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Werner Grotte (oe1 Do, 10.07.2014, 12:00)
Mittagsjournal

 Das Ö1-Mittagsjournal am Donnerstag beklagte die Wiedereröffnung der Krypta der Hofburg am Heldenplatz. Jene Gedenkstätte, in der der Bundespräsident an jedem Nationalfeiertag einen Kranz für die gefallenen Soldaten niederlegt, war vor zwei Jahren vom damaligen SPÖ-Verteidigungsminister (und Wehrdienstverweigerer) Norbert Darabos gesperrt worden. Auslöser war nicht etwa Baufälligkeit, nein. Der Grüne Harald Walser hatte entdeckt, dass in den Ehrenbüchern der Krypta eines Kriegsverbrechers gedacht wurde, in weiterer Folge fand sich ein Schreiben aus der Nazizeit. Beides wurde damals sofort entfernt und landete im Staatsarchiv. Doch das ist den Grünen zu wenig. Sie vermissen die versprochene „vollständige Neugestaltung“ der Krypta und brachten nun eine parlamentarische Anfrage an den zuständigen SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug ein.

„Aufdecker“ Walser durfte auf Ö1 wortreich darüber klagen, dass man nur die Wände „ausgeweißt“ hätte, aber ansonsten nichts passiert sei. Es seien weder Bauarbeiten noch Ausschreibung dafür zu sehen. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass das finanziell ausgehungerte Bundesheer derzeit ganz andere Sorgen hat - die Mehrheit der Österreicher wohl auch. Das schert aber die Grünen kaum. Wie Walser beklagt, werde in der Krypta „nach wie vor der Waffen-SS und der Wehrmacht gedacht“, was „ein unhaltbarer Zustand“ sei. Unhaltbar – für wen? Für die Verwandten und Hinterbliebenen der Soldaten?

Möglicherweise zählt Walser zu den ganz wenigen (eingeborenen) Österreichern, in deren Familie sich kein Soldat des zweiten Weltkrieges findet. Vielleicht will er derer auch einfach nicht gedenken – kommt in den besten Familien vor. Die große Mehrheit der Bundesbürger hat aber – wie auch der Autor dieser Zeilen – einen oder mehrere geschätzte Verwandte, die sechs Jahre im Krieg und danach in Gefangenschaft ihr Leben riskierten und in teils erbärmlichem Zustand heimkehrten – wenn überhaupt. Etliche dieser mittlerweile hochbetagten Menschen leben noch. Ihnen und ihren gefallenen Kameraden pauschal ein Gedenken zu verweigern, muss Angehörigen wie Überlebenden in hohem Maße respektlos und asozial erscheinen. Hatte doch keiner der Frontsoldaten, selbst als Offizier, diesen Krieg geplant, maßgeblich geführt oder eine Chance gehabt, sich der Einberufung zu widersetzen. Viele sind in der Überzeugung in den Kampf gezogen, ihre Familie und ihr Vaterland zu schützen, vor allem vor dem russischen Bolschewismus unter Diktator Josef Stalin.

Dass es in einem mehrere Millionen Soldaten zählenden Heer wie dem deutschen auch Kriegsverbrecher gab , ist nicht zu leugnen. Die gab es auf allen Seiten. Aber die Mehrheit der oft blutjungen Soldaten verhielt sich anständig – auch wenn es den Grünen nicht in ihr selbstgerechtes Weltbild passt.

Leider wurde diese Thematik auf Ö1 nicht angeschnitten. Stattdessen musste sich das Büro von Minister Klug wortreich rechtfertigen und erklären, wie intensiv man an besagter Neugestaltung tüftle. Eigene Arbeitsgruppen samt Historikern und wissenschaftlichem Beirat seien bereits seit Jahresbeginn am Werk, ein konkretes Ergebnis erwarte man sich für den Nationalfeiertag 2015. Die anfallenden Kosten würde man dem maroden Heer abnehmen; es seien dazu Wirtschafts-, Justiz- und Innenministerium sowie Kanzleramt eingebunden. Schön, dass niemand die Notwendigkeit dieses doch erheblichen Aufwandes an Steuergeldern und Fachpersonal hinterfragt. Beides könnte wohl im Sinne der Österreicher gewinnbringender angelegt werden. Aber darüber darf man im politisch überkorrekten Staatsfunk wohl nicht einmal nachdenken.



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