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Kurt Ceipek (oe1 Sa, 17.10.2015, 12:00)
Mittagsjournal

Gar nicht freundlich werden in der samstäglichen Ö1-Hörfunksendung „Im Journal zu Gast“ Politiker behandelt, wenn sie der bürgerlichen Reichshälfte zuzuordnen sind. Das war auch bei VP-Finanzminister Hans Jörg Schelling nicht anders, als er dem ORF-Interviewer Klaus Webhofer Rede und Antwort stand.

Der versuchte sich gegenüber dem rhetorisch untadeligen Minister mit bösen Fragen und Randbemerkungen zu profilieren. „Sie haben im Parlament zum x-ten mal Reformen verlangt. Sind Sie es nicht leid, ständig diese Reformrhetorik anzustimmen, der dann keine Taten folgen?” Er werde nicht locker lassen, erwiderte Schelling seelenruhig, worauf Webhofer in einem für einen Interview-Profi unpassenden Tonfall keppelte: „Sie kündigen Reformen aber schon seit einem Jahr an.“ Die Steuerreform – kein kleines Projekt – sei termingerecht und umfassend umgesetzt worden, stellte der Finanzminister klar.

Der Finanzminister sei ein Glückskind, denn wenn es nicht die niedrigen Zinsen gäbe würde es „das Budget zerreißen“. Webhofer: „Damit müssen sich dann ihre Nachfolger herumschlagen.“ Dafür seien jetzt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen denkbar schlecht, erläuterte Schelling. Das gleiche sich in Summe aus.

Auch an der von Schelling dringend gewünschten Pensionsreform nörgelte der Interviewer herum. „Sie (Finanzminister Schelling, Anm.) jammern ja immer, dass es mit den Pensionen nicht so weitergehen kann. Ihr Koalitionspartner sagt  immer, dass mit den Pensionen ohnehin alles paletti ist.“

Auch hier waren  Tonfall und Wortwahl eines angeblich seriösen Senders nicht würdig. Man kann mit manchen Vorstellungen und Plänen des Finanzministers Schelling unzufrieden sein, aber „herumjammern“, wie es Webhofer formulierte, kann man dem jahrzehntelang erfolgreichen Wirtschaftsmanager nicht unterstellen.

Dass das angesichts relativ rasch steigender Lebenserwartungen die von der SPÖ vor allem in Vorwahlzeiten von der SPÖ so gerne gepredigten sicheren Pensionen nur ein frommer aber hoffnungsloser Wunsch sind, hielt Ö1-Mann Webhofer für nicht erwähnenswert.

Dafür sprach Webhofer von „großspurigen Ankündigungen, die dann im Sand verlaufen“ oder „ich will nicht wissen was nicht geht, sondern was geht“.

Unmittelbar nach Schellings Auftritt im Journal folgte ein Interview von Florian Katzinger mit dem scheidenden Vorsitzenden der deutschen „Linken“, Gregor Gisy, der als gelernter Anwalt schon in der DDR eine führende Rolle gespielt hatte. Dieses Interview wurde vom Journal-Moderator als „Diskussion“ angekündigt. In diesem Gespräch war der Interviewer eher begeistert als kritisch und sprach von der so wünschenswerten „echten sozialen Gerechtigkeit“, die von den Linken angestrebt werde. Erwartungsgemäß stellte Gisy klar, dass eine starke linke Partei in Österreich wünschenswert wäre. Dafür revanchierte sich Katzinger mit dem Hinweis, dass Gisy der beste Redner im Deutschen Bundestag gewesen sei.

Es macht bei ORF-Interviews doch einen bedeutenden Unterschied, ob man als Bürgerlicher von einem offensichtlich linkslastigen Redakteur interviewt wirst oder ob ein politischer Linksaußen von einem konservativen Journalisten befragt wird. Letzteres ist im ORF offenbar gar nicht mehr möglich, denn interviewende Journalisten mit bürgerlicher Gesinnung scheint es im Staatssender keine mehr zu geben.

Mo, 19.10.2015, 07:15 | mike

http://orf.at/stories/2304446/
man beachte die Wortwahl.....
So, 18.10.2015, 17:22 | Herwig Mankovsky

Gysi, der schleimige Stasi-Informant, eingeladen von der Arbeiterkammer?
Man mag sich eben.
So, 18.10.2015, 07:45 | Herbertus

Der "gute" Gregor schreibt sich so: Gysi.
So, 18.10.2015, 01:49 | Rotfuchs

Erwähnenswert ist doch, dass Linksaußen Gregor Gisy von der Arbeiterkammer nach Österreich eingeladen war.
Sa, 17.10.2015, 23:02 | Rainer

Ach das war ein Interview des ORF, ich dachte das war eine Kabarettprobe für einen SPÖ Parteitag....
So, 18.10.2015, 01:53 | Pülcher

Die AK kassiert ja bekanntlich Zwangsbeiträge von allen österreichischen Angestellten und Arbeitern. Das Geld darf man schon für extremlinke Propaganda ausgeben.



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