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Beatryx Pirchner (Online Mo, 30.01.2017, 08:09)
ORF-Interview im Kinderstil
Link: http://burgenland.orf.at/news/stories/2822855/

Die ORF-Burgenland-Redakteurin Patricia Spieß führte ein bemerkenswert detailverliebtes Interview mit dem Nickelsdorfer Gerichtsvollzieher Helmut Pecher, der sein Überleben seinem Kugelschreiber verdankte. So jedenfalls lautete der Titel des Interviews: "Kugelschreiber hat mein Leben gerettet". In der Folge erfährt man in seitenlanger Ausführlichkeit den kugelschreiberbedingten Rettungshergang zum Zeitpunkt der Gasexplosion in einer Wohnung in Hernals, als ein Mieter delogiert werden sollte.

Dabei wurden zwar der Hausverwalter getötet und weitere Personen schwer verletzt, darunter ein Baby, doch das geriet der Autorin zur kaum erwähnten Nebensächlichkeit. Indessen wurde der Interviewte akribisch nach Blessuren, Verletzungen und seelischen Befindlichkeiten befragt, das Gespräch im 1:1-Modus wiedergegeben. Dabei hätte sich dessen Informationsgehalt locker in ein oder zwei Sätzen zusammenfassen lassen.

Die Qualität dieses Beitrages erinnert an den Versuch eines Sekundarschülers mittlerer Begabung mit der Hausaufgabe "Mein erstes Interview", eines Kindes also, das über keinerlei journalistische Erfahrung verfügt, aber sich einmal in die Rolle des Journalisten versetzen darf. Der Schüler oder die Schülerin kennt  journalistische Kriterien nicht wirklich, fragt halt drauflos und schreibt alles nieder, was der Befragte so von sich gibt. Das Ergebnis ist eine elendslange, rohe Wurst. Der Straßenköter freut sich.

Hier eine der Blüten dieses Journalistischen Glanzwerks:

"burgenland.ORF.at: Sie haben dann quasi, wenn ich das jetzt so richtig interpretiere, einen Knall gehört und sind neben der Tür gestanden?

Pecher: Nein, nein. Ich bin direkt vor der Türe gestanden und bin ums Eck gegangen zu meiner Tasche um einen Kugelschreiber und wie ich auf die Tasche hingreife und die Tasche aufmache, ist diese Explosion und ja, dann war es einfach halt heiß und nächste Sekunde finster. Ich bin dort minutenlang gestanden vor der Türe und genau dann, als ich um die Ecke gehe – was mich quasi geschützt vor der ärgsten Druckwelle hat –, genau in dem Moment war die Explosion. Die hätte schon zehn Sekunden vorher sein können, oder eine Minute vorher. Und das hat mir einfach im Endeffekt das Leben gerettet, dass ich noch da sitze, weil sonst, weiß ich zu hundert Prozent, wie es ausgegangen wäre."

Hier der Link zum Gesamtwerk:

http://burgenland.orf.at/news/stories/2822855/