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Kurt Ceipek (Personal: Di, 22.08.2023, 22:25)
So ruiniert man Sommergespräche

Vor 42 Jahren – im Spätsommer des Jahres 1981 – fanden erstmals ORF-Sommergespräche statt. Viele von ihnen boten auch neue Informationen, um die sich Interviewer und ihre Gesprächspartner gemeinsam bemühten. Oft kamen auch das lockere Gespräch und der Humor nicht zu kurz, wie man es als TV-Konsument von einem Sommergespräch erhofft und erwartet.

Die Einschaltquoten waren teilweise eindrucksvoll. Rekordhalter Sebastian Kurz lockte 2017 stolze 1,034 Millionen Zuseher vor die Bildschirme, bei HC Strache waren es im August 2015 ebenfalls mehr als eine Million gewesen.

Viele der Aufzeichnungs- bzw. Ausstrahlungsorte waren stimmig und passten zum Titel der Sendung. Das reichte vom Dach des Leopold-Museums in Wien über Heimatorte der Gesprächspartner bis zu einem Weingut in Rossatz in der Wachau.

Die drei bisherigen Sommergespräche 2023 mit Beate Meinl-Reisinger (Neos), Werner Kogler (Grüne) und Herbert Kickl (FPÖ) erfüllten alle diese Kriterien nicht. Sie waren die schlechtesten und langweiligsten seit Jahren.

Heuer stieß man im ORF-Redaktionsteam im Bemühen, einen besonderen Ort für lockere Sommergespräche zu finden, ausgerechnet auf ein Besprechungszimmer im Parlament. Dieser karg ausgestattete und düstere Raum erinnerte viele Fernsehzuschauer aber ­– ebenso wie Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger und FPÖ-Chef Herbert Kickl – überhaupt nicht an die Umgebung für ein locker-stimmiges Sommergeplauder, sondern konnte zumindest über den Bildschirm für ein furchterregendes Verhörzimmer der Staatspolizei der ehemaligen DDR gehalten werden, wie Kickl treffend anmerkte.

Sommergesprächs-Interviewerin Susanne Schnabl passte ihren Stil dem Umfeld an und schlug den selben strengen Ton an wie in ihrem Innenpolitik-Magazin „report“. Keine Spur von sommerlich-freundlich, sondern trocken, humorlos und scharf im Tonfall. Was viele der Zuseher und -hörer noch mehr irritiert haben dürfte war der immer wieder spürbare Versuch, sich selbst und nicht ihre Gesprächspartner in den Mittelpunkt zu rücken.

Wenn nun noch dazu kommt, dass – wie von vielen ORF-Skeptikern schon jetzt geargwöhnt – der im ORF besonders beliebte neue SPÖ-Chef Andreas Babler besonders freundlich von der Interviewerin und dem Kameramann behandelt wird, dann werden Sommergespräche in Zukunft unnötig.