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Kurt Ceipek (ORF 2 Do, 09.04.2020, 19:00)
Wien heute

Der Wahlkampf in Wien läuft auf Hochtouren. Da spielt die Sendung „Wien heute“ eine herausragende Rolle und die Redaktion scheut sich nicht, kräftig mitzumischen. Schließlich weiß der Wiener ORF, wem er vorwiegend zu verdanken hat, in einer geschützten Medienwerkstätte gut bezahlt arbeiten zu dürfen.

Wenn es um Wahlkampf geht, darf man sich auch von Dingen wie Corona nicht irritieren lassen. Im Gegenteil. Jetzt ist es für Wiens Wahlkämpfer an der Zeit, die von Corona ausgelöste Katastrophe (oder auch Hysterie) für plumpe Wahlpropaganda zu nützen. Früher nannte man so etwas „Belangsendungen“. Heute ist es normales ORF-Programm.

In der Wien-heute-Sendung vom Gründonnerstag agiert Chefredakteur Paul Tesarek dabei wie ein SP-Parteisprecher und lobt die Umwandlung einiger Wiener Straßen zu „Begegnungszonen“ bzw. Fußgängerzonen durch die Wiener Stadtregierung über den grünen Klee. Die brave Wiener SPÖ hat auch den Prater und andere Gemeindeparks offen gehalten.

Wahlkampf ist natürlich nur sinnvoll und wirksam, wenn man zugleich den politischen Gegner ins Visier nimmt. Tesarek lobt deshalb nicht nur unermüdlich die brave Wiener SPÖ, sondern kritisiert vor allem die ÖVP und die Bundesregierung. Bürgermeister Michael Ludwig darf anhand des Beispiels der vorerst noch geschlossenen Bundesgärten salbungsvoll in die Kamera verkünden, nur das Beste für seine Wiener zu wollen. Die Bundesgärten nicht zu öffnen sei „eine Demütigung der Wiener Bevölkerung gegenüber“.

Das wird mit Bildern untermauert, bei denen dem Betrachter sofort der Begriff „manipulativ“ einfällt. Auf einer Wiese im Wiener Prater spielen junge und alte Leute vorbildlich in großem Abstand zueinander. Brave SPÖ, die das ermöglicht. Die Bilder vom bösen Gegenteil: An einer engen Straßenstelle vor einer Mauer des gesperrten Wiener Augartens drängen sich junge und alte Menschen, zu Fuß oder auf Fahrrädern, weil die Tore des Augartens verschlossen sind. Schuld ist die böse ÖVP, die eine Öffnung dieser Parks vor Ostern heimtückisch verhindert.

Es geht halt nichts über Objektivität des öffentlich-rechtlichen Senders.

Paul Tesarek – er ist seit dem vergangenen Jahrtausend Chefredakteur des ORF-Wien – ist seiner Partei so innig verbunden, dass er als Meister des zahnlosen Interviews gilt, wenn ihm Leute wie Michael Häupl gegenüber saßen. Daran hat sich offensichtlich auch nach Häupls Abgang nichts geändert.

Die gar nicht schwierige Prognose für die nächsten Monate: Der bereits angelaufene Wiener Wahlkampf im ORF kann noch heiter werden.