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Werner Reichel (ORF1 Do, 11.04.2019, 18:10)
Magazin 1

Neue Formate und Sendungen werden vom ORF gerne vollmundig angekündigt. Man erinnere sich an die größte Programmreform aller Zeiten, deren Herzstück, die eigenproduzierte Sitcom Mitten im 8en, wurde nach wenigen Wochen wegen dramatischen Seherschwundes entsorgt.

Nun baut der ORF seine Vorabendschiene auf ORF1 um. Eigenproduktionen statt  US-Sitcoms ist die Devise. Das Magazin 1, das seit Montag täglich um 18.10 Uhr nach der ebenfalls neuen ZiB18 läuft, ist der erste Schritt. Es ist zwar nicht der größte ORF-Umbau aller Zeiten, aber besonders bescheiden haben sich die Verantwortlichen auch diesmal nicht gegeben: „Wir versuchen Information anders zu denken", sagt Sendungsgestalterin Elisabeth Gollackner. Die sogenannte Channel-Managerin Lisa Totzauer betont, man mache TV „auf Augenhöhe“ und mit „Ecken und Kanten“. Man wolle „schnelle Orientierung geben“ und das „Magazin werde funktionieren, weil es Sinn macht“. Ja, so sprechen cooole Channel-Managerinnen. Was darf man sich nach so einer Phrasen-Orgie erwarten?

Mit einem 25-minütigen Info-Magazin im linearen Fernsehen jungen Menschen „schnelle Orientierung“ geben zu wollen, ist ein eher aussichtsloses Unterfangen. Wer sich schnell darüber informieren möchte, was in der Welt los ist, setzt sich nicht zu einer fixen Uhrzeit eine halbe Stunde lang vor die Glotze. Jedes Medium hat seine Stärken, der schnelle Überblick ist sicher keine des Fernsehens. Doch was heißt schon junges Publikum. Beim ORF gelten Menschen noch als jung bzw. jugendlich, die bei den ÖBB kurz vor der Pensionierung stehen. Magazin-1-Moderatortin Lisa Gadenstätter: „ Wir sind mit der ,ZiB20‘ und der ,ZiB24‘ sehr jung im europäischen Vergleich. Im Durchschnitt sind die Zuschauer 43 Jahre alt. Das ist wirklich sehr, sehr jung.“

Dementsprechend „jung“ ist auch das Magazin 1. Die üblichen ORF-Themen werden mit dem üblichen linken Spin, viel politisch korrekter Klugscheißerei und mit den althergebrachten handwerklichen Mitteln und Gestaltungselementen in Szene gesetzt. Das Ganze wird brav anmoderiert und präsentiert, die Beiträge plätschern gemütlich dahin. Damit kann man tatsächlich nur 43-Jährige Jugendliche ansprechen. Den Kampf um die unter 20-Jährigen hat man beim ORF offenbar schon aufgegeben. Das Magazin ist nicht neu, innovativ, progressiv und vom vorabendlichen Senioren-Magazin Studio 2 auf ORF 2 unterscheidet es sich vor allem durch das eckig-kahle Studio und den jüngeren Interviewpartnern. Statt Peter Kraus treten im Magazin 1 eben Seiler und Speer auf. Information anders denken nennt man das.

Am Dienstag wurden die hohen Mietpreise thematisiert, ohne mit nur einem Wort auf die Ursachen (EZB-Nullzinspolitik, Massenzuwanderung etc.) einzugehen. Stattdessen wird der grüne Innsbrucker Bürgermeister elendslang interviewt; von wegen schneller Überblick. So wie seine grünen Genossen in Deutschland liebäugelt auch der „bürgerliche“ Georg Willi mit Enteignungen. Die Bauwerber müssten akzeptieren, dass Wohnen ein Grundrecht sei, doziert der grüne Kommunist. Ein echter Fachmann kommt nicht zu Wort.

In derselben Sendung macht man sich über die Selbstinszenierung von Politikern lustig. Ziel des ORF-Spottes ist Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Auch H.C. Strache und Herbert Kickl werden vorgeführt. Damit das einseitige Türkisblau-Bashing nicht gar so offensichtlich ist, hat man von der Opposition den längst in der Versenkung verschwundenen Christian Kern und seine Pizza-Aktion ausgegraben.

Dazwischen noch ein paar gefühlig-menschelnde Gschichtln und die obligate Der-Brexit-schadet-allen-Story. Der gefühlt tausendste heimische Unternehmer darf im ORF über den Brexit jammern. Das ist sogar der ORF-Moderatorin peinlich, sie fleht vor dem Beitrag die Zuseher an: Bitte nicht wegschalten. Kein Scherz. Genutzt hat es wenig. Die Magazin-1-Premiere am Montag sahen durchschnittlich 85.000 Menschen, bei der Ausgabe vom Donnerstag waren es nur noch 68.000.