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Andreas Unterberger (ORF2 Mi, 16.05.2018, 19:30)
Zeit im Bild

Gezählte sieben Mal (einschließlich der Schlagzeilen) erfahrt man in einer einzigen ZIB vom Umfaller der FPÖ in Sachen Ceta. Nicht, dass dabei etwas Falsches gesagt worden wäre. Aber das ist ein gewaltiger Overkill.

Dieser wird endgültig zu einem klassischen Exempel von Fake News, wenn der ebenso - nur halt in die Gegenrichtung - stattgefundene Umfaller der SPÖ bloß ein einziges Mal vorkommt. Und da nur durch einen Satz der ÖVP-Wirtschaftsministerin. Die für die Genossen peinliche Tatsache, dass die SPÖ sogar eine Urabstimmung ihrer Mitglieder über Ceta abgeführt und sich dann aber nicht an diese gehalten hat, wird überhaupt nicht erwähnt.

Reines rotes Parteifernsehen. Wieder einmal war jeder Zuschauer besser informiert, wenn er sich um 19,20 Uhr via Servus TV oder 20,00 Uhr via Puls 4 informiert hat. Irgendwann wird die Generation jener weggestorben sein, die noch aus Gewohnheit um 19,30 den Fernseher aufdreht, um Nachrichten zu sehen.

Wenige Minuten nach der ZIB die nächste grobe Verletzung der öffentlich-rechtlichen Informationsverpflichtung. Diesmal in den Sportnachrichten, die eine knappe Stunde vor dem zweitwichtigsten Finale eines europäischen Cups gesendet werden (in dem immerhin Salzburg bis ins Semifinale aufgestiegen war, was das Spiel für Österreich doppelt interessant gemacht hat): Aber in den ORF-Sportnachrichten hört man keine einzige Silbe dazu! Der offensichtliche Grund: Das Spiel wird in einem Privatsender übertragen und daher einfach nicht erwähnt.

Das ist manipulativ und desinformativ, wie einst das sowjetische Fernsehen im schlimmsten Stalinismus. Wir schweigen einfach totalitär tot, was wir nicht wollen.

Dieses grobe Foul an den gesetzlichen Pflichten des ORF ist dann unmittelbar nach den Sport-Nachrichten noch viel schlimmer geworden: Da bringt der ORF einen langen marktschreierischen Werbespot für ein anderes Fußball-Finale - das allerdings erst zwölf (!!!!) Tage später stattfindet. Im ORF.

Das beweist (wieder einmal) ganz klar: Die Privatsender berichten weit objektiver und ausgewogener. Ich wage jetzt schon zu wetten, dass diese dann in zwölf Tagen sehr wohl jenes andere Spiel ankündigen werden - obwohl es nur im ORF übertragen wird. Weil sie zum Unterschied vom ORF eben alles berichten, was wichtig ist, im Sport wie in der Politik.