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Werner Reichel (oe1 Fr, 25.05.2018, 12:00)
Ö1 Mittagsjournal

Kennen Sie den Ausdruck „byzantinisches Geschwätz“? Der Ursprung des Begriffs geht auf das historisch bedeutsame Jahr 1453 zurück, als Konstantinopel von einer gewaltigen islamisch-osmanischen Armee belagert wurde. Während die feindlichen Truppen vor den Toren der byzantinischen Hauptstadt standen, erschöpften sich Byzantiner und christliche Mönche trotz des Ernstes der Lage in Debatten über magische und religiöse Formeln. Wenig später fiel Konstantinopel, das byzantinische Reich wurde ausradiert.

Islamische Historiker nennen solche Debatten seit jener Zeit „byzantinisches Geschwätz“. An ein solches Geschwätz musste ich denken, als ich den Beitrag über das Österreichische Bundesheer hörte. Verteidigungsminister Kunasek hat nämlich angeordnet, das Binnen-I zu streichen. Ö1 fragt sich besorgt: „Aber geht das so einfach?“ Und kommentiert die Entscheidung mit: "Geschlechtergerechte Sprache, abtreten!" Die einzige Person, die in diesem Beitrag zu Wort kommt, ist Gleichbehandlungsanwältin Cornelia Amon-Konrath.

Man könnte viel über das österreichische Heer, seinen Zustand, seine Zukunft oder über Europas militärische Schlagkraft im Allgemeinen diskutieren. Da gäbe es viel Bedarf. Vor allem in Zeiten wie diesen. Stattdessen wird im ORF und den anderen Medien über die Verwendung bzw. Nichtverwendung „gendergerechter“ Sprache beim Heer debattiert. Byzantinisches Geschwätz.