ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Rubriken

Archiv

Simon Kräuter (Ideologie: Di, 15.10.2019, 17:20)
Guter und schlechter Nationalismus

„Es begann. Möge Allah mit uns sein und unser Heer siegreich machen. Die türkische Nation ist bei dir.“, twitterte Veli Kavlak, ehemaliger Nationalspieler für die österreichische Fußballnationalmannschaft. So klingt der Mann also zum Thema Krieg. Ein Angriffskrieg auf fremdes Territorium; Kriegsziel: Einer unterdrückten ethnischen Minderheit im eigenen Land, den Kurden, auch wenn es Menschenleben kostet, ein Rückzugsgebiet oder gar einen eigenen Staat zu verwehren. Alles zum Wohl der türkischen Nation.

Auf die Kritik, das Posting würde an der Integrationswilligkeit von Austrotürken zweifeln lassen, springt der ORF dem Absender der pathetisch-religiös-nationalistischen Glückwünsche an Präsident Erdogan, eben Veli Kavlak, zur Seite, indem er diesen wie fogt beschreibt: "Kavlak hat 31-mal für das österreichische Nationalteam gespielt. Er ist in Wien geboren, bei Rapid ausgebildet worden (...)." Daß Kavlak als Wiener und Österreicher sich berechtigt und bemüßigt fühlt, für die "türkische Nation" zu sprechen, verwundert.

Aber nicht den ORF. Die bizarr-martialische Aussage Kalvlaks bleibt im Artikel absolut unkommentiert. Die eigentliche Nachricht ist für den ORF eine ganz andere: Aufhänger für den Artikel ist vielmehr die Kritik des FPÖ-Chefs Norbert Hofer an Kavlaks Haltung. Wobei Hofer laut ORF natürlich nicht kritisiert, sondern attackiert; er tritt auch nicht etwa gegen Kavlak auf, sondern schießt sich auf diesen ein.

Hofer folgert, daß sich in Österreich lebende Türken mit der Integration schwertun. Und genau das, nicht das dümmliche Posting einer Einzelperson, wäre ein Dauerthema, dem sich der ORF einmal widmen könnte. Wenn er ein neutrales Medium wäre.

 Wir lernen: Nationalismus hat im ORF keinen Platz. Außer türkischer.