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Werner Grotte (radion Sa, 27.08.2016, 20:04)
Sommerträume

Für alte Ambros-Fans – und von denen waren wieder einmal tausende gekommen – war es Samstag Abend beim traditionellen Purkersdorfer „Open Air“ eine Art warm-kalte Dusche: Einerseits war es wie immer, gute Stimmung, die Bühne vor der Kirche, die VIPs im Nikodemus, dessen Wirt Niki Neunteufel als Organisator wieder einmal alles perfekt organisiert hatte – und dann, nach dem Soundcheck, ein alter, gebeugter Mann, abgemagert und ausgezehrt. Wolfgang Ambros.

Wer ihn erlebt hat, als er zu seinem 30. Geburtstag 1982 mühelos drei Tage hintereinander die Wiener Stadthallte füllte und das frenetisch mitsingende Publikum beim Refrain „Want‘s nuur“ ebenso mühelos die Band überstimmte, suchte diese unbändig Kraft, diese Magie, die der Mitbegründer des Austro Pop jahrzehntelang verströmt hatte.

Und tatsächlich, auch wenn er sofort nach dem Entern der Bühne den Hocker suchte, um sich anzulehnen - er kann es noch. Schon vor dem ersten Akkord der „Nr. 1 vom Wienerwald“ waren die „Woifaal“-Rufe, nicht wenige davon weiblich, aus dem Publikum unüberhörbar. Es war ein Heimspiel des gebürtigen Pressbaumers, in jeder Hinsicht.

Kleine Aussetzer im Text der alten Hadern konnten die Aura eines gealterten, aber noch immer strahlenden Giganten nicht schmälern, im Gegenteil. Und auch wenn Ambros vor vielen Jahren in einem Interview einmal hämisch gemeint hatte, er würde erst im Sitzen spielen, wenn STS im Liegen spielen – keiner nahm es ihm übel, dass er die meiste Zeit über saß oder lehnte.

Nach einer halben Stunde hieß es dann plötzlich Pause. Jeder dachte, oje, des wird a kurzes Konzert, der Mann ist ja fertig. Doch dann kam die erste Sensation: Austro Pop-Nachwuchs Seiler & Speer gaben als „Pausenfüller“ zwei aktuelle Nummern zu besten – und offenbarten erstmals in der Öffentlichkeit, dass hinter dem Schlagzeug niemand geringerer sitzt als Matthias Ambros, Wolfgangs mittlerweile 34-jähriger Sohn aus der Ehe mit Margit, die heute noch in der Pressbaumer Pfalzau wohnt. Man habe sich nicht am berühmten Namen aufhängen wollen und es daher erst jetzt verraten, erzählte ein sichtlich ergriffener Christopher Seiler. Er ließ es sich denn auch nicht nehmen, „wohl zum einzigen Mal in meinem Leben“ – Wolfgang Ambros auf der Bühne anzukündigen.

Der kam auch gestärkt nach der Pause wieder und zog daraufhin genüsslich einen Hit nach dem andern durch, führte Schmäh mit dem Publikum und gewährte aufgrund einer massiv johlenden und begeisterten Menge – etwa 7.000 Leute am prallgefüllten Purkersdorfer Hauptplatz - gefühlte fünf Zugaben. Mit „Zwickt’s mi“, „Schi foan“ und „Für immer jung“ schloss das fulminante Konzert. Ausgerechnet bei den letzten Akkorden stürzte Ambros, wurde aber sofort wieder hochgewuchtet und verabschiedete sich müde, aber beseelt.

Wer ins Publikum schaute, sah begeisterte Jugendliche wie Großväter und alles dazwischen, sogar Fans der ersten Stunde aus Deutschland, die sich seit den 1970er Jahren kaum ein Ambros-Konzert entgehen lassen, fanden sich.

Wie jedes Jahr stimmen wir dazu einerseits ein Lob auf den ORF-Niederösterreich an, der das Konzert live übertrug – aber andererseits stellen wir die Frage, warum der ORF es nicht schafft, solche Veranstaltungen bundesweit zu senden. Es ist wohl anzunehmen, dass die Salzburger, Kärntner oder Tiroler den Ambros ebenso gerne hören wie ein Niederösterreicher. 

Mo, 29.08.2016, 15:19 | The Cross and the Glory

"warum der ORF es nicht schafft"...? klar, das ist bald wieder mehr eine Aufgabe für Servus-TV.



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