, die aber ohnehin nur noch jene glauben, die in der linken Meinungsblase hausen.

Ö1 hat sich in seinem Medienmagazin Doublecheck - was für ein selbstgefälliger und verlogener Sendungstitel - dem Fall Relotius gewidmet. Gleich zu Beginn stellt man klar, wer - Relotius hin oder her – die Guten und wer die Bösen sind. Man raunt, dass der gefallene Relotius den Rechtspopulisten und „Hetzplattformen im Internet“ in die Hände spielen würde. Merke: Kritik von nichtlinker Seite an den sakrosankten Mainstreammedien ist immer und unter allen Umständen Hetze. Punkt. Daran kann auch ein hochdekorierter Lügner wie Relotius nichts ändern, obwohl er - siehe seine Geschichte über die Rednecks - ein begnadeter Hetzer und Verleumder ist.

Vertreter der Mainstreampresse werden zum wiederholten Male beim Lügen und Manipulieren erwischt und die Reaktion von Ö1: Gegen die Kritiker dieser Medien zu hetzen. In dieser Tonart geht die „kritische“ Aufarbeitung des Falles weiter. Als Höhepunkt pinkelt man der neuen Kurier-Chefredakteurin Martina Salamon ans Bein, stellt sie als peinliche regierungsfreundliche Journalistin dar. Man echauffiert sich unter anderem darüber, dass Köstingers Umweltpolitik im Kurier gelobt wurde. Skandal! Wahnsinn! Dass ein großes Blatt die türkisblaue Regierung bzw. auch nur ein aktuelles Regierungsmitglied lobt, geht gar nicht. Das ist schlimmer als alles, was Relotius und der Spiegel je getan haben. Für die linke Sache zu lügen ist schließlich kein Problem. Nur sich dabei erwischen zu lassen.

Als seinerzeit Christian Kern nach seinem Jobwechsel von der ÖBB zur SPÖ von praktisch allen großen Medien zum Retter der Sozialdemokratie und ganz Österreichs, zum neuen Polit-Superstar hochgeschrieben wurde, war das hingegen guter alter Qualitätsjournalismus. Profil-Herausgeber Christian Rainer bezeichnet Kern wörtlich als Halbgott und der heimische Staatsregisseur David Schalko beschrieb Kern als brillanten Politiker, der alles richtig macht. Und das sind keine relotischen Fake-News!

Ja, das war damals noch Qualitätsjournalismus nach linker Hausfrauenart. Dass eine große Zeitung aus der politisch korrekten Einheitsform ausschert, über den Klassenfeind fair oder gar lobend berichtet, regt Ö1 offenbar mehr auf, als die grauslichen Fakenews des Spiegels. Das ist widerlich, aber zumindest ehrlich.

Danach übt sich Ö1 in „Selbstkritik“ und zieht über die ORF-TV-Show "Österreichs Heldinnen und Helden" her. Diese Show wurde nämlich von Sebastian Kurz initiiert und war damit ein echter Fremdkörper im Rotfunk-Programm. Da ekelt und reckt es den gemeinen Rundfunkgenossen. Der ORF nutzt den Fall Relotius, um seine übliche linke Propaganda und Hetze gegen alles Nichtlinke fortzusetzen. Wie originell. Es hat aber auch niemand etwas anderes erwartet. Schon gar nicht jene, die auf Relotius-Journalismus stehen.

Diese Affäre hat trotz der kurzfristigen Aufregung im linken Hühnerstall gar nichts verändert. Außer vielleicht, dass man seine neosozialistische Multikultipropaganda künftig etwas geschickter und dezenter verpacken wird. Die Lügenpresse beabsichtigt, sich beim Lügen künftig nicht mehr so leicht erwischen zu lassen. Das ist offenbar die einzige Lehre, die man aus der Relotius-Geschichte zieht. Man reagiert wie seinerzeit nach der Silvesternacht zu Köln, heuchelt Besserung, spricht von Fehlern und macht weiter wie bisher.

Es gibt aber auch die bösen „Hetzplattformen im Internet“, die als neue fünfte Gewalt der korrumpierten vierten Gewalt auf die Finger schaut und ihr das Leben schwer macht. Ohne diese „Hetzplattformen“ mit ihrer Kontrollfunktion würden wir nichts über die wahren Vorgänge in Köln, in Chemnitz, an den Grenzen und wohl auch nichts von den Lügengeschichten eines Relotius wissen.