ORF-Watch.at Die unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols


Claus Reitan (oe1 Mo, 30.06.2014, 07:00)
Morgenjournal (I)

Ärzte in die Kolchose: Interviews sind zweifach interessant: Wegen der Antworten – und wegen der Fragen. So am Montag, 30. Juni frühmorgens, als Gesundheitsminister Alois Stöger zur Gesundheitsreform im Ö1-Journal befragt wurde. Erfreulicherweise wurde Stöger nicht als Herr Stöger sondern als Herr Gesundheitsminister begrüßt, einer Anrede, die sich gehört, von den Kollegen im ORF aber nicht immer angewandt wird.

Doch den Interviewer schien die herausragende Stellung der Ärzte in den geplanten Gesundheitsteams zu stören. Warum sei der Arzt nicht ein Gleicher unter Gleichen, wurde gefragt. Warum werde nicht eine Verpflichtung zur Bildung von Teams geschaffen? Warum dürften Ärzte Einzelpraxen weiter betreiben? Warum begebe sich die Gesundheitspolitik in die Abhängigkeit von einer Berufsgruppe, namentlich jener der Ärzte?

Das sind Fragen, die eines offenlegen: Ablehnung der Ärzte in ihrer Verantwortung und ihrer Position im Vertrauensverhältnis zu den Menschen. Beides ist erforderlich, spätestens wenn es um schwierige Entscheidungen oder um schwere Erkrankungen, geht. Selbst wenn Ärzte-Teams und Arbeitsteilung im Gesundheitswesen sinnvoll sind, es gibt kein Kollektiv der Gesundheitsarbeiter. Menschen sind gleichwertig, aber spezifische Ausbildung und Erfahrung sind unersetzbar und unverwechselbar.

Das kann man auch nicht mit der – unzutreffenden – Begründung kleinreden, der Interviewer habe doch nur gefragt. Der Hintergrund dieser Fragen ist die Sichtweise, die Ärzte in ein Kollektiv zu zwängen, samt völliger Auflösung der Verantwortlichkeiten. Aber vielleicht, diese Vermutung sei gewagt, kennt und will mancher Interviewer nichts anderes und sagt Team, wo Kolchose gemeint ist.

Di, 01.07.2014, 12:30 | medinsider

Man kann nur hoffen, dass die Ärztekammer den Linxlinken auch in Zukunft den Stinkefinger zeigt: wir wollen alle einen HAUSARZT, keiner von uns will ein KOLLEKTIV DER GESUNDHEITSARBEITER_INNEN.
Mo, 30.06.2014, 19:52 | ORFprivatisierenNOW

Wenn ein ORF-Mann einen Genossen interviewt, hört man ganz unterwürfig "Herr Professor Doktordoktor" - nur bei Bürgerlichen heißt es gerne "Herr Blaschke" (Insert etwa: "Alfred Blaschke, Mediziner")
Mo, 30.06.2014, 11:48 | Karli Kraus

Die Sichtweise bezüglich Gruppenpraxen kann wohl nur in Wien entstehen? Schon etwas gehört von abgelegenen Gebirgsdörfern? Aber da findet Stöger sicher auch eine Möglichkeit?



Ich will die Datenschutzerklärung lesen.

Kommentar senden