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Werner Reichel (Ö1 Di, 29.09.2020, 07:00)
Morgenjournal

Es ist eine echte Wohltat. Auf Ö1 wird man normalerweise mit den Weisheiten, Erkenntnissen, Parolen und Phrasen von Linken aller Schattierungen dauerbeschallt. Was auch immer in Österreich und der Welt passiert, die auf Ö1 von Redakteuren und Experten verkündeten Analysen und Lösungen gehen immer in eine Richtung: mehr Staat, mehr Steuern, mehr Umverteilung, mehr Regeln, mehr Interventionen, mehr Bürokratie etc.

Im Ö1-Morgenjournal ist heute Franz Schellhorn von der Agenda Austria zu Gast. Agenda Austria ist ein laut Ö1 ein „neoliberaler Thinktank“. Aus dem Mund einer Ö1-Journalistin klingt „neoliberal“ nicht viel besser als Kinderschänder. Egal. Franz Schellhorn darf sogar ausreden. Meistens. Was er sagt, ist das Gegenteil von dem, was Ö1 ansonsten seinen Hörern von früh bis spät reindrückt.

Thema ist die anrollende Pleitewelle und Wirtschaftskrise, die man auch im gebührenfinanzierten Ö1-Elfenbeinturm langsam zur Kenntnis zu nehmen hat.

Was fällt der Ö1-Redakteurin dazu ein? Siehe oben. Der Staat müsse mehr tun. Sie fragt Schellhorn nach der SPÖ-Idee von staatlichen Beteiligungen an maroden Unternehmen, also nach Verstaatlichung und redet vom „starken Staat“, den das Land nun brauchen würde.

Da ist er wieder, der starke Staat, nach dem Linke und andere Kollektivisten permanent wie die kleinen Kinder rufen. Schellhorn trocken: Den starken Staat haben wir längst. Der Staat solle sich lieber um die Gesundheitskrise kümmern und die Finger vom Unternehmertum lassen. Zudem könne der Staat Pleitewellen nur hinauszögern und eventuell dämpfen, aber nicht verhindern. Kurz und bündig.

All das ist für Ö1-Marxisten nur schwer zu verstehen. Weshalb das Interview auch ungewöhnlich kurz ist. Zu viele solcher gefährlicher Meinungen will man sich dann doch nicht auf Ö1 zumuten. Ist nicht gut fürs betagte Linkenherz und -hirn.

Ein erfrischender Auftritt im miefigen Linkssender, wo seit den 1960ern nicht mehr durchgelüftet wurde. Leider sind Interviewgäste wie Schellhorn nur seltene liberale Feigenblätter, die Ö1 ab und zu braucht, um zumindest so tun zu können, als würde man sich an die gesetzlichen Vorgaben eines öffentlich-rechtlichen Senders halten.