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Kurt Ceipek (ORF3 Mo, 03.12.2018, 22:25)
Themenmontag: Der Talk

Diskussionssendungen im ORF spielen sich meist so ab, dass eine massive linke Kampftruppe über einen einsamen bürgerlichen Vertreter herfallen darf. Gelegentlich gibt es da kleine Ausreißer – sogar im ORF. Bisher allerdings nur in einer weitgehend unter Ausschluss einer interessierten Zuseher- und Hörerschaft ausgestrahlten Sendung im TV-Sender ORF3, die nicht „Das Gespräch“ heißt, sondern unnötigerweise „Der Talk“. Wenn es wenigstens in ordentlichem Englisch „The Talk“ hieße, wäre das nicht ganz so schlimm.

Das Thema der Diskussion passte gut zum Titel der Sendung: „Ist unsere Kultur in Gefahr?“ und es ging vorerst einmal um Nikolo und Krampus.

Gleich zwei Moderatoren – Marlene Kaufmann und Reiner Reitsamer – saßen vier Diskussionsteilnehmern gegenüber. Üblicherweise hätte man als gelernter und leidgeprüfter ORF-Watcher erwartet, dass zumindest drei der Diskussionsteilnehmer aus dem gut diskussionstrainierten linken Lager kommen würden und ihnen ein gegen die Übermacht chancenloser Bürgerlicher gegenübersitzt. Das war nicht der Fall. Die Diskussionsteilnehmer waren eine Philosophin und Brauchtums-Expertin namens Elsbeth Wallnöfer, der „Politaktivist“ (was auch immer das sein mag) Muhammed Yüksek, ein streitbarer Bauer mit 14 Enkelkindern, der frühere Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Leo Steinbichler, und der Ökonom Christof T. Zellenberg, Autor einer katholischen Website.

Seit über zehn Jahren gebe es das Gerücht, dass Krampus und Nikolo nicht mehr in heimische Kindergärten dürften, erklärte Moderator Reitsamer einleitend und stellte fest: „Stimmt überhaupt nicht!“ Zumindest für Wiener Gemeindekindergärten stimmt das doch, wissen leidgeprüfte Wiener Eltern. Es soll auch entrüstete Kindergartentanten geben, die verlauteten: „Wenn der Nikolo nicht in den Kindergarten darf, dann wird bei uns auch nicht Halloween gefeiert.“ Aber das wussten die Moderatoren vielleicht nicht.

Die Philosophien Wallnöfer entpuppte sich in der regen und durchaus hörenswerten Diskussion trotz ihres Familiennamens als sanfte Vertreterin des linken Lagers und Kirchenfeindin, der „Politaktivist“ Yüksek als scheinbar toleranter Muslim. Das Kreuz solle auch in Schulklassen hängen bleiben. „Das stört ja niemanden. Es gibt keinen Kulturkampf.“ Landwirt Steinbichler brach eine Lanze für Brauchtum und Tradition und Christof Zellenberg erwies sich als gekonnt argumentierender Diskutierer, der christlichen Werten eine hohen Stellenwert gab.

So sprudelte die Diskussion 45 Minuten lang zeitweise durchaus kontrovers aber sachlich und unterhaltsam dahin, wie man sich das in der umstrittenen Sendung „Im Zentrum“ oft wünschen würde. Immerhin war man einig, dass das Scharia-Gesetz in westlichen Demokratien keine Existenzberechtigung haben dürfe.

Es mag ein unglücklicher Zufall gewesen sein, dass die Sendung genau in dem Moment zu Ende ging, als es wirklich spannend wurde: Als es um die Familie, gebildet aus Vater, Mutter und Kindern, als Keimzelle einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft ging.

Moderator Reitsamers erleichterter Einwurf: „Wir haben leider keine Sendezeit mehr.“ Und dann war's aus.