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Elisabeth Hennefeld (ORF2 Mi, 26.03.2014, 22:30)
WELTjournal

 Der ORF würdigt im Weltjournal die krisengebeutelte Monarchie Iberiens. Abgesehen von der offensichtlichen Schlagseite, das geschlagene eineinhalb Stunden nebst weltanschaulich nicht näher spezifizierten Auslandsösterreichern nur ausgewiesenen Vertreter des linken Meinungsspektrums zu Wort kommen, fand ich noch einen anderen Aspekt recht bemerkenswert.

Spanien hat vor der Krise wie wild gebaut; Flughäfen, die keiner braucht, Wohnungen, die sich keiner leisten kann. Der ORF nennt diese Jahre „Wirtschaftsboom“. Doch in den sogenannten Boomjahren hatte Spanien nur ein sehr mageres Wirtschaftswachstum, ab 2001 konstant unter einem Prozent des BIP.

Der Boom ist passee und Spanien eines der Lieblingssorgenkinder in der EU. Doch wenn man schon den Fokus auf eine nationale Tragödie richtet – inklusive Homestory von einem alleinerziehenden Langzeitarbeitslosen, der von der Mindestpension der Mutter und Lebensmittelrationen der Oma lebt – wäre es dann nicht angebracht, die wirtschaftlichen Ursachen zumindest peripher zu erwähnen?

Die Jugendarbeitslosigkeit wurde genannt, 54 Prozent. Der Soziologe philosophiert über die großen Proteste in Madrid 2011, die damals durch alle Medien gegangen sind. Schade, dass niemand vom Weltjournal eine viertel Stunde im Internet recherchiert hat, um – des kritischen und unabhängigen Journalismus geziemend – über folgende Frage zu stolpern: Im Vergleich mit Deutschland hat Spanien eine exorbitant hohe Jugendarbeitslosigkeit, höhere Lohnkosten bei niedrigeren Reallöhnen. Jeder zweite Spanier unter 30 hat keinen Job, seine Arbeit wäre trotzdem teurer als anderswo und er selbst bekäme weniger heraus. Vielleicht könnte ja die Misere jenseits der Pyrenäen etwas mit den örtlichen Arbeitsgesetzen zu tun haben?

Aber nicht alle von ihnen sitzen in Madrid in der Sonne, entwickeln eine „vorbildliche Protestkultur“ und machen die mächtigen der Welt für alles verantwortlich. Kürzlich in London hatte ich das Gefühl, die Armada hätte die Invasion Englands doch noch geschafft. In meiner Jugendherberge war ich ohne Spanisch Kenntnisse auf verlorenem Posten. Meine Zimmerkollegin ist wie viele ihrer Freunde ausgewandert, ohne einen graden Satz Englisch zu können (die müssen ein spitzen Schulsystem haben) und verdingt sich als Kellnerin. Fernab von zu Haus, der Sonne und köstlichen Tapas. Sie weiß, was dem Weltjournal entgangen ist: At home my work too expensive.



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