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Werner Reichel (ORF2 Sa, 07.07.2018, 19:30)
Zeit im Bild

Wie gut, wenn man Freunde hat. Die Liste Pilz hat sich bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da ist der in die Jahre gekommene, selbsternannte Aufdecker Peter Pilz mit seinen widerlichen Grapschereien; da ist der Klub, der gleich zweimal das fette Klubobmanngehalt abstauben wollte; da ist die Frau Bißmann, die alles tun würde, um nicht wieder zurück ins akademische Prekariat zu müssen; da verlässt der Herr Bohrn-Mena die Partei, er spricht von "autoritärer und fast demokratiefeindlicher Umgangsweise" und davon, dass es bei den Finanzen nach Verschleierung rieche; da sind Intrigen und Streit.

Eine Partei in einem so desaströsen Zustand und mit einem solchen Personal braucht dringend Freunde. Und die hat die Liste Pilz. Der Oppositionsrundfunk greift der linkslinken Chaostruppe gerne unter die Arme. Schließlich liegt man politisch auf der selben Linie und kämpft gegen den selben Feind. Das verbindet.

Und wie hilft man einer kleinen, peinlichen Parlamentspartei, die keine besonders populären, schlauen und brauchbaren Politiker hat? Man kann zum Beispiel über möglichst viele Vorschläge, Presseaussendungen, Aktionen, Wortmeldungen und vorgebrachte Kritiken berichten. Und das wohlwollend, freundlich und positiv. Egal ob das, was die Politiker dieser Partei so von sich geben, relevant ist oder ob es irgendjemanden interessiert. Darum geht es schließlich nicht. Man verschafft der Partei damit Medienpräsenz, eine gewisse politische Bedeutung, sprich, die Partei bleibt im Gespräch und damit politisch am Leben.

Ein Beispiel: Die Liste Pilz kritisiert, dass es zu wenig Kinderbetreuung in den Ferien gibt. Aha, wie aufregend. Solche 0815-Vorschläge und Kritikpunkte kommen von kleinen Oppositionsparteien am laufenden Band. Das ist ihr Geschäft. Die Frage ist nur, ob die reichweitenstarken Medien darüber berichten, oder nicht. Der ORF hat es getan. In der heutigen ZIB1. Es hätte genügend spannendere und berichtenswertere Ereignisse an diesem Tag für die kostbare Sendezeit zur Primetime gegeben.

Über die Vorschläge der früheren rechten, liberalen und konservativen Oppositionsparteien FPÖ, BZÖ und Team Stronach hat der ORF nur äußerst zurückhaltend berichtet, um nicht zu sagen, er hat sie, sofern man sie nicht negativ rüberbringen konnte, ignoriert. So hat der ORF erfolgreich den Eindruck vermittelt, dass von diesen Parteien eh nix Konstruktives kommt. Dafür hat man jeden noch so kleinen Skandal in diesen und um diese Parteien medial ins Gigantische aufgeblasen. Bei der Liste Pilz ist es genau umgekehrt. Wie gesagt, gut, wenn man Freunde hat.