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Andreas Unterberger (ORF2 Do, 04.01.2018, 22:00)
ZIB 2

Ein Minister wird direkt aus der ersten Regierungsklausur heraus interviewt. Aber Frau Dittlbacher befragt ihn nicht etwa dazu, worum es da gegangen ist, was da beschlossen worden ist. Der Minister bietet zwar zweimal an, darüber berichten zu können. Aber die schlechteste Moderatorin des Landes fragt ihn zu lauter Themen, die nicht Inhalt der Klausur waren. Denn offensichtlich kann (oder darf?) die Dame nur den Fragezettel abarbeiten, der ihr auf den Tisch gelegt worden ist. Offen bleibt nur, ob sie das aus ihrer journalistischen Unfähigkeit heraus tut, oder weil die Fragen "zufällig" ganz genau das sind, was die SPÖ in den letzten Tagen an der Regierung kritisiert hat.

Jedenfalls kann Minister Moser erst in seiner allerletzten Antwort zu den eigentlichen Themen der Klausur umlenken. Diese sind komplett neu und klingen ziemlich sensationell. Sie hätten eigentlich sofort jede Menge Nachfragen auslösen müssen, was sie genau bedeuten (Aufhebung aller Gesetze und Verordnungen, die vor dem Jahr 2000 beschlossen worden sind; rückwirkende Beendigung des "Golden Plating", also der Übererfüllung von EU-Vorgaben; Abschaffung einer Verfassungs-Fundamentalregel über das Verhältnis Bund-Ländern). Aber leider, leider: All die nötigen Nachfragen sind nicht auf dem Zettel gestanden und überhaupt war keine Zeit mehr, weil jetzt der übliche Christian Kern an der Reihe war. Der ganz zufällig die gleichen Dinge ansprach wie Dittlbacher.

Freilich: Diese Nachfragen hätte Frau Dittlbacher spontan stellen müssen. Dazu hätte sie mit all diesen fundamentalen Fragen der Staatsordnung geistig irgendetwas anfangen müssen. Aber die Dame kann halt weder unvorbereitet Fragen stellen noch kennt sie sich bei komplizierteren Themen ohne Vorbereitung aus. ORF-kunden müssen halt warten, bis die SPÖ-Propaganda dann die (durchaus notwendigen) kritischen Fragen zu den neuen Themen serviert.

Bei jedem journalistisch geführten Betrieb wäre eine so schwer überforderte Moderatorin keine Woche lang in Funktion. Aber beim ORF, da bleiben die Genossen familiär unter sich. Und die Moderatorin präsentiert dann gleich den SPÖ-Vorsitzenden mit einem unglaublich schleimigen Einstieg: Er hätte vor eineinhalb Jahren viel "Applaus und Respekt" geerntet. Wo auch immer sie diesen Applaus (außer in der Berichterstattung des ORF) gehört haben mag.

Zuseher-vertreibend war auch die Berichterstattung über die grässliche (Selbst-)Ausrottung einer dreiköpfigen Familie durch Messer, Erwürgen und Sprung aus dem Fenster eines Wiener Gemeindebaus. Zwar konnte etwa die ZiB1 an dem Verbrechen nicht ganz vorbeigehen, über die Familie selbst erfährt man freilich gar nichts - also über das, was die meisten Bürger am meisten interessiert. Nur in Servus-TV erfährt man, dass es sich um eine "österreichische Familie mit serbischen Wurzeln" handelt. Das aber hat nach Meinung des ORF die Menschen nicht zu interessieren, haben doch solche Verbrechen absolut nie etwas mit dem soziokulturellen Hintergrund zu tun.

Dafür berichten die Nachrichten im ersten ORF-Programm breit und begeistert über eine Denunzierungs-Aktion eines Greenpeace-nahen Vereins in Kooperation mit der Caritas: Dieser zeigt reihenweise Menschen an, die über Facebook ihren Freunden gegenüber ihren Ärger allzu deutlich ausgedrückt haben, dass die Mutter des offiziellen österreichischen Neujahrsbabys im Spitalsbett stolz mit frisch angelegtem Kopftuch für Fotos posiert. 

Macht nur immer weiter so: Je mehr ihr die Seher vertreibt, umso weniger Menschen bekommen eure Dauer-PR für die schrumpfende Sozialdemokratie zu hören.